Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Alina in Irland

Verabschiedung und Ankunft in Deutschland

Vor über einem Jahr bin ich aus Irland wieder nach Deutschland gekommen und obwohl mir bewusst war, dass das möglicherweise ein ausschlaggebender Teil des Auslandsjahres sein würde, war mir nicht bewusst, wie mich dieser geprägt hat. Deshalb habe ich mir überlegt über diesen Teil des Auslandsjahres zu berichten, da er sich auch heute noch häufig in meine Gedanken schleicht.

„Der Anfang vom Ende“ war eine kleine Abschiedsfeier bei einer anderen Austauschschülerin zuhause. Da wir an meiner Schule einige Austauschschüler waren, war das das letzte Mal, dass ich einige meiner Freunde sehen würde. Ich erinnere mich an dieses surreale Gefühl, dem Bewusstsein, dass dieser Ort in weniger als 24 Stunden nicht mehr greifbar sein würde, dass die Menschen gefühlt unendliche Kilometer von mir entfernt sein würden ohne die Aussicht auf eine Rückkehr zu diesem Zustand. Dieser Zustand von dem Gefühl von Freiheit und auf irgendeine Art und Weise auch Ungreifbarkeit. Ich erinnere mich, dass wir beieinandersaßen und lachten und redeten und Musik leise im Hintergrund spielte und wir alle scheinbar für einen Moment vergaßen weshalb diese Feier überhaupt stattfand. Doch langsam neigte sich der Abend dem Ende zu und Gespräche voll Energie und Lachen verstummten und entwickelten sich zu geflüsterten Verabschiedungen, tränenüberströmten Gesichtern und einem bedrückenden Gefühl. Doch während wir uns umarmten, versprachen uns möglichst bald wiederzusehen, zeigte sich, dass obwohl der Abschied schwerfiel, es kein Abschied für immer sein würde. Mehr ein Abschied für jetzt oder ein „Bis bald“. Zu mindestens versuchte ich so auf diese Momente zu blicken. Mehr optimistisch als pessimistisch. Und ich erinnere mich an die Stille als meine Gastschwestern und ich ins Auto einstiegen, denn keine von uns hatte Worte für die Gefühle, die wir in diesem Moment hatten.

Es war nicht allzu spät als wir nach Hause kamen und unsere Gasteltern empfingen uns mit offenen Armen. An diesem Abend, unserem letzten Abend, schliefen wir alle in einem Bett, um die Zeit, welche wir noch übrighatten, möglichst zusammen zu verbringen. Meine ältere Gastschwester und ich würden mit dem frühsten Bus fahren und meine jüngere Gastschwester mit einem Späteren. Und ab da, muss ich zugeben, habe ich einen sehr unscharfen Blick auf das Geschehen. Wenn ich daran zurückdenke, fühlt es sich etwas an, als würde ein Nebel über diesen Augenblicken liegen. Ich erinnere mich, dass meine Gastschwestern und ich meiner Gastmutter ein Geschenk für Ihren Geburtstag gaben, der leider auch der Termin unserer Abreise war, dass ich meine Gastmutter und meine Gastschwester umarmte, ein letztes Mal winkte und meine ältere Gastschwester und ich mit meinem Gastvater ins Auto stiegen.

Auf eine bestimmte Art und Weise fühlte sich diese Autofahrt an wie ein Déjà-Vu. Die bekannte Route, der gleiche Weg, die gleichen Personen im Auto wie bei unserer Ankunft. Und doch fühlte ich mich wie ein anderer Mensch. Als wir mit dem Auto ankamen war der Bus noch nicht da, deshalb warteten wir im Auto. Auch andere Austauschschüler warteten mit ihren Gasteltern bzw. Gastfamilien auf die Ankunft des Busses. Dann sahen wir die Frontleuchten und es hieß nochmal: Abschied nehmen. Nachdem meine Gastschwester und ich unsere Koffer in den Stauraum des Busses beförderten und unseren Gastvater umarmten und versprachen Bescheid zu sagen, sobald wir gut angekommen waren, stiegen wir in den Bus ein und bei uns blieb kein Auge trocken. Unser Ziel: Dublin Flughafen. Da der Bus von der Partnerorganisation von DFSR kam, erkannte ich bekannte Gesichter vom Ankommenstreffen. Als würden sich der Anfang und das Ende verbinden. Als wir dann am Flughafen ankamen, brachten wir als Gruppe einige Schüler zu ihren Terminals. Anschließend liefen wir als Gruppe zu unserem Terminal. Die Eltern meiner Gastschwester holten sie dort ab, da sie noch einige Tage in Dublin bleiben wollten und dann hieß es auch hier: „Bis hoffentlich ganz bald“. Ich erinnere mich noch so gut daran, bzw. gut im Gegensatz zu anderen Momenten, weil es so surreal war, dass sie in einem Moment da war, wir uns umarmten und unsere letzten Verabschiedungen sagten und im Nächsten mit ihren Eltern in der Menge, der sich tummelnden Menschen verschwand.

Dann waren wir nur noch eine Handvoll von Austauschschülern und, da wir alle unser Gepäck bereits abgegeben hatten, wanderten wir etwas verloren im Flughafen umher, bis wir uns dazu entschlossen nach etwas zu Essen zu suchen, da einige von uns hungrig waren. Wir fanden eine Bäckerei und setzten uns davor und dann hieß es: Warten. Auch hier war das Gefühl komisch. Ich wusste, dass ich in wenigen Stunden zuhause, in Deutschland in meinem Zimmer sitzen würde und dieses Kapitel meines Lebens beendet sein würde. Und die Zeit verflog, denn nach gefühlten fünf Minuten war es auch für mich so weit zu meinem Gate zu gehen. Ich verabschiedete mich von allen und dann ging ich allein mit schwerer Last auf meinem Rücken, sowohl materiell als auch emotional, durch den Flughafen in Richtung meines Gates. Dort wartete ich auch einige Minuten, dann war Boarding und ich war auf dem Weg nach Deutschland, nach Zuhause. Als ich dann aus dem Flugzeug ausstieg und mein Gepäck abgeholt hatte, hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl. Was ist, wenn sich alles verändert hat? Doch als ich dann durch die Schiebetür der Ankunftshalle trat und ich meine Familie sah, fiel dies, wenigstens für einige Minuten, ab. Das mulmige Gefühl wurde ersetzt durch Freude meine Familie wiederzusehen. Doch ich würde nie bestreiten, dass ich einen Teil von mir in Irland ließ, um diesen, hoffentlich, möglichst bald, wiedersehen zu können.

Alina :)