Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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David in den USA

Tipps zum Umgang mit der Gastfamilie

Verbringt man sein Auslandsjahr nicht im Internat, ist die Gastfamilie der wichtigste Bezugspunkt einer Austauschschülerin oder eines Austauschschülers. Daher ist es besonders wichtig, dass von Anfang an viel Wert auf ein gutes Zusammenleben mit der Gastfamilie gelegt und Konflikte bestmöglich vermieden werden. Das kann in der Praxis jedoch schwerer sein als es sich in der Theorie anhört, da es selten der Fall ist, dass man mit der Art, den Gewohnheiten und den Sitten der Gastfamilie auf Anhieb klarkommt. Hierzu finden sich überall viele Tipps, was es gar nicht so einfach macht, die richtigen herauszusuchen. Daher sind hier ein paar generelle Tipps von mir, die ich auf Basis meiner Erfahrungen während meines Auslandjahres in den USA geben würde:

 

Chance & Zeit geben

 

Entweder sind die ersten Tage und Wochen von Euphorie bestimmt oder, ganz im Gegenteil, der Schritt in eine neue Welt, in der man sich erstmal zurechtfinden lernen muss, ist zunächst überfordernd. Das ist völlig normal und auch nicht schlimm, tatsächlich gibt es nicht wenige Austauschschüler, die schon kurz nach der Ankunft nur noch zurück wollen.

Das birgt dann die Gefahr, dass man sich gar nicht wirklich auf das Neue, das einen erwartet, einlassen kann und schon gleich nur das Negative sieht. Dabei wird die Gastfamilie aber versuchen, dass man sich wohl fühlt und alles dafür geben. Wirkt man gleich von Anfang an lustlos oder unglücklich, kann das von der Gastfamilie schnell als undankbar oder unhöflich wahrgenommen werden, zumal sie einen noch überhaupt nicht gut kennt. Dies wäre ein denkbar schlechter Start in das Auslandsjahr.

Daher ist es am besten, wenn man nicht gleich am ersten Tag unglückliche Nachrichten nach Deutschland schreibt und über die ganzen (vermeintlich) schlechten Dinge klagt, sondern sich versucht, auf das Neue einzulassen und ihm eine Chance zu geben und sich selbst erstmal etwas Zeit gibt, an alles zu gewöhnen. Gerade Offenheit gegenüber der Familie ist wichtig, da diese einem – gerade am Anfang - am besten mit der Kultur und den Menschen im Gastland bekannt machen kann. 

Viele Bedenken werden sich mit der Zeit und dem besseren Kennenlernen der Familie auflösen.

 

Ehrlichkeit

 

Dieser Punkt ist manchmal einfacher gesagt als getan, aber dennoch – oder gerade deshalb – enorm wichtig. Sollten Probleme mit der Familie oder auch anderen Dingen aufkommen, ist es ratsam, diese nicht für sich zu behalten, sondern offen anzusprechen. Dies fängt schon ganz am Anfang an, wenn manche Familien sich vielleicht etwas zu viel vornehmen und ganz vergessen, dass man nach der langen Reise und den ganzen Umstellungen noch etwas mehr Ruhe benötigt. Ein kurzes, offenes Gespräch wird reichen und die Familie sicherlich Verständnis zeigen. 

Aber auch, wenn es zu größeren Problemen, gerade mit der Familie selbst, kommt, sollten diese angesprochen werden. Dies muss nicht sofort sein, man kann sich auch erstmal Zeit nehmen, darüber nachzudenken oder mit Freunden und Familie aus Deutschland zu reden, aber, sollte das Problem ein dauerhaftes sein, ist ein offenes und ehrliches Gespräch mit der Familie unausweichlich. Selbstverständlich kann auch die Koordinatorin um Hilfe oder Rat gebeten werden. Auch, wenn es viel Überwindung kostet, manche Dinge anzusprechen, wird man sich letztlich selbst dankbar sein, da ein offenes, nicht gelöstes Problem eines der ärgerlichsten Sachen während eines Auslandsjahres sein kann, das die ganze Erfahrung schmälern kann. Dem sollte man sich bewusst sein. 

 

Respekt 

 

Selbst, wenn es soweit kommen sollte, dass man sich mit seiner Gastfamilie gar nicht mehr versteht, ist es wichtig, trotzdem immer Respekt zu zeigen und im Hinterkopf zu behalten, dass sie einen aufgenommen hat ohne dafür finanziell entschädigt zu werden und man ohne sie, unter Umständen, nie in das Gastland hätte kommen können. Noch wichtiger ist ein respektvoller Umgang jedoch, wenn man sich im Grunde gut mit der Familie versteht, es aber aus irgendeinem Grund dennoch zu einem Streit kommt (was im Übrigen auch völlig normal ist, dass so etwas mal passiert). Hat man sich dort nicht im Griff, kann das ganze Verhältnis – möglicherweise wegen einer Kleinigkeit – zerstört werden. 

Zu diesem Punkt gehört auch, über Probleme mit der Familie NIE mit Freunden vor Ort zu reden, es sei denn, man weiß zu 100%, dass man ihnen vertrauen kann. Dabei sollte dies, zumindest was Amerikaner angeht, nicht voreilig angenommen werden, da diese oftmals nicht ganz so zuverlässig und vertrauenswürdig sind, wie sie zunächst den Anschein machen. Im schlimmsten Falle geraten die Informationen nämlich in falsche Hände und werden sofort, womöglich sogar verfälscht, verbreitet. (Einige amerikanische Jugendliche machen sich sogar einen Spaß daraus, Austauschschüler das Leben schwer zu machen, obwohl sie diese nicht einmal persönlich kennen). Dies kann unangenehme Folgen für die Gastfamilie, aber auch für einen selbst haben und eine eventuell angespannte Lage noch verschlimmern. 

 

Keine Politik, keine Religion

 

Wer sein Auslandsjahr in den USA verbringt, sollte die Themen Politik und Religion unter keinen Umständen mit der Gastfamilie diskutieren, es sei denn, man ist sich sicher, dass man ähnliche Ansichten hat. Ansonsten kann dies schnell ausarten, da beide Themen bei vielen Menschen emotional stark aufgeladen sind und die Debattenkultur, sofern überhand vorhanden, eine sehr andere ist. Zudem sollte man sich darauf einstellen, mit extremen Meinungen konfrontiert zu werden, die im schlimmsten Falle persönlich verletzend sein können. In diesem Falle sollte man aber einfach den Raum verlassen, anstatt eine Diskussion zu beginnen. 

 

Im Zweifelsfall Gastfamilie wechseln

 

Es kann zu dem Punkt kommen, an dem ein Gastfamilienwechsel nötig wird. Die Unterschiede zwischen einem und der Familie können zu groß sein, sodass beide in einem alltäglichen Leben nicht miteinander klarkommen; es gibt Spannungen mit einem oder mehreren Familienmitgliedern; die hygienische Situation ist nicht hinnehmbar oder, oder, oder. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Merkt man, dass man aufgrund der familiären Situation das Auslandsjahr nicht genießen kann und es sich auch nicht lösen lässt, sollte man vor einem Gastfamilienwechsel nicht zurückschrecken. Es ist immer gut, sich in Erinnerung zu rufen, dass es ein Jahr für einen selber ist und nicht für andere, weshalb man sich selbst auch an erste Stelle setzen sollte. Auch hier gilt, dass ein nicht angesprochenes Problem das Auslandsjahr zerstören kann.

Allerdings sollte man sich auch der Tatsache bewusst sein, dass ein Gastfamilienwechsel nicht von heute auf morgen über die Bühne geht, sondern ein längerer Prozess ist, bei dem auch die Koordinatorin eingebunden ist und zunächst verschiedene Lösungsansätze ausprobiert werden (müssen).

Im Fall der Fälle kann ein Gastfamilienwechsel aber das Auslandsjahr retten.