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Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Isabel in den USA

Softball - My Guilty Pleasure

In meinem ganzen Leben hatte ich viele verschiedene Sportarten ausprobiert. Unter anderem tanzte ich Ballett und machte Synchroneiskunstlaufen als Kind. Außerdem spielte ich auch gerne Tennis. Als ich dann nach Amerika flog, konnte ich meinen Aktivitäten nicht mehr nachgehen.
An meinem ersten Tag in der Schule lernte ich ein sehr nettes Mädchen kennen, sie hieß Dami. Sie war super freundlich und offen und schlug meiner Gastschwester Lin (aus Dänemark) und mir vor, ihr beim Training zu zuschauen. Als wir später zum Trainingsplatz rüber liefen, fragte ich Lin, was Dami für einen Sport mache. Lin sprach dann über Softball und erwähnte, dass sie es auch, zu Hause in der Schule, ausprobierte. Da ich in meinem ganzen Leben noch nie von Softball gehört hatte, wusste ich nicht, was dieser Sport überhaupt war. Daraufhin fragte ich Lin nach einer Erklärung und ihre Antwort war nur "Wirst du gleich sehen". So lief ich mit lauter Unwissenheit und Neugier zum Feld.


Roter Sand und eine große, weite, grüne Wiese. Ja, das Feld
sah praktisch aus wie ein Baseballplatz. Es waren nur Mädchen beim Training und zwei männliche Coaches. Als ich Dami und den anderen zusah, war es sozusagen wie "Liebe auf den ersten Blick". Daraufhin meinte ich zu Lin: "Ich werde diesen Sport spielen, komme was wolle!"
Wenn ihr, genauso wie ich, nicht wisst, was Softball für eine Sportart ist, geht es euch wie es mir damals erging. Hier eine kleine Erklärung: Softball ist ein Mädchen-Mannschaftssport, der nur draußen stattfindet. Gespielt wird nach ähnlichen, aber nicht gleichen Regeln, wie bei Baseball.
Nun kam der Oktober und die "fast-pitch" Saison endete. Diese Art von Softball wird nur im Hochsommer bis Ende Herbst gespielt. Ich wollte zur "slow- pitch" Saison (Frühjahr bis Mitte Sommer) und mir wurde, wortwörtlich, die "Erlaubnis" erteilt, mich anmelden zu dürfen. Das machte ich dann auch. Mein Stundenplan wurde daraufhin geändert und von da an hatte ich jeden Tag in der1. Stunde Softball. Ich kann mich noch genau an meine Anfangszeit erinnern... Ich war so aufgeregt und nervös. Ich hatte öfter Verständnisprobleme mit der Sprache. Auch wusste ich nichts von den Spielregeln und den vielen Spieltaktiken. Es war schwer, wirklich schwer, sich zu integrieren. Dies lag überwiegend daran, dass alle den Sport seit sie gehen konnten spielten. Am meisten hatte ich jedoch Probleme mit der Technik!
Jedoch hatte ich wirklich Glück mit meiner Gastfamilie, denn sie unterstützen mich in jeder Hinsicht. Sie besorgten mir sogar einiges von der Sportausrüstung. Im Nachhinein muss ich sogar zugeben, dass ich auch Glück mit meinem Coach hatte. Das Training in Amerika war zwar die Hölle auf Erden, weil uns unser Coach jeden Tag unter enormen Leistungsdruck setzte. War ich für einen Moment nicht konzentriert genug, wurde ich angebrüllt. Habe ich den Ball schlecht geworfen oder konnte ihn nicht fangen, wurde ich angebrüllt. Haben wir als Team es nicht geschafft, die Übung so auszuführen wie Coach es wollte, wurden wir angebrüllt. Hatte er schlechte Laune, wurden wir angebrüllt. Sehr oft kam es zu Strafrunden, Strafübungen und so weiter... Positiv gesehen, konnte ich einen 5 Kilometerlauf problemlos und locker rennen. Aber Coach war keinschlechter Trainer. Wir durften uns nie mit ihm anlegen, geschweige denn widersprechen, aber wir sind als Team in die "State-Finals" gekommen und nahmen den zweiten Platz in ganz Oklahoma ein. Außerdem hatte er eine erstaunliche Sportphilosophie und Lebenseinstellung. Selbst heute noch verwende ich einiges, was er mir beigebracht hatte.
Als es Februar wurde, bekam Softball unerträglich, zwar waren wir davor schon in der Hölle auf Erden, aber für dieses Stadium habe ich keine Worte finden können. Und nein, ich übertreibe nicht. Ab diesem Monat bin ich des Öfteren um acht oder neun Uhr abends sofort eingeschlafen, obwohl ich mich nur kurz hingesetzt hatte. Morgens hatten wir anderthalb Stunden Sport, dann sechs Stunden Schule und nach der Schule von 16 Uhr bis meistens 19-20 Uhr Training. Jeden Tag. Häufig kamen noch Wochenendstrainingsmaßnahmen für viele Stunden in der unausstehbaren Hitze, denn ab März wurde es richtig heiß, dazu. Somit war ich zur Leistungssportlerin befördert worden. Kurze Zeit später wurde ich krank, da mein Körper dem massiven Leistungsdruck nicht standhalten konnte. Vielleicht fragt ihr euch inzwischen, wieso ich diesen Sport noch überhaupt spielte...

Ganz einfach. Anfangs traf ich keinen einzigen Ball. Ich konnte keinen Ball ordentlich werfen, geschweige denn fangen. Doch mit viel Arbeit fing ich an, den ersten Ball zu treffen, den ersten Ball weit zu werfen und hervorragend zu fangen. Nach und nach bemerkte ich die Veränderungen in meinem Körper: Muskelaufbau, Ausdauer und Schnelligkeit haben sich verbessert. Das hatte mich natürlich noch mehr motiviert, mich in diesen Sport zu knien.
Am Ende meines Schuljahres hatten wir ein "Sportsbanquet", wo alle Sportlerinnen und Sportler, Trainer und Coaches sich zu einem Abendessen in unserer High School versammelt hatten. Auch kamen die Familien von vielen. Zusätzlich zum Essen wurden Reden gehalten und Trophäen verliehen. Nun war unser Softball Team an der Reihe. Wir gingen alle nach vorne, unser Coach sprach und begann, Trophäen für "beste Spielerin", "schlauste Spielerin" und "Spielerin, die die meisten Bälle schlug" usw. auszuhändigen. Es war bezaubernd, die Gesichter meiner Freunde und Teamkameradinnen zu sehen, die Trophäen erhielten. Doch plötzlich wurde auch mein Name aufgerufen. Erstmal konnte ich es nicht realisieren, da ich niemals gedacht hatte, dass mein Name, der Name einer Anfängerin, aufgerufen werde. Meine Teammates drängten mich nach vorne und so stand ich neben dem Rednerpult und meinem Coach. Kurz zusammengefasst, ich hatte angefangen zu weinen, da ich von seiner Rede sehr gerührt war. Mein Team und er überreichten mir eine ganz besondere Trophäe. Die "Lady Bulldog". Anscheinend war diese Auszeichnung etwas ganz besonderes gewesen und nicht jeder könnte sie kriegen. Sie zeichnete Zielstrebigkeit, Ausdauer, Disziplin, Fortschritte und harte Arbeit aus. Dementsprechend war es ein sehr emotionaler Abend für mich, da mein Team, meine Schule und meine Gastfamilie, also alle, meine harte Arbeit anerkannten und würdigten. Ich hatte noch nie so viel vor lauter Freude geweint, wie an jenem Abend.

Daher, habt nie Angst etwas Neues auszuprobieren.

Greetings, Isa.