Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Line in Michigan

Hello Michigan, here I am!

Hey there!
Ich bin Line und verbringe die nächsten 10 Monate in Grand Rapids, Michigan. Meinen Blog möchte ich gerne mit diesem Zitat starten, da ich denke, dass es besonders zu der
derzeitigen Situation gut passt.

“Der Ziellose erleidet sein Schicksal - der Zielbewusste gestaltet es.”
-Immanuel Kant-

Eigentlich war das alles nicht so geplant und ich glaube so geht es jedem anderen Austauschschüler, der dieses Jahr sein Auslandsjahr macht. Ich wollte ursprünglich nach Alaska, als ich mich beworben habe, und hatte schon sehr viele Bilder und Erlebnisse im Kopf, die ich dort machen wollte.
Aber nun ja...wir wissen es alle. Keiner konnte seinen Plänen dieses Jahr nachgehen. Danke dafür, Corona. Und das “danke”, meine ich ehrlich. Nicht sarkastisch. Ich habe immer von einem großen Abenteuer geträumt. Von einem Auslandsjahr, was kein anderer hat...jetzt habe ich es.

Starten wir mit meinem ersten Monat in Michigan. Ich bekam meine Gastfamilie relativ spät. Um genau zu sein, 4 Tage bevor ich fliege sollte. Es war stressig. Meine letzten Tage bestanden aus Packen, Einkaufen, Arztterminen und Abschiedsfeiern. Ich hatte nicht wirklich Zeit zu realisieren,
dass ich bald 10 Monate weg sein werde. Mein Koffer war 5 Stunden bevor mein Flug ging gepackt und dann ging es los.

Ich bin zuerst alleine geflogen, habe dann aber ein Mädchen, welches auch in die USA fliegen sollte kennengelernt und nach einem 3-stündigen Aufenthalt am Flughafen waren wir plötzlich 6 Austauschschüler und machten uns zusammen auf den Weg in “the land of the free” und zu unserem wahrscheinlich größten Abenteuer.
Am Flughafen in Grand Rapids wurde ich sehr herzlich von meiner Gastfamilie empfangen und war so überwältigt, dass ich gar nicht realisiert habe, dass mein Abenteuer in Michigan soeben begonnen hatte.
Doch ich musste sehr schnell begreifen, dass das Land seinem Namen “the land of the free” in diesem Jahr nicht alle Ehre macht. Und zugegeben, die ersten zwei Wochen waren “okay”. Ich hatte zwei Wochen Homeschooling und es war wirklich frustrierend. Irgendwie hatte ich mir mein “großes aufregendes Jahr” nicht so vorgestellt. Ich saß oft Zuhause und war am Arbeiten. Aber meine Hostparents haben es dennoch geschafft, mir viele schöne Orte in Michigan zu zeigen und ich konnte viele neue Erfahrungen sammeln. Sie zeigten mir Grand Rapids, den Strand von Saugatuck, Grand Haven und mein Hostdad fuhr öfter mal mit mir durch die Gegend, um mir mehr von Michigan zu
zeigen.

Ich habe auch eine Gastschwester aus Spanien. Sie kam zwei Wochen nach mir an und war die ersten Tage wirklich schüchtern. Mit der Zeit wurde sie aber immer offener und wir verstehen uns jetzt richtig gut. Sie ist wie eine Schwester für mich. Und ich meine damit wirklich, wie eine Schwester. Manchmal nerven wir uns gegenseitig, lachen zusammen, meditieren, singen schräg zur Musik und genießen oft auch einfach unsere gemeinsame Zeit.

Nach den zwei Wochen Homeschooling, öffnete meine Schule endlich und ich war wirklich überwältigt. Sei es der Psychology-Lehrer, der von seiner italienischen Frau schwärmte, die Forensic-Lehrerin, die sich so sehr auf den ersten Face-to-Face Schultag freute, sodass sie sich extra ein Kleid angezogen hatte und Süßigkeiten verteilte, der Englisch-Lehrer, der traurig war, weil er uns keine Handshakes geben durfte, der Based-Science-Lehrer, der jeden Schüler wie einen Kumpel behandelt und dessen Raum voller Tiere ist (plötzlich saß jemand mit einer um die zwei Meter langen Schlange neben mir), oder der Theaterraum voller Lichterketten, Postern, Pappaufstellern, Bildern usw.
Kurz, mein erster Tag war super. Und die darauffolgenden Tage auch.

Mein Alltag sieht mittlerweile so aus: Ich stehe auf, mache mich fertig, esse etwas und gehe zur Schule. Nach der Schule komme ich nach Hause, mache meine Hausaufgaben, gehe joggen oder versuche was anderes produktives zu machen. Am Abend nach dem Dinner schaue ich dann einen Film oder eine Show mit meiner Gastfamilie, oder wir machen eine kleinen "Evening Ride" mit dem Auto. Freunde zu finden stellte sich als relativ schwierig heraus und ich war ehrlich gesagt wirklich deprimiert. Ich bin eine sehr offene Person und liebe es mit anderen zu reden oder etwas zu unternehmen. Aber Corona lässt es gerade nun mal einfach nicht zu. Dennoch habe ich eine Freundin gefunden. Sie ist auch neu auf der Schule und ist dieses Jahr von Hawaii nach Michigan gezogen. Vor einigen Tagen, waren meine Gastschwester und ich bei ihr. Wir haben Filme geschaut, Hausaufgaben gemacht, geredet und Dinner zusammen gegessen.

Ich lerne mittlerweile auch immer mehr Leute im Unterricht kennen und man spricht über “normale” Sachen und nicht mehr übers Auslandsjahr. Es ist so, als wäre ich eine “richtige amerikanische Schülerin” und nicht mehr “die Neue aus Deutschland”(wenn ihr wisst, was ich meine). Das ist ein tolles Gefühl. Ein Gefühl, ein Stück mehr angekommen zu sein.

Letztes Wochenende ging meine Gastfamilie mit mir essen und danach zeigten sie mir und meiner Gastschwester die Covered Bridge in Ada. Es war wirklich sehr schön dort. Meine Gastschwester und ich alberten herum und bestaunten die Gegend. Als wir wieder nach Hause gefahren sind, ging die Sonne gerade unter. Wir fuhren an einem See und an einem Wald vorbei. Das Licht der Sonne spiegelte sich im Wasser und auf den Straßen wieder. Meine Gastschwester und ich öffneten die Fenster und der Fahrtwind blies uns in Gesicht. Ich schaute raus und bewunderte die Gegend. Gleichzeitig fing ich an nachzudenken. Mir wurde klar, was für ein Glück ich eigentlich habe. Natürlich könnte ich auch ein ganz normales Auslandsjahr haben. Natürlich wären Footballspiele am Freitagabend der Hammer oder sich einfach mal so mit neuen Leuten treffen. Aber hey, ich bin in Michigan. In den USA. Ich gehe auf eine High School mit verdammt coolen Lehrern und Schülern. Ich schwamm im Michigan Lake bei hohen Wellen. Fuhr durch die Straßen Michigans. Wohne in einem kleinen, aber typisch amerikanischen Haus und jogge durch eine typische amerikanische Vorstadt, wie man sie aus den Filmen kennt. Ich habe eine wundervolle Gastschwester aus Katalonien, mit der ich im Unterricht einen so dollen Lachflash hatte, dass wir gar nicht mehr aufhören konnten. Kurz: In diesem Moment wurde mir klar, was ich alles habe und was für eine unvergessliche Zeit ich hier haben werde. Natürlich ist es schwerer Freunde zu finden, aber ich hab es geschafft. Und es hat mich auch nochmal verdammt selbstbewusster und offener gemacht.

Ich hab jetzt schon so viel erlebt, gedacht und gesehen, dass ich gar nicht alles aufschreiben kann, da es wirklich viel ist. Ich habe das Gefühl immer mehr hier anzukommen. Immer mehr einen Alltag zu bekommen. Natürlich habe ich in letzter Zeit auch Heimweh. Natürlich habe ich auch mal einen schlechten Tag oder einen Tag, an dem ich nichts tue und einfach rumgammle. Aber ich würde diese Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt, 2020 während Corona, ein Auslandsjahr zu machen, immer wieder treffen, auch wenn es nicht so ist, wie ich es mir anfangs vorgestellt habe. Es ist zwar anders, aber wer sagt, dass “anders” nicht besser sein kann?

Kommen wir zum Zitat am Anfang meines Berichtes:

“Der Ziellose erleidet sein Schicksal - der Zielbewusste gestaltet es.”
-Immanuel Kant-

Mein Ziel war es, ein Auslandsjahr zu machen und ich denke, ich spreche im Namen von allen diesjährigen Austauschschülern, wenn ich sage, dass wir das beste draus machen und es so perfekt wie möglich gestalten werden.

Ich bin schon gespannt, was mich in den nächsten Wochen erwartet…
Falls ihr irgendwelche Fragen habt, oder noch mehr von meinem Auslandsjahr sehen wollt, könnt ihr mir gerne auf Instagram folgen und Fragen stellen:)
Instagram: @mommsenline