Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Line in den USA

Ein Wiedersehen mit der Gastschwester

In meinem Auslandsjahr hatte ich das Glück, Teil eines Doubleplacements zu sein. Ein Doubleplacement bedeutet, dass man zusammen mit einem/r anderen Austauschschüler*in in derselben Gastfamilie lebt. 

 

Und so kam es, dass ich mir für rund 6 Monate ein Zimmer mit meiner Gastschwester aus Spanien teilte. Auch wenn ich es anfangs nicht wirklich bemerkte, sind wir in diesem halben Jahr echt zusammengeschweißt, wodurch es irgendwie komisch war, wieder alleine in Deutschland zu sein.

Natürlich versuchten wir, so gut wie möglich Kontakt zu halten, was sich aber als schwieriger herausstellte, als wir anfangs dachten. Und so war ich sofort Feuer und Flamme, als in einem unser unregelmäßigen Telefonaten die Idee aufkam, sie in Barcelona zu besuchen

 

Ein paar Wochen später saß ich im Flieger. Nur noch eine halbe Stunde entfernt von Barcelona. Ich stellte mir die ganze Zeit die Frage: Wird es komisch sein? Schließlich hatten wir uns seit einem dreiviertel Jahr nicht mehr gesehen. 

Doch als ich endlich aus dem Flieger stieg, stellte ich fest, dass die Grübelei sinnlos gewesen war. Denn ich wurde nicht nur von meiner Gastschwester, sondern auch von ihren Freund*innen begrüßt und willkommen geheißen. Vor ein paar Minuten hatte ich mich noch wie eine normale Touristin gefühlt, doch jetzt war ich irgendwie mittendrin. Und die eigentlich fremde Stadt, fühlte sich alles andere als fremd an. 

 

Die meiste Zeit in Barcelona verbrachten wir mit den Freund*innen meiner Gastschwester, die mich sofort wie eine von ihnen behandelten. Wir kochten spanische Gerichte, tanzten zu spanischer Musik und Abba, liefen bei Nacht durch die Straßen und wanderten beim Sonnenuntergang zu höher gelegenen Parks, um ganz Barcelona überblicken zu können. Kurz vorm Schlafengehen, schauten meine Gastschwester und ich True Crime Dokus, so wie es immer unser Ritual in Amerika gewesen war.

Obwohl meine Zeit in Barcelona unfassbar schön war, fiel mir der Abschied nicht schwer. Wenn man sich verabschiedet, hat man meist Angst, dass man sich nicht wieder sieht, oder dass es nicht mehr so sein wird, wie es einmal war. Aber dieser kleine Trip hat mir gezeigt, dass das zumindest in diesem Falle nicht stimmt. 

Ich glaube die Zeit zuvor in Amerika hat uns echt zu einer Art Schwestern werden lassen. Denn ich weiß, dass selbst wenn wir uns erst in 10 Jahren wiedersehen würden, wir immer noch schief singend in der Küche tanzen und unsere Nächte mit True Crime Dokus füllen würden. 

 

Als ich wieder im Flugzeug nach Deutschland saß, wurde mir desweiteren klar, was für ein Glück ich eigentlich habe. Denn ich habe nicht nur eine Art von Schwester, sondern gleichzeitig auch ihre ganze kleine Crew von verrückten Freunden in Barcelona, die mich hoffentlich schon bald in Deutschland besuchen kommen. Wenn ich etwas weiter zurückdenke, wird mir immer wieder bewusst, dass ich all diese Erlebnisse nicht erlebt und all diese Menschen nicht kennengelernt hätte, wäre ich damals nicht in den Flieger nach Amerika gestiegen. Und mir wird immer wieder klar, dass ich nie im Leben damit gerechnet hätte, was alles aus dieser Reise resultieren wird.