8:38 16. November 2021

Frühling, Ferien und Familienfeiern

Oktober, was bei uns Nebel, kühle Temperaturen und farbenfrohe Bäume bedeutet, heißt hier Frühling. Das Leben erwacht. Es wird wärmer, mehr unternommen und gibt dementsprechend auch unglaublich viel zu erzählen:

Meine erste kreolische Familienfeier:
Eine kurze Info vorweg: Ich war die Tage davor krank und hab meine Stimme verloren, folglich war ich bei der Familienfeier leider stumm. Es war aber trotzdem unglaublich toll.

In der Früh werde ich von meiner Gastschwester darauf hingewiesen, dass wir bei mit ihrer Cousine essen würden. Ich mache mich also fertig, frag aber zwischendrin nochmal kurz meine Gastmutter, um sicherzugehen, nicht das meine Gastschwester nur irgendeinen Unfug erzählt hat. Aber nein, Reine bestätigt mir, dass wir bei ihrer Schwester Christel Mittagessen würden. Ich habe zwar eigentlich keine Lust, weil ich immer noch nicht 100% wieder fit bin, sag aber nichts; Außerdem mag ich Christel, wir waren auch schon mal bei ihr. Wir fahren also los, nach Saint Pierre (etwa eine 40 min Fahrt). Als wir Parken, und Rein erzählt welche Tanten und Cousinen noch alle da sein würden, kommen mir schon die ersten Zweifel, dennoch war ich nicht vorbereitet auf, dass was als nächstes kommt.

Wir gehen in den Garten, man hört schon eifrige Gespräche und Gelächter, und auf einmal finde ich mich inmitten von 20-30 fremden Personen, die ich nicht kenne. Etwas verloren nehme ich mir einen Stuhl und setze mich irgendwo hin, und bin sprachlos, (und das wäre ich auch gewesen, wenn ich meine Stimme nicht verloren hätte). Es kommen auch noch mehr Leute, von manchen werde ich begrüßt von manchen nicht, aber niemand fragt sich wer ich überhaupt bin. Erst später später werde ich gefragt, wie ich heiße, was ich ja leider nicht sagen, kann weil ich stumm bin, und letztendlich versuchen dann 3 Leute aus meinem hohlen gekrächzte einen Namen zu entziffern, bis dann endlich meine Gastmutter zu Hilfe eilt, und für mich spricht. Inzwischen habe ich mich von dem Schock erholt und genieße die Stimmung. Von dem Mann meiner Gasttante werde ich mit Getränken versorgt, es bilden sich kleine Grüppchen und es werden eifrig Aperitifs rumgereicht, (viele Teigtaschen, Brote (ziemlich viel mit Lachs befüllt). Danach begeben sich alle an die Lange Tafel, die auf der Terrasse aufgebaut ist. es gibt Salat, und den kriege ich schon kaum mehr runter, ich habe mich etwas zu sehr bedient bei den Teigtaschen (aber die waren einfach so unglaublich lecker!!!). So und gerade jetzt wo ich schon gut gesättigt war, kommt die Hauptspeise. Ich kann nicht mehr. Es wird ein kleines Buffet aus lauter Töpfen aufgebaut. Ich nehme mir auch etwas, obwohl ich kurz vorm Platzen bin. Aber es ist einfach nur zu gut. Meine persönliche Empfehlung ist die kreolische Spezialität: Saucice (Würstchen in so ner Tomatensauce und die isst man mit Reis). Und danach, wer hätte es gedacht, gab es nochmal was zu essen. Nachtisch.

Naja, wie dem auch sei, außer dass es viel zu viel zu Essen gab, kann ich auch noch sagen, dass die Stimmung einfach so angenehm war. Es gab so zwei Opis/Onkels, die einfach immer gut drauf waren und die ganze Zeit lustig waren, Und obwohl ich nicht reden konnte, habe ich mich unglaublich wohl gefühlt. Einige haben auch versucht mit mir zu reden, was etwas schwierig war aber trotzdem süß. Und zum Schluss, kurz bevor wir gegangen sind, hat einer der Opa/Onkels (der hat eine deutsche Enkelin) deutsche Musik angemacht. Und ich hab’s am Anfang nicht gecheckt, ich dacht nur so, ja das ist ja lustig des ist einfach die gleiche Melodie wie n deutsches Lied. Tja es war ein deutsches Lied. Wolke 10 von Mero. Und ich musst so lachen. (Was dank meiner kaputten Stimmbänder auch schon wieder lustig war). Generell, obwohl ich nicht reden konnte, bin ich trotzdem so herzlich und warm aufgenommen worden, und die Stimmung war einfach nur so positiv.

Ferien:
Nachdem ich schon am 13.08 von Deutschland abgereist war, und dementsprechend nur 2 (stressige) Wochen Sommerferien hatte, waren die Ferien definitiv nötig. Es war echt geil, endlich mal Zeit zu haben für größere Unternehmungen, endlich auch unter der Woche was machen zu können, und endlich mal wieder öfters ausschlafen zu können.

In der ersten Woche übernachten Ann-Kathrin und Johanna, zwei andere Austauschschülerinnen für 2 Tage bei mir. Wir unternehmen einiges, gehen ins Museum, an den Strand, erforschen etwas Saint Gilles, und chillen mit meinem Gastbruder im Wohnzimmer. Es war einfach so geil mal wieder deutsch reden zu können und hatte was von Schullandheim. Und auch generell, Freunde daheim haben zu können, machte es gleich viel mehr ein Zuhause.

Dann am Freitag in der ersten Woche werde ich von meinem Gastbruder zu einer Party eingeladen (ich glaube es war seine Abschiedsparty, weil er einfach mal so spontan meinte mit seinem Dad nach Korsika auszuwandern). Ich bin mir erst nicht sicher, ob ich mitkommen will, außerdem habe ich immer Angst zu fragen, weil ich meiner Gastfamilie nicht zur Last fallen will (auch wenn das vollkommener Schwachsinn ist). Aber als ich mit meiner Gastmutter rede, ist mir mein Gastbruder anscheinend schon zuvorgekommen, und für sie ist das auch überhaupt kein Problem. Also gehe ich zur Party, und fühle mich mega schnell wohl, von seinen Freunden werde ich herzlich aufgenommen und es ist ein gemütlicher Abend. Vor allem finde ich es geil, neue Leute kennen gelernt zu haben, (obwohl ich manche schon kannte, von als ich mit meinem Gastbruder am Stand war).

Am Wochenende und in Woche 2 bin ich nochmal eifrig unterwegs; Jahrmarkt und Strand (& Kajak) mit Freunden aus der Schule, ein Picknick mit der Verwandtschaft, Kajak fahren mit der Familie (in so durchsichtigen Kajaks, und das Wasser war so klar, und ja ich war zweimal Kajak fahren), und gemütlich mit Shanti (der Mexikanischen Austauschschülerin aus meiner Schule) in die Stadt gehen. Und natürlich nicht zu vergessen, das Wandern am letzten Ferienwochenende:

Am Freitag gehen fahren wir, in die Berge (ich glaube das war „La plaine des cafres“) und das um 6h in der Früh (Wandern auf La Réunion=früh aufstehen!). Wir, dh. Reine, Gillaume, 3 Freunde und ich. Oben ist es Frisch, und die Landschaft ist teilweise so wie bei uns aber gleichzeitig aber auch komplett unterschiedlich. Die Wanderung soll zum Zentrum des Universums führen, und nur wer im Einklang mit der Natur ist kann diesen Ort finden. Es geht also los, erst eine halbe Stunde auf offiziellem Wege und dann geht es rechts weg. Ein kleiner Pfad, den man teilweise sogar runter klettern muss, führt zu einem Bach. Wir machen eine kleine Pause, danach geht es Barfuß weiter. Das ist definitiv neu für mich aber definitiv angenehm (der Boden ist schlammig), der Pfad wird immer unklarer, und obwohl er eigentlich mit Roten Bändchen markiert ist, verlieren wir uns beinahe. Es geht durch einen von Moos durchwachsenen Wald, und ich glaube ich habe noch nie so etwas Schönes gesehen. Der Wald, mit dem Moos und dem Licht… – es war magisch. Vor allem ohne Schuhe, man fühlt sich fast wie eine Fee. Ich fand den Weg sogar schöner als den Ort selbst. Und ich würde unglaublich gerne nochmal hier langgehen.
Am Sonntag ist die zweite Wanderung. Diesmal sind es nur Reine, ein Freund von ihr und ich. Es geht nach le Maido. Von dort machen wir eine unglaubliche Gratwanderung, die nicht ganz ohne ist. Und am Ende war ich so fertig, aber die Aussicht war die ganze Zeit einfach nur unbeschreiblich. Die ganze Zeit hatte man Blick über den ganzen Kessel „Mafat“. Und diese Landschaft ist einfach nur einzigartig.

Halloween:
Die erste Woche nach den Ferien verlief gut, es war bisher vielleicht sogar meine beste Schulwoche hier. Die Ferien haben mir gutgetan. Mein Selbstbewusstsein ist wieder zurück, und ich bin endgültig Zuhause. Dann zu Halloween: Das fällt zwar auf einen Sonntag, aber da Montag hier Feiertag ist, ist das kein Problem. Wir feiern zu 8 (4 Mädchen/ 4 Jungs) bei Kimmy, einer Freundin (Merita, auch eine deutsche Austauschülerin, ist auch mit dabei, uns wurde allerdings untersagt Deutsch zu reden). Erstmal wurde sich fertig gemacht, verkleidet und geschminkt. Dann geht’s Trick-or-Treating. Unsere Beute war zwar nicht sonderbar spektakulär aber trotzdem zufriedenstellend, aber allein das um die Straßen ziehen war lustig. Zuhause gabs dann Pizza, Und es war einfach ein chilliger Abend mit Jakoozie, Lagerfeuer, Bettenlager und Horrorfilm. Wobei ich sagen muss, dass der Horrorfilm leider alle 5 Min gehangen hat, und das den Horror in dem Film etwas ruiniert hat. Letztendlich haben wir dann YouTube auf dem Fernseher geschaut. Es war echt so ein geiler und lustiger Abend. Wir haben unglaublich viel geredet und die Stimmung war einfach entspannt. Locker. So wie mit richtig engen Freunden. Und es werden langsam enge Freunde. Und nach diesem Monat kann ich nun endlich sagen, dass ich angekommen bin. Zuhause bin.

Celestine

Celestine

La Réunion

Celestine verbringt ihr Auslandsjahr 2021/22 auf La Réunion, einer französischen Insel im pazifischen Ozean. Hier kannst du sie bei ihren Abenteuern während des Schüleraustausches begleiten.

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