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Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Ella auf La Réunion

Gastfamilienwechsel

Hallo an alle,
nun ist es bereits November und während mir meine Freunde und Familie aus Deutschland von bitterkalten Nebeltagen und frostigen Nächten erzählen, schreit es auf La Réunion nach eisgekühlter Limonade, ausgiebigen Strandausflügen, luftiger Kleidung und einer dreifachen Schicht Sonnencreme. Und das Beste ist, dass die Früchte-Saison jetzt offiziell begonnen hat. Nun findet man an den zahlreichen Straßenständen (und auf der Zaunseite des Nachbarn, an die man geradeso gelangt, wenn man seinen Arm wirklich weit ausstreckt) neben all den bisherigen tropischen Früchten auch noch Mangos und Litschis, welche der Inbegriff eines réuniesischen Sommers sind.


Ende Oktober hatten wir zwei Wochen Herbstferien, die nach der ersten Schuletappe wirklich angenehm waren, um sich ein wenig auszuruhen und für ein paar Tage dem etwas anstrengenden Rhythmus des Schulalltags zu entkommen. Außerdem konnte ich die freie Zeit gut dafür nutzen, Ausflüge mit meiner Gastfamilie zu unternehmen und die Insel somit noch etwas besser kennenzulernen. So waren wir zum Beispiel auf dem Cirque de Cilaos, dem südlichsten Krater des Vulkans Piton des Neiges. Um dorthin zu gelangen, mussten wir es mit der einzigen Zufahrtsmöglichkeit, der steilen und sehr schmalen „Straße der 420 Kurven“, auf uns nehmen, die sich über viele Kilometer hinweg durch die gewaltigen Berge schlängelt und ihrem Namen somit gerecht wird. Die schaukelige Autofahrt hat sich jedoch wirklich gelohnt, denn oben angekommen haben wir gepicknickt und man konnte die wunderschöne Aussicht und die angenehm kühle Bergluft genießen.
 



Ein paar Tage später habe ich zusammen mit einigen Freunden aus meinem Jahrgang an einem Camping-Wochenende teilgenommen, was im Badeort Saint Gilles an der Westküste Réunions stattgefunden hat. Unser Zeltplatz war direkt gegenüber von wohl einem der schönsten Badestrände Réunions gelegen und durch die sommerlichen Temperaturen war es nicht sehr verlockend, sich in seinem stickigen Zelt zu verkriechen, weshalb wir uns beinah die ganze Zeit im himmelblauen Meerwasser aufgehalten haben oder  im Schatten der sogenannten „Filao-Bäume“ am Strand lagen. Das war wirklich ein richtig schönes Wochenende und definitiv eine meiner tollsten Erfahrungen bisher, auch wenn ich danach mit einem kräftigem Sonnenbrand nach Hause gegangen bin…

Neben all den schönen Erlebnissen gab im letzten Monat allerdings auch eine sehr unerwartete Veränderung, die mir zunächst große Sorgen bereitet hat. In den Ferien hat mir meine Gastmutter völlig überraschend mitgeteilt, dass sich mein Gastvater und sie trennen werden. Da es für mich bis dahin keinerlei Anzeichen dafür gab, war diese Nachricht erstmal ziemlich schockierend und traurig. Mein Gastvater ist vorübergehend bei seiner Mutter eingezogen, dessen Haus direkt neben dem meiner Gastfamilie liegt und zusammen mit meinen beiden Gastbrüdern habe ich jede Woche abwechselnd bei meiner Gastmutter oder meinem Gastvater und der Gastoma gewohnt. Für mich stand allerdings schnell fest, dass das hin- und herwechseln zwischen den beiden Häusern langfristig keine gute Lösung für mich ist, zumal ich ein sehr enges Verhältnis zu meiner Gastmutter hatte und es sehr schade fand, jede zweite Woche ohne sie zu verbringen. Außerdem hat die Trennung natürlich den gesamten Alltag auf den Kopf gestellt und für meine Gastfamilie unheimlich viel verändert. Deswegen habe ich mich entschieden, die Gastfamilie zu wechseln. Inmitten dieser traurigen Trennungssituation hatte ich doch eher das Gefühl, eine zusätzliche Last für meine Gasteltern zu sein, auch wenn meine Gastmutter weiterhin bemüht war, damit ich mich möglichst wohl fühle.

Da ich sehr gerne an meinem Lycée in Saint Joseph bleiben wollte, weil ich mich dort schon gut eingewöhnt habe und mich auch in meiner Klasse ziemlich wohl fühle, habe ich mich an meine Deutschlehrerin gewendet, um ihr von meiner schwierigen Situation in der Gastfamilie zu erzählen und sie zu bitten, sich eventuell ein wenig umzuhören, ob es vielleicht Schüler oder Lehrer gibt, die sich vorstellen könnten, meine neue Gastfamilie zu werden. Sie war unglaublich verständnisvoll und meinte, ich solle mir keine Sorgen machen und könne ansonsten auch in ihre eigene Familie kommen, falls sich so schnell niemand findet. Direkt danach hat sie die Situation an meine Mitschüler des Deutschkurses weitergegeben, woraufhin sich die ganze Klasse gemeldet und mir versichert hat, sofort ihre Eltern zu fragen, ob es möglich wäre, mich aufzunehmen. Das hat mich wirklich sehr berührt und ich hatte sofort das Gefühl, dass sich auf jeden Fall eine gute Lösung für meinen weiteren Aufenthalt finden wird.
Am nächsten Tag hat mir meine Freundin Maéna, die auch in Petite île wohnt und wir somit am Abend meistens zusammen den Schulbus nehmen, ganz aufgeregt mitgeteilt, dass ihre Eltern einverstanden wären, mich aufzunehmen und sie sich sehr darüber freuen würde.

Inzwischen habe ich die Gastfamilie bereits gewechselt und wohne bei ihrer Familie in einem ruhigen Ortsviertel von Petite île. Ich bin wirklich erleichtert und glücklich, eine so nette Familie gefunden zu haben, bei welcher ich mich nach dieser herausfordernden Situation eines Gastfamilienwechsels nun schon sehr wohl fühle. Maéna, die von jetzt an also nicht nur eine gute Freundin, sondern gleichzeitig noch meine Gastschwester ist, wohnt zusammen mit ihren Eltern in ihrem sehr gemütlichen Haus inmitten eines kleinen, idyllischen Gartens. Die Familie hat außerdem noch einen großen Sohn, der allerdings in Frankreich wohnt und sein Zimmer somit für mich frei geworden ist. Dadurch, dass ich Maéna bereits vorher kannte, war auch die Schwelle des Kennenlernens zu ihren Eltern nicht hoch, sodass wir uns in der kurzen Zeit, in der ich bei ihnen wohne, schon sehr nett aneinander gewöhnen konnten und mir bereits einige Rezepte aus der französischen Küche erklärt wurden, die ich dann mit großer Freude auch kosten durfte.

Alles in allem hatte ich demnach einen wirklich aufregenden und etwas schwierigen Monat, da man vor einem Auslandsjahr natürlich erstmal nicht mit solch einer Situation rechnet. Jedoch finde ich, genau das ist letztendlich eine Erfahrung, die für ein authentisches Alltagsleben spricht, in welches man durch einen Auslandsaufenthalt eben auch eintauchen kann. Ich freue mich darauf, mich nun bei meiner neuen Gastfamilie einzuleben und euch im nächsten Monat davon zu berichten.

Ganz liebe Grüße, Ella

Ella berichtet über ihr Austauschjahr auf La Réunion. Hast du auch Lust auf einen Auslandsaufenthalt auf der Insel im Indischen Ozean? Wir beraten dich gerne!