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Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Kiara in den USA

Ein Auslandsjahr aus Sicht der Eltern

Da ich schon oft von Leuten gehört habe, dass sie sehr gerne ein Auslandsjahr machen würden, aber ihre Eltern es ihnen nicht erlauben, dachte ich, ich frage meine Eltern mal, wie sie mein Auslandsjahr erlebt haben. Ich hoffe, dass dieses kleine Interview dem ein oder anderen hilft seine Eltern von einem Auslandsjahr zu überzeugen oder ihnen die Angst davor zu nehmen.

Welche Bedenken hattet ihr vor meinem Auslandsjahr?

Papa: Meine größte Unsicherheit war, dass ich selbst noch nie in den USA war und somit keine gute Vorstellung von den Lebensverhältnissen dort hatte. Dazu kam, dass ich Unruhen wegen der Präsidentschaftswahlen erwartete und nicht einordnen konnte, wie die Lage eskalieren würde. Außerdem machte mir Sorgen, dass es aufgrund der Entfernung unmöglich war, im Notfall schnell bei meiner Tochter zu sein. Es war ein Gefühl der Ohnmacht.

Mama: Meine Bedenken waren eher äußerer Natur. Ganz besonders der Waffenbesitz und deren Gebrauch vieler Menschen in den USA machten mir zu schaffen. Auch die große Entfernung zu meiner Tochter, sollte es zu einem Notfall kommen, machte mir große Sorgen und gab mir ein ungutes Gefühl.

Wie konntet ihr diese Bedenken überwinden?

Papa: Ich hatte großes Vertrauen in meine Tochter und war überzeugt davon, dass sie sich nicht leichtfertig in kritische Situationen bringen würde. Außerdem habe ich mir gesagt, dass über DFSR schon so viele Jugendliche ins Ausland gegangen waren, dass es sich bestimmt schon rumgesprochen hätte, würde dort regelmäßig etwas schief gehen.

Mama: Sicherheit gab mir, dass das Auslandsjahr über eine Organisation organisiert wurde und es somit immer konkrete Ansprechpersonen gab. Sollte es zu einem Notfall kommen, erhoffte ich mir dadurch schnelle Unterstützung. Dies geschah ja dann letztendlich auch im Fall der Coronakrise.Auch zu erleben, wie meine Tochter schon im Vorhinein alles selbstständig regelte und Verantwortung für ihr Handeln übernahm gab mir große Sicherheit, dass sie Wege und Möglichkeiten finden würde auch im Ausland mit Herausforderungen umzugehen.

Gab es Vorkehrungen, die euch ein besseres Gefühl darüber gegeben haben, dass ich ins Ausland gehe?

Papa: Ich hatte bei DFSR ein sehr gutes Gefühl. Es war eine offene Kommunikation und die Dinge wurden sehr realistisch und nicht beschönigt dargestellt. Auch das Telefonat mit der Gastfamilie hat mir Sicherheit gegeben, da ich spürte, dass meine Tochter dort gut aufgehoben sein würde.

Mama: Die Regeln und Rahmenbedingungen, die durch DFSR festgelegt wurden (Vorbereitungstreffen, Flüge und Mitreisende, Ansprechpartnerin vor Ort, kurze Monatsberichte über die Schule und die Gastfamilie) gaben mir ein sehr gutes Gefühl.

Wie ging es euch, während ich weg war (Sorgen/Ängste und der Umgang damit, aber auch positive Dinge)?

Papa: Der Abschied fühlte sich schrecklich an. Es war daher gut, dass ich selbst durch eine Campingreise in Norwegen abgelenkt war. Zu Beginn des Auslandsjahres war ich sehr neugierig, etwas von meiner Tochter zu erfahren und irritiert, dass diese gar keine Kommunikation forcierte. Mit der Zeit wurde mir klar, dass sie erstmal selbst Zeit brauchte, um sich zu akklimatisieren und überhaupt ein paar Dinge zu erleben, die erzählenswert waren. Bohrende Fragen wären da ganz bestimmt kontraproduktiv gewesen. Schön war es allerdings, dass ich nach einiger Zeit die Entspanntheit meiner Tochter spürte. Das zeigte mir, dass sie gut angekommen war und es keinen Grund zur Aufregung gab. Sie erzählte dann auch von ersten Freundschaften, was sehr schön zu hören war. Auch schön war, dass sie auf einmal Laufsport mochte, wofür ich selbst sie all die Jahre nicht begeistern konnte.

Mama: Erstmal habe ich mich über den Mut meiner Tochter gefreut, so einen großen Schritt zu wagen. Natürlich war der Moment des Abschieds berührend. Meine Sorge galt jedoch nicht dem Abschied, sondern dem Wiederkommen. Fast ein Jahr selbstständig woanders leben und dann wieder nach Hause kommen, da habe ich mir so manchen Konflikt vorgestellt.Besondere Tage wie Weihnachten oder Geburtstage ohne meine Tochter zu erleben war seltsam. Aber es hat mir auch bewusst gemacht, dass das der normale Weg ist, wenn die Kinder erwachsen werden und ihre eigenen Wege gehen. Ein schwieriger Moment war der Tod der Oma meiner Tochter. Da hätte ich sie gerne in den Arm genommen und habe mir sehr gewünscht, dass sie Menschen vor Ort hat, mit denen sie darüber sprechen kann. Highlights waren für mich die Videokonferenzen. Zu hören, dass es meiner Tochter gut geht und zu sehen, dass sie einen entspannten Eindruck macht, war beruhigend. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass sie ihr Ding macht, auch wenn es mal Herausforderungen gab. Positiv für mich war auch, dass ich mich wieder ganz anders mit meinem Ehemann verbunden habe. Es war schon mal ein Üben für den Moment, wenn unsere Tochter ganz auszieht.

Wie war es als ich wieder zurückkam?

Papa: Es war natürlich durch die Pandemiesituation keine optimale Rückkehr. Ich hätte meiner Tochter von Herzen ein komplettes High School Jahr gegönnt. Man spürte, wie zerrissen sie bei der Entscheidung des verfrühten Rückflugs war, daher war ich unsicher, ob dieser Umstand völligen Frust in ihr auslösen würde. Trotzdem war es eine Freude meine Tochter wieder bei uns zu haben und zu sehen, dass sie die Umstände der Pandemie dann doch sehr sportlich nehmen konnte. Wir konnten eine junge Frau begrüßen, die fast erwachsen und wesentlich selbstbewusster als bei ihrer Abreise war.

Mama: Auch die Rückkehr war wieder sehr emotional. Ich habe mich gefreut meine Tochter wieder gesund und munter in die Arme nehmen zu dürfen. Sie hat sich in dem Jahr unglaublich verändert. Sie ist viel optimistischer an Dinge herangegangen und hat plötzlich neue Sachen einfach ausprobiert. Auch ihre Haltung, dass die Zeit in Amerika zählt und nicht die Zeit, die sie früher nach Hause musste, war sehr schön zu sehen. Meine Bedenken, dass es schwierig würde, wieder einen gemeinsamen Alltag zu leben, haben sich schnell in Luft aufgelöst.

War das Auslandsjahr rückblickend die richtige Entscheidung?

Papa: Es war definitiv die richtige Entscheidung. Es war ja sowieso die alleinige Entscheidung meiner Tochter, die wir lediglich gefördert haben. Ihr diesen Traum zu verwehren wäre bestimmt ein Fehler gewesen.

Mama: Ich habe den Eindruck, dass meine Tochter die Zeit in der USA genutzt hat. Sie hat sich ausprobiert, viel neues erlebt und ist daran sehr gereift. Für mich hat sie daher absolut die richtige Entscheidung getroffen und ich habe sie gerne mitgetragen.