7:49 21. October 2022

Die ersten Monate in Australien

Die letzten Wochen, Tage, Stunden bevor der Flieger in ein Jahr voller neuer Erfahrungen, Sprache und Leute startet, habe ich als sehr aufregend und nervenaufreibend erwartet. Schlussendlich kam es jedoch etwas anders für mich. Man fängt an, sich von allen Bekannten, ob gute Freunde, Klassenkameraden oder Familie, zu verabschieden und vergießt vielleicht eine Träne dabei, ist aber glücklich und verspricht sich, Kontakt zu halten. Ich hatte erwartet, spätestens in der letzten Woche daheim anzufangen, mir jeden Tag „nächste Woche um die Zeit…“ zu denken und dadurch vielleicht doch etwas Furcht vor dem großen Abenteuer, das ich freiwillig unternehmen wollte, zu bekommen. Ich blieb ruhig und sogar, als ich meinen letzten Tag vor dem Abflug mit meiner Familie verbrachte, kam mir alles recht normal vor.

Der Groschen fiel, als meine siebenköpfige Reisegruppe mitsamt unserer Begleiterin im Sicherheitsbereich des Flughafens saß und die Sonne hinter dem Flugfeld unterging. Da kam mir der Gedanke “hey, ich habe mich gerade für 10 Monate verabschiedet, mit nur einer Umarmung und bald werde ich deutschen Boden, sogar einen ganzen Kontinent, für diesen Zeitraum verlassen“! Jedoch hielten wir uns in unserer Reisegruppe gegenseitig bei guter Laune und kamen gut durch unsere Flüge, die von Frankfurt nach Singapur (12,5 Stunden) und nach etwas Wartezeit weiter nach Sydney (7,5 Stunden) gingen. Insgesamt war es eine sehr lange Reise, wir starteten am 1. August und kamen am 3. August an. Doch ich kann nur empfehlen, eine solche Reise mit einer Gruppe zu machen, es fällt einfach leichter und macht die ganze Angelegenheit angenehmer!

Die erste Woche verbrachte ich mit über 70 Schülern aus Deutschland, Finnland, Schweden, Italien und Frankreich in einem Welcome-camp, ca. eine Stunde vom Sydney Airport entfernt. Wir lernten über Land und Leute, Gastfamilien und Kulturschock. Auch machten wir Ausflüge nach Sydney und einen Bush-Walk, sowie ein Lagerfeuer am Abschiedsabend.

Und plötzlich war diese Woche um, ich stand als letzte übriggebliebene Schülerin am Flughafen und fuhr nervös den Koffergriff ein und aus, nach meiner Gastfamilie Ausschau haltend. Zu meinem Vorteil kenne ich meine Gastfamilie schon seit 2017, nichts desto trotz war ich sehr aufgeregt, denn ich hatte sie damals nur für 2 Tage getroffen. Sobald ich sie sah, war die Aufregung jedoch wie verschwunden. Ich spürte Freude auf das Kommende und Beruhigung, aber auch etwas Furcht vor dem Unbekanntem. Mit diesem Packet an Gefühlen hatte ich jedoch schon gerechnet und es ist, denke ich, auch normal bei so gut wie jedem Austauschschüler.

Die ersten Wochen waren sehr aufregend und, ich will nicht lügen, auch etwas beängstigend. Als jemand, der noch nie im Leben umgezogen ist, ist es schon viel, überhaupt die nächsten Monate des Lebens woanders zu verbringen. Doch es ist so viel mehr: Man kommt in ein anderes Land, ja sogar auf einen anderen Kontinent, wo eine andere Sprache gesprochen wird, von der es keine Pause gibt. Als Gastschüler kennt man Nichts hier. Keine Familie, keine Freunde, nicht die Umgebung oder Kultur. Vom Schulsystem (Uniform, Schulbus, Fächer, Zeiten etc.) über die Art und Einstellungen der Menschen bis hin zum Wetter und dem Jahreszeitenrhythmus hier, der genau umgedreht zum europäischen ist. In dieser Zeit sind schon die einfachsten Dinge sehr anstrengend. So brauchte ich zum Beispiel eine ganze Weile, bis ich an den richtigen Haltestellen in den Bus ein und ausstieg, manchmal musste sogar meine Gastmutter mich abholen. Ich denke, diese erste Zeit hilft einem sehr, in eine Unabhängigkeit, bzw. Selbstständigkeit zu wechseln, die in gewohntem Umfeld nicht möglich gewesen wäre. Das ist auch einer meiner Gründe gewesen, warum ich mich auf dieses Abenteuer eingelassen habe: unabhängiger und selbstständiger werden, meine eigenen Grenzen austesten und unvergessliche Erfahrungen in einem atemberaubenden Land machen!

Dann kam das berüchtigte Thema Heimweh. Bei mir kam es ungefähr 2 Monate nach meiner Ankunft. Nachdem sich der erste Wirbel gelegt hatte, bekam ich teilweise jeden Tag starkes Sehnen nach meiner Familie, Freunden und meinem Heimatort. Manchmal stoßwellenweise einfach eine Erinnerung an eigentlich unwichtige Orte oder Momente. Doch man sollte keine Angst davor haben, es ist normal. Ich war nicht unglücklich hier, ich vermisste einfach nur einen anderen Ort, an dem ich immer glücklich und sicher war. Nach ungefähr zwei oder drei Wochen legten sich diese Anfälle, auch aufgrund einer netten Gastfamilie.

Ich hatte großes Glück mit meiner Gastfamilie. Sie versuchen alles, mir die bestmögliche Erfahrung hier zu bieten. So unternehmen wir an fast jedem Wochenende etwas zusammen und schauen uns sehenswürdige Orte and, oder machten in den letzten Ferien, den Oktoberferien, einen Roadtrip entlang der Küste zum Skifahren in den Snowy Mountains.

Eine kleine negative Sache, die mir und auch anderen Austauschschülern, die ich hier kennengelernt habe, aufgefallen ist: Leider wollen die Schüler/Gleichaltrigen hier nicht wirklich eine Freundschaft mit einem Austauschschüler anfangen. Zumindest hier an meiner Schule ist das der Fall. Die meisten haben schon langjährige Freundschaften und haben nicht den Bedarf an einer neuen Freundin, andere wissen, dass ich nur für eine limitierte Zeit hier sein werde und finden nicht, dass es eine Freundschaft wert ist. Das kann manchmal zu einem ziemlich unschönen Gefühl des Einsam-Seins führen und man fühlt sich ziemlich allein, hier auf der anderen Seite der Welt…

Ich bin nun fast drei Monate hier. Monate, in denen ich sowohl gute, als auch schlechte Erfahrungen gemacht habe, aber eine Menge lernte. Hoffentlich kann ich all die schlechten Seiten in gute Wenden, feste Freundschaften bilden und mehr dieses Kontinents sehen. In jedem Falle bin ich an meinen bisherigen Herausforderungen gewachsen und werde dies auch weiterhin in meiner verbleibenden Zeit tun, um diese hoffentlich zu überwinden.

Amelie

Amelie

Queensland, Australien

Amelie verbringt ihr Auslandsjahr 2022/23 in Queensland, Australien. Hier kannst du sie bei ihren Abenteuern während des Schüleraustausches begleiten.

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