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Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Sophie in Norwegen

Norwegisch – Vorkenntnisse oder ins kalte Wasser springen?

Wenn man sich für einen Aufenthalt in Norwegen entscheidet, kommt man um die norwegische Sprache nicht herum, ob in der Musik, im Alltag oder in der Gastfamilie.

Die Sprache zu lernen war für mich etwas sehr Schönes. Ich hatte die Sprache so verinnerlicht, dass ich selbst nach meiner Rückkehr noch einzelne Wörter im Deutschen eingebaut habe. Da ihr bestimmt viele Fragen zu diesem Thema habt, habe ich mir einige herausgesucht, die mich damals auch sehr beschäftigt haben. Wenn ihr noch weitere Fragen zu diesem Thema habt, könnt ihr euch auch so noch einmal mit mir in Verbindung setzen ;)

Wie gut müssen meine Kenntnisse vorher sein?

Insgesamt braucht man eigentlich keine Vorkenntnisse, was die Sprache anbelangt. Jedoch kann man sich vorher schon ein bisschen über verschiedene Floskeln informieren, um auch bei der Ankunft die Gastfamilie ein bisschen zu überraschen. Wenn man sie gleich am Flughafen auf Norwegisch begrüßt, freuen sie sich umso mehr. Doch auch wenn ihr es nicht macht, ist das kein Problem. Denkt dran, auch für eure Gastfamilie ist dies eine neue Erfahrung und Situation.

Muss ich einen Sprachkurs vorher machen?

Ich habe einen Norwegisch-Beginner-Kurs an einer Volkshochschule gemacht. Dies war gut, um die Sprache kennenzulernen und um mir ein wenig mehr Sicherheit zu geben. Leider waren zwischen dem Ende des Kurses und der wirklichen Abreise die Sommerferien dazwischen, womit ich so gut wie alles wieder vergessen habe, was ich dort gelernt hatte. Im Nachhinein hat der Sprachkurs mir nur teilweise geholfen. Wenn ich Wörter oder Texte gelesen habe, hatte ich eine ungefähre Ahnung was diese bedeuten könnten. In Unterhaltungen war ich am Anfang ziemlich aufgeschmissen. Das Sprachtempo der Norweger hat die Verständigung erschwert und die vielen verschiedenen Dialekte haben das Ganze nicht erleichtert. Ich habe im Sprachkurs Bokmal gelernt, dies wird hauptsächlich in Oslo gesprochen. Ich habe in Stavanger gelebt und dort gab es einen ganz anderen lokalen Dialekt. Daher war es am Anfang ein wenig schwer in den Dialekt reinzukommen. Auch war meine Schule in einer anderen Kommune, womit ich dort auch noch mal einen anderen Dialekt kennengelernt habe. Daher ist mein Norwegisch ein ziemlich guter Mix aus vielen verschiedenen Dialekten geworden.

Wie lange dauert es bis ich die Sprache beherrsche?

Mir wurde vor meiner Abreise ein Zeitraum von sechs Wochen bis hin zu 3,5 Monaten gegeben, bis man die Sprache beherrscht. Es ist wie bei jeder neuen Sprache, manche erlernen diese in Rekordzeit, andere dagegen brauchen etwas länger bis sie sich einigermaßen entspannt unterhalten können. Ich habe nach ungefähr sechs Wochen angefangen zu verstehen was andere Leute in Gesprächen untereinander gesagt haben. Auch konnte ich dann schon schnelleren Gesprächen folgen, war aber noch ziemlich überfordert, wenn ich selber angesprochen wurde. Meistens habe ich es sogar schon verstanden, jedoch musste ich etwas länger nachdenken, um die richtigen Worte zu finden. In der Zwischenzeit wurde der Satz wiederholt und ich konnte auf Englisch antworten. Zur selben Zeit habe ich dann aber angefangen in einfachen, kurzen Sätzen zu sprechen. Bevor ich das erste Mal versucht hab einen richtigen Satz zu bilden, war ich ziemlich nervös. Meine Gastfamilie hat mich sehr ermutigt und ich habe es dann sogar fehlerfrei hinbekommen, was mich sehr stolz gemacht habe. Im Schreiben wurde es dann auch immer besser, was ich wahrscheinlich nur den Schulaufgaben zu verdanken habe. Mitte November habe ich dann sehr fließend gesprochen. Natürlich gab es immer mal wieder Wörter, die mir gefehlt haben, doch es wurden immer weniger und meine Gastfamilie hat mir auch immer geholfen.

Wie kann ich mich ansonsten mit meiner Gastfamilie verständigen?

Ich habe mit meiner Gastfamilie Englisch gesprochen. Doch manche Leute in Norwegen können auch Deutsch sprechen oder zumindest verstehen, weil viele die Sprache in der Schule lernen oder gelernt haben. Meine Gastgroßeltern konnten kein Englisch, aber meine Gastfamilie hat dann den Dolmetscher gespielt und irgendwann konnte ich ihnen dann auch einsilbig antworten.

Hat meine Gastfamilie mir geholfen die Sprache zu lernen?

Meine Gastfamilie war sehr begeistert mir die Sprache zu zeigen und auch beizubringen. Die ersten paar Tage haben wir noch Englisch geredet. Selbst untereinander haben sie sich auf Englisch unterhalten, damit ich mich nicht ausgeschlossen fühlte. Gleich danach fingen wir mit einfachen Phrasen wie „Guten Morgen“ () oder „Gute Nacht“ () an. Dann folgte so etwas wie „Wie geht es dir?“ oder „Hattest du einen guten Tag“, somit wurde es immer mehr. Auch haben mich meine Gasteltern zuerst immer auf Norwegisch angesprochen und es dann auf Englisch wiederholt, damit ich schon mal eine Ahnung hatte, wie es auf Norwegisch heißt. Auch wurde die Einkaufsliste auf Norwegisch geschrieben oder andere kurze Notizen oder WhatsApp-Nachrichten. Das hat es mir erleichtert Norwegisch zu lernen, weil meine Gastfamilie mich in Alles auf Norwegisch mit einbezogen hat. Ich kann euch nur raten mit eurer Gastfamilie etwas ähnliches absprecht, damit es euch leichter fällt die Sprache zu lernen. Es ist auch nicht schlimm, wenn ihr Fehler macht, die meisten freuen sich einfach nur, dass ihr es versucht und achten gar nicht so darauf, was ihr für Fehler macht. Und wenn doch, dann seit froh darüber, dass sie euch auf die Fehler hinweisen und euch dann erklären, wie es richtig heißt.

War es schwierig am Anfang in der Schule mitzukommen?

Mir war schon vorher klar, dass ich am Anfang nicht komplett mitkommen werde. Der Unterricht ist auf Norwegisch. Jedoch konnten eigentlich alle Lehrer gut Englisch und alle wussten, dass ich die Sprache noch nicht kann. Ich habe mich mit einigen Lehrern unterhalten, damit sie über alles Bescheid wissen. Während des Unterrichts war es besonders schwierig zu verstehen, was die Lehrer einem erklären oder erzählen. Mit dem Schriftlichen hat es meistens schon sehr gut funktioniert, da zum Beispiel viele Fachbegriffe in den wissenschaftlichen Fächern den deutschen oder aber den englischen sehr ähnelten. So bin ich dann auch gut im Unterricht mitgekommen. Einige Lehrer haben mir auch angeboten in den ersten Wochen die Textaufgaben auf Englisch zu beantworten, damit ich zumindest meine Leistung abliefern konnte und das Konzept verstand. Mein Textverständnis verbesserte sich bereits nach kurzer Zeit. Ich habe viel mit Übersetzungen gearbeitet. Doch schließlich kamen dann die ersten schriftlichen Prüfungen nach einigen Wochen. Ich habe daher von Beginn an alles auf Norwegisch auswendig gelernt. Ich wusste nicht wirklich worum es im Detail in den ganzen geografischen Prozessen ging, aber durch das Auswendig-Lernen konnte ich in den Prüfungen relativ gut abschneiden.

Das Einzige, was ein wenig mühsam zu Beginn war, war das Erledigen der Hausaufgaben. Dafür brauchte ich bis zu den Herbstferien sehr lange. Ich wollte es einfach gleich richtig machen und es so gut wie möglich versuchen, was mir im Nachhinein nur geholfen hat, denn so habe ich mich intensiv mit der Sprache befasst und sie relativ schnell gelernt und verstanden. Doch in dem Moment saß ich dann schon mal eine halbe oder eine Stunde länger an den Hausaufgaben.

Wie ist das in der Schule?

Ich hatte am Anfang schon ein bisschen Respekt vor der Schule. Allein weil ich mir mit meinem Englisch ziemlich unsicher war. Ich habe vor meinem Auslandsjahr gehört, dass die Norweger alle ein sehr gutes Englisch beherrschen. Doch auch wie bei jeder anderen Norm, gibt es auch hier ausnahmen. Viele konnten zwar schon Englisch, aber haben sich dann nicht getraut mit mir zu reden. Einige meinten später, sie hätten Angst gehabt, dass ihr Englisch zu schlecht gewesen wäre. Doch einige haben sich dann doch mit mir unterhalten und wurden dann auch zu engen Freunden von mir. Eine meiner besten Freunde meinte später, als ich dann fließend Norwegisch sprechen konnte, dass sie lieber wieder mit mir Englisch reden würde, damit sie ihr Englisch ein bisschen verbessern und einfach am Ball bleiben kann ;)

Ein Problem, welches öfters aufgekommen ist, ist, dass die Leute manchmal keine Rücksicht auf einen genommen haben. Damit meine ich, dass sie manchmal einfach vergessen haben, dass ich sie nicht verstehen kann und daher dem Gespräch nicht folgen konnte. So hat man sich dann ab und zu ein bisschen ausgeschlossen gefühlt. Bei denen, wo es mir wichtig war, dass ich sie verstehe oder auch mit einbezogen werde, da habe ich diejenigen auch darauf hingewiesen oder einfach nachgefragt, worum es gerade ging. Diese Personen haben sich dann auch die Zeit genommen, mir zu helfen. Daran habe ich dann auch gemerkt, wem ich von meinen Freunden wichtig bin.

Die Sprachprobleme waren schon eine Hürde, die es zu meistern gab, doch wenn man dann erstmal auch versteht, was die Leute untereinander reden und man selbst antworten kann, wurde man auch viel schneller in die Gespräche mit einbezogen.