13:01 14. June 2023

Besuch meiner Eltern auf La Réunion

Mein Aufenthalt hier auf La Réunion nähert sich bedauerlicherweise dem Ende.

Im Mai hatten wir wieder zwei Wochen Schulferien. Dieses Mal war es sehr besonders für mich, da meine Eltern mich auf der wunderschönen Insel besuchen gekommen sind.

Gemeinsames Treffen mit meiner Gastfamilie

Meine Eltern sind an einem Sonntagmorgen auf La Réunion angekommen, meine Gastschwester und ich haben sie am Flughafen abgeholt. Meine Gastmutter hat meine Eltern zum Mittagessen eingeladen und für sie ein leckeres kreolischen Essen vorbereitet. Es kamen ebenfalls andere Familienmitglieder, denn sie waren sehr gespannt darauf meine Eltern kennenzulernen. Trotz der Sprachbarriere wurde es ein sehr netter und fröhlicher Nachmittag. Ich habe den Job des Übersetzers übernommen und ich hatte dabei sehr viel Spaß. Abends fuhr ich mit meinen Eltern ins Hotel, da ich mir ein spannendes Programm ausgedacht habe, um ihnen so viel wie möglich von der Insel zu zeigen.

Inseltour

An unserem ersten gemeinsamen Tag fuhren wir um die ganze Insel und besichtigten viele Sehenswürdigkeiten auf unserem Weg. Ich zeigte meinen Eltern die schönen Orte, die ich schon mit meiner Gastfamilie besichtigt habe, wie zum Beispiel die Kirche „Notre Dame des Laves“, aber auch neue Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise das „Cap Méchant“ in Saint-Philippe. Der Legende nach sind am Cap Méchant, was übersetzt so viel wie die „gemeine Felszunge“ bedeutet viele Seefahrer verschollen.

Das Highlight dieses Tages war der Wasserfall „Cascade Grand Galet“ in Saint-Joseph. In dem großen Wasserbecken ist es erlaubt zu schwimmen, auch wenn der Zugang dorthin sehr schwierig ist und man große glatte Steine überqueren muss. Mein Dad und ich haben uns trotzdem dazu entschieden in dem Becken schwimmen zu gehen und der schwierige Weg hat sich gelohnt. Noch weiter Richtung Süden besichtigten wir die Stadt Saint-Pierre, die sehr touristisch ist und nach dem typischen kolonialen Schachbrettsystem angelegt wurde. Den Abend verbrachten wir am Strand Grande Anse, der leider nur ein kleines Badebecken besitzt, dafür viel Platz zum picknicken, grillen, Volleyball spielen, etc. anbietet.

Wanderung zum Vulkankrater

Am nächsten Tag ging es für uns sehr früh los zum Vulkan „Piton de la Fournaise“. Mit meiner Gastfamilie hatte ich den Vulkan schon besichtigt, doch damals sind wir nur auf der Aussichtsplattform geblieben, weshalb ich mit meinen Eltern dieses Mal die Wanderung bis zum „Cratère Dolomieu“ machen wollte. Es war eine Wanderung von 6 Stunden, auf der man ununterbrochen auf dem Vulkangestein lief. Oben angekommen hatte man eine atemberaubende Aussicht auf den Krater. Der 1791 entstandene und seit Jahrzehnten vollständig mit Lava gefüllte Dolomieu-Krater stürzte bei einem Vulkanausbruch im April 2007 ein und ein 300 Meter tiefer Abgrund entstand. Der Einsturz der Krateroberfläche führte dazu, dass seine Nordwand auf eine Dicke von zehn Metern abbrach. Der Krater ist einen Kilometer lang und 750 Meter breit.

Delfintour

Der darauffolgende Tag war sehr entspannend, da ich mit meinen Eltern eine Delfintour machte. Mit einem Boot fuhren wir aufs Meer in der Hoffnung einige Delfine beobachten zu können. Nach kurzer Zeit sahen wir viele Delfine, auch wenn sie an diesem Tag sehr diskret waren. Nach unserer Bootsfahrt besichtigten wir den Hafen und die Stadt Saint-Gilles und setzten uns an den Strand. Dort blieben wir leider nicht lange, da es angefangen hat zu regnen. Das hielt uns dennoch nicht ab La Réunion zu besichtigen, da wir nach Saint-Paul an die Strandpromenade gefahren sind und uns die schöne Stadt ansahen.

Wanderung auf dem „Chemin des Anglais“

Nach einem entspannten Tag hatten meine Eltern und ich Lust auf eine weitere Wanderung. Nicht weit von Saint-Denis gibt es eine Wanderung auf dem „Chemin des Anglais“. Der „Chemin des Anglais“ ist der Weg, den die englischen Soldaten in der Schlacht am Plateau 1810 nach Saint-Denis eingeschlagen haben, von der sie siegreich hervorgehen. Der von Herrn Dumas 1730 gezeichnete Weg verband La Possesion und Saint-Denis für mehr als ein Jahrhundert. Er sollte den Durchgang von Ochsenwagen zwischen den beiden Städten erleichtern. Die Strecke wurde erst 1732 in Betrieb genommen, als sie den Namen „Chemin Dumas“ annahm. 1767 begannen die von „Honoré De Crémont“ angeordneten Pflasterarbeiten aus Basaltsteinen. Die Arbeiten endeten 1775 der „Chemin Dumas“ wurde zum „Chemin Crémont“. Dies ist der erste Weg, der auf La Réunion gebaut wurde.

Angekommen auf dem Aussichtspunkt hat man einen genialen Ausblick auf das Meer, die Berge und die neue Autobahn, die sehr besonders ist, da sie auf dem Wasser gebaut worden ist.

Ausflug nach Mafate

Sportlich ging es ebenfalls am nächsten Tag weiter, denn wir unternahmen eine Wanderung nach Mafate. Der „Cirque de Mafate“ kann als das eigentliche Herz von La Réunion bezeichnet werden. Rundum von steilen Zweitausendern umgeben, wurde der 72 Quadratmeter große Talkessel nicht an das insulare Straßennetz angeschlossen. Benannt wurde der Talkessel nach dem Sklaven Mafate, der seinen Besitzern entkommen konnte und von der Küste hierher flüchtete. Der Bau einer Verbindungsstraße scheiterte wiederholt am Widerstand der Bewohner. Die Ruhe und Abgeschiedenheit ist das charakteristische Merkmal dieses Talkessels, der damit Wanderer anlockt. Die Flüge mit dem Helikopter sind für Notfälle und Warenlieferungen reserviert. Der Weg war trotz der Sonne nicht anstrengend, weil man im Schatten durch einen schönen Wald ging. Im Dorf angekommen picknickten wir und sahen uns die Umgebung an. Die Wanderung lohnt sich auf jeden Fall, da der Ausblick von dem Aussichtspunkt atemberaubend ist und die Ruhe wirkt sehr entspannend. Es gibt auch die Möglichkeit in einer Herberge zu übernachten und weitere Wanderungen zu machen.

Strandtag

Dadurch, dass wir die letzten zwei Tage sehr intensiv verbracht haben, ruhten wir uns am Strand aus. Auf La Réunion gibt es nicht nur wunderschöne Wanderwege, es gibt auch tolle Strände, auf denen man den Tag am Meer verbringen kann. Man muss allerdings darauf achten, dass man auf ausgeschilderte Badestrände geht, da es öfter zu Angriffen von Haien gekommen ist.

Wanderung zum Piton des Neiges

Am Sonntag ging es für mich und meine Eltern wohl zur aufregendsten Wanderung von La Réunion los. Der „Piton des Neiges“ ist ein erloschener Vulkan und liegt im Zentrum der Insel. Mit einer Höhe von 3.070 Metern ist er nicht nur der höchste Berg von La Réunion, sondern auch der höchste Gipfel im indischen Ozean.

Gegen 12:00 liefen wir von Cilaos aus bis zur Herberge. Der Weg war sehr steil und anstrengend, doch die Aussicht auf den Talkessel Cilaos belohnte uns. Wir kamen gegen 16:00 Uhr an der Herberge an. Dort oben fing es an ziemlich kalt zu werden, also gingen wir etwas warmes Essen und einen heißen Tee trinken. Um 19:00 Uhr gingen wir schlafen, weil gegen 3:00 Uhr morgens sind wir aufgestanden, um die letzten Kilometer in Angriff zu nehmen. Mit Stirnlampen und warmen Jacken wanderten wir bis zum Gipfel hoch, um dort auf den Sonnenaufgang zu warten. Glücklicherweise mussten wir nicht allzu lange warten bis die Sonne uns begrüßte, denn es war so unfassbar kalt und windig, dass ich sogar mein zweites Paar Socken als Handschuhe benutzte. Dieser lange Aufstieg war es wirklich wert, denn der Ausblick auf die Insel in der erwachenden Sonne war grandios. Wieder unten an der Herberge angekommen, frühstücken wir gemeinsam, bevor wir runter nach Cilaos gingen und die Stadt besichtigten. Kleiner Tipp von mir: Wenn jemand auf den Piton des Neiges gehen will, sind warme Kleidung, eine Mütze und Handschuhe nicht verkehrt, da man gar nicht glaubt, wie tief die Temperatur in der Nacht fällt.

Paragleiten

Der nächste Tag ging genau so spannend weiter, denn ich habe mir meinen lang ersehnten Wunsch erfüllt und war Paragleiten. Mit dem Auto des Fluglehrers fuhren wir auf einen Berg und er erklärte mir was ich zu tun habe und wie ich mich während des Fluges verhalten soll. Und dann ging es auch schon. Ich war sehr aufgeregt, aber die Aussicht, die sich mir bot und das tolle Gefühl zu fliegen, ließen die Aufregung schnell vergessen. Von oben konnte ich die Stadt Saint-Leu und die Korallenriffe im Meer bewundern. Ich hatte wirklich Glück mit dem Wetter, denn nach meinem Flug wurde der Wind viel zu stark, um überhaupt noch fliegen zu können. Es war eine unvergessliche Erfahrung und bestimmt nicht mein letzter Flug. Meine Eltern warteten am Strand auf mich und anschließend gingen wir Schildkröten in „Kélonia“ anschauen. Danach verbrachten wir den Tag am Strand von Saint-Leu, der wirklich ein sehr schöner und großer Strand ist. Am Abend besichtigten wir noch die Stadt und sahen uns den Sonnenuntergang bei einem leckeren Eis an.

Besichtigung eines tamilischen Tempels

In Saint-André besichtigten meine Eltern und ich einen Hindu-Tempel. Der Tempel „Maryen Péroumal“ ist der einzige Tempel auf der ganzen Insel der für Touristen offen steht, obwohl es auf der Insel mehrer Tempel gibt. Er ist farbenfroh bemalt und mit dem typisch indischen Geruch ausgefüllt. Während der Führung wurde uns sehr viel über die hinduistische Religion, die Traditionen und die Götter erzählt. Allgemein ist La Réunion für ihre kulturelle und religiöse Vielfalt bekannt und wie der Name der Insel gut beschreibt, lebt jeder gemeinsam in Respekt und Frieden.

Ebenfalls schauten wir uns eine Kirche in Sainte-Anne und einen Wasserfall in Sainte-Suzanne an. In Sainte-Suzanne besichtigten wir außerdem den Leuchtturm „Bel-Air“, der im Jahr 1845 gebaut wurden ist und der erste Leuchtturm von La Réunion ist.

Besuch einer Vanilleplantage und Abreise

Leider ist die Zeit mit meinen Eltern sehr schnell verflogen, doch bevor sie abreisten, fuhren wir noch einmal nach Sainte-Suzanne, um eine Vanilleplantage zu erkunden. Bei der Führung erfuhren wir sehr viel über die Vanillepflanze, ihren Anbau und ihre Verarbeitung. Neben dem Zuckerrohr ist La Réunion vorrangig für die Vanille bekannt. Bis 1974 wurde die Insel „Île de Bourbon“ gennant und ist bis heute die Heimat der Bourbon-Vanilleschote.

Abends mussten meine Eltern abreisen, was mir natürlich schwer fiel, aber ich freue mich noch meine Zeit auf dieser wunderschönen Insel genießen zu können.

Natürlich besichtigten wir die Stadt in der ich lebe, Saint-Denis und weitere Sehenswürdigkeiten, allerdings habe ich die Orte in meinen vorherigen Berichten bereits genau vorgestellt und dieser Bericht wäre sonst viel zu lang geworden ;).

Es war ein sehr besonderer Monat, da ich ihnen die Schönheit der Insel zeigen konnte, die für mich ein zweites Zuhause geworden ist. Meine Eltern haben sich genauso wie ich in die Insel verliebt.

 

Bis bald!

Laura

Laura

La Réunion

Laura verbringt ihr Auslandsjahr 2022/23 auf La Réunion, einer französischen Insel im indischen Ozean. Hier kannst du sie bei ihren Abenteuern während des Schüleraustausches begleiten.

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