Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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David in den USA

Die Rückkehr nach Deutschland

So schön und erlebnisreich ein Auslandsjahr sein kann, steht jedem Austauschschüler irgendwann die Rückkehr nach Deutschland bevor. Vielleicht befindest Du dich gerade selbst in der Situation, in wenigen Wochen dein Gastland und alle Menschen dort verlassen zu müssen oder Dir steht ein potenzielles Auslandsjahr noch bevor und Du fragst Dich aber schon, wie es sein wird, wieder zurückzukehren. Daher ein kleiner Erfahrungsbericht von meiner Rückkehr aus den USA:

Das Datum meines Abschiedes aus den USA wusste ich schon viele Monate davor, jedoch - egal ob ich mich auf den Tag freute oder ihn fürchtete - schien er stets sehr weit weg und es war für mich im Grunde gefühlsmäßig undenkbar, dass er je kommen würde. Daher habe ich, obwohl es für jemanden, der nie in der Situation war, komisch klingen mag, erst als meine letzte Woche anbrach, vollständig realisiert, dass ich (sehr) bald zurückgehen müssen würde. Und das traf mich ziemlich unvorbereitet, denn ich war davor immer der Meinung, ich sei mehr oder weniger bereit, wieder zu gehen und wüsste, was auf mich zukommen würde. Das war nicht der Fall!

Die letzte Woche war eine emotionale Achterbahnfahrt und als der Tag des Abfluges schließlich kam, verließ ich ein letztes Mal das Zimmer und Haus, das über sechs Monate lang mein Zuhause war, in dem Wissen, dass es dies nie mehr in dieser Form sein würde. Trotzdem uns allen - meiner Gastfamilie, einem guten Freund der Familie, der selbst einen Gastschüler gehabt hatte, der wenige Tage zuvor nach Hause geflogen war und meinem belgischen Gastbruder - sehr wohl bewusst war, dass wir nun zum Flughafen fuhren, fühlte es sich an, als würden wir nur einen weiteren Ausflug machen, wie so oft in den letzten Monaten. Wir machten einen kurzen Zwischenstopp in einem Restaurant, aßen nochmal alle ein (vorerst) letztes Mal zusammen und alles fühlte sich immer noch so an, als wäre es einfach wie jeder andere Tag.

Schließlich erreichten wir den Flughafen, checkten die Koffer ein und warteten noch die halbe Stunde, die wir vor dem Boarding hatten, zusammen. Immer noch fühlte sich alles ziemlich normal an. Erst als die letzten fünf Minuten anbrachen und wir uns allmählich alle voneinander verabschiedeten, setzten bei uns die Emotionen ein und kaum einer brachte überhaupt noch ein Wort über die Lippen. Schließlich gingen mein Gastbruder, ich und zwei weitere Gastschüler, die den gleichen Flug hatten, durch die Sicherheitskontrolle und ließen drei weinende Gastfamilien zurück.

Auf meinem ersten Flug (Inlandsflug nach New York) war ich also noch nicht alleine, sondern hatte Freunde um mich, was die Sache definitiv besser machte, da man nicht mit seinen Gedanken alleine war. In New York folgte schließlich aber der zweite Abschied und von da an war ich wirklich alleine und erlebte den wahrscheinlich unschönsten Flug meines Lebens. Die Ankunft Zuhause war herzlich, aber für die ersten zwei Tage fühlte ich mich wie zwischen zwei Welten gefangen und fast wie ein Fremder in Deutschland. Das wurde zwar mit jedem Tag besser, aber wirklich abschließen konnte ich mit meinem Auslandsjahr erst mehrere Monate später.

Wie aus meinem Bericht vielleicht deutlich wurde, ist der Abschied aus dem Gastland also ein sehr einschneidendes Erlebnis und in vielen Fällen vermutlich schwieriger als die Abreise aus Deutschland, da man - im Gegensatz dazu - nämlich ein Leben hinter sich lässt, in das man so nie wieder zurückkehren wird. Das zu akzeptieren, hat - zumindest für mich - lange gedauert. Ohne Angst machen zu wollen, würde ich fast behaupten, dass es kaum möglich ist, sich mental wirklich auf die Abreise vorbereiten kann, da meistens eine einem bis dahin völlig unbekannte Situation bevorsteht. Man kann sich aber zumindest bewusst machen, dass es vermutlich nicht einfach werden wird und sich so zumindest vor einer bösen Überraschung bewahren