Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Johanna in Australien

Unterschiede zwischen der Schule in Australien und Deutschland

Mein Name ist Johanna, ich bin 16 Jahre alt und besuche im Moment die 11.Klasse eines Gymnasiums. Noch bis vor wenigen Monaten habe ich im Rahmen eines einjährigen DFSR-Auslandsjahres in Geelong in Australien gelebt, was in der Nähe von Melbourne liegt, und habe mein Auslandsjahr in allen Zügen genossen. Mittlerweile arbeite ich auch als Schülerbeauftragte für DFSR, weil es mir unheimliche Freude bereitet, meine Erfahrungen und Erinnerungen über mein Auslandsjahr zu teilen und auch andere dazu zu motivieren, über sich selbst hinauszuwachsen.

Heute wollte ich euch mal etwas mehr über mein Gastland Australien, genauer gesagt, über die Schule in Australien im Vergleich zu Schulen in Deutschland erzählen, damit ihr einen Eindruck bekommt, wie es überhaupt so ist, in einem anderen Land mit einer anderen Kultur zur Schule zu gehen und wie genau eigentlich die Unterschiede zu Schulen in Deutschland aussehen!

1. Ist Schule in Australien oder in Deutschland schwieriger?


Viele Leute haben mir vor dem Anfang meines Austausches gesagt, dass Schule in Australien viel einfacher ist, was auch viele meiner Freunde unter den anderen Austauschschülern bestätigen konnten. Sie haben nämlich so gut wie gar nichts in der Schule gelernt und das meiste ist auf dem Level einer 9. oder 8. Jahrgangsstufe, obwohl sie die 10. oder 11.Klasse besucht haben.

Mich hat es aber ziemlich gut getroffen, da ich durch Zufall auf eine sehr bekannte und gute Privatschule kam (viele Schulen in Australien sind privat). Meine Schule ist z.B. Mathe betreffend ungefähr auf dem Level von meiner deutschen Schule und ich lerne viele Sachen, die ich vorher noch nicht kannte. Letztendlich ist Schule in Australien aber selbst noch bei meinem Fall etwas leichter als Schule in Deutschland.

2. Die Uniformen


Der wohl offensichtlichste Unterschied zwischen Schulen in Australien und Schulen in Deutschland liegt ziemlich eindeutig bei den Schuluniformen! Während nämlich die meisten Schulen in Australien Schüler zum Tragen von Schuluniformen verpflichten, ist das ja in Deutschland fast nie der Fall. Damit ihr wisst, was ihr euch unter so einer Uniform vorstellen könnt, habe ich euch mal Bilder von mir in meiner Sommeruniform, einem Kleid, eingefügt. Dazu muss man auf seinem Schulweg jedoch immer noch den Schulblazer tragen und im Winter sieht die Uniform auch schon wieder ganz anders aus: Bluse, Krawatte, Pulli, Rock, Strümpfe usw. Dabei muss man jedoch auch beachten, dass die Uniform immer abhängig von der Schule ist. 

Ehrlich gesagt habe ich mich erst seeeeehr auf die Uniformen gefreut, einfach weil Filme wie Hanni + Nanni einen immer den Eindruck gemacht haben, dass diese echt schön und praktisch sind. Natürlich ist echt toll, dass man nie darüber nachdenken muss, was man am nächsten Tag anziehen muss, aber leider sind Uniformen nicht immer bequem, sondern auch durchaus unpraktisch, was ich durch meine sehr komplizierte Winteruniform erfahren musste. Im Gegensatz dazu gefällt mir meine Sommeruniform sehr, weil sie so unproblematisch ist.  Und die Schönheit der Uniformen liegt natürlich immer im Auge des Betrachters 😉.

3. Beten in der Schule/ Religiosität

Das ist jetzt bestimmt ein Punkt, über den viele überrascht sein werden, aber weil viele Schulen in Australien von der Kirche geleitet werden, gehört zum einen Religion zu den Pflichtfächern, zum anderen wird jeden Morgen vor der Schule und nachmittags nach der Schule gebetet. Dies ist natürlich nicht überall der Fall, sondern kommt immer auf die Schule an, kommt aber sehr oft vor.

Bevor einige dadurch jetzt abgeschreckt werden: Keine Sorge! Ich selber bin keine sehr religiöse Person und habe das als keinen störenden Faktor empfunden.
Klar, das tägliche Beten mag sich jetzt zwar etwas langweilig anhören, was es auch oft ist, aber abgesehen davon und dem Religionsunterricht hat Religion keinen weiteren Einfluss auf den Schulalltag.

Was ich jedoch echt toll finde und was auch durch diesen religiösen Faktor beeinflusst wird, ist dass man hier vieles mit einem religiösen Verständnis von Nächstenliebe etc. angeht, weshalb an vielen sozialen Projekten, wie z.B. Operation Christmas Child im Rahmen des Unterrichtes teilgenommen wird und die Schule allgemein soziale und außerschulische Projekte und Organisationen unterstützt. Bei Operation Christmas Child z.B. stellt man ein Geschenk für ein Kind in einem anderen Land zusammen, das noch nie zuvor ein Weihnachtsgeschenk gekriegt hat.

4. Die Fächer und Ausstattung der Schulen


Wie auch in Deutschland hat man ab der 10. Klasse die Möglichkeit, seine Fächer zu wählen. Der Unterschied dabei ist aber, dass man in Australien statt 11 oder 12 Fächern nur 7 hat. Pflichtfächer für meine Jahrgangsstufe sind Englisch, Religion und Sport. Weil man, um in Australien zur Schule gehen zu dürfen, aber Geld bezahlen muss, haben wir zusätzlich noch ganz andere Fächer, die man wählen kann und welche in Deutschland oft aus Kostengründen nicht angeboten werden.

Für mein Auslandsjahr hatte ich deswegen z.B. die Fächer Photography, Legal Studies und FoodTech gewählt, um auch einen Einblick in solche Bereiche zu erhalten.
Die schulische Ausstattung für den Unterricht und besonders für diese speziellen Fächer ist dabei phänomenal (hier möchte ich nochmal darauf verweisen, dass es sich bei meiner Schule um eine Privatschule handelte): An meiner Schule gab es in jedem Raum Beamer, Klimaanlagen, Fernseher inkl. AppleTV zur vereinfachten Wiedergabe von Präsentationen uvm. Zudem besaß jeder Schüler ein MacBook (welches er sich jedoch selber kaufen musste) und welches intensiv im Unterricht benutzt wurde zum Recherchieren, für Gruppenarbeiten, Präsentationen und viel mehr. Diese Lernmethoden haben sowohl Vor-, als auch Nachteile, auf die ich jetzt jedoch nicht mehr eingehen werde, weil das sonst mehr als nur den Rahmen sprengen würde.

Um jedoch zurück zu auf die „speziellen“ Fächer zu kommen:  Absolut begeistert war ich davon, dass meine Schule uns qualitativ hochwertige Kameras und Küchen für den Photography und FoodTech Unterricht zur Verfügung stellten und für meinen Legal Studies-Unterricht kam extra eine noch im Berufsfeld tätige Anwältin zu uns an die Schule.
Für Schüler, die Drama oder Dance angewählt hatten, gab es ein großes Theater zur Verfügung uvm. Es gab jedoch noch viel mehr Unterrichtsfächer und -möglichkeiten, wie z.B: Robotics, WoodTech und Business.

Ich muss schon sagen, dass mir diese Seite des Schullebens in Australien sehr gut gefallen hat, einfach weil jeder Schüler sich noch viel mehr seinen Interessen entsprechend spezialisieren kann und nicht gezwungen wird, z.B. ein künstlerisches Fach zu belegen, obwohl kein Interesse für so ein Fach vorliegt. Jedoch hat diese Art eines Schulsystems viele Nachteile, wie ich finde, weil Mathe hier kein Pflichtfach ist und auch das Lernen von Sprachen nicht so sehr wie in Deutschland unterstützt wird, was ich sehr schade finde und was ich auch den Meinungen meiner Freunde in Australien entnehmen konnte.

Letztendlich muss sich jeder dazu eine eigene Meinung bilden, denn ich fand es z.B. sehr interessant, ein neues Schulsystem so detailreich kennenzulernen, bin aber mit dem deutschen Schulsystem persönlich zufriedener.

5. Die ganze Mentalität


Davon hatte ich persönlich vor meinem Auslandsjahr noch überhaupt nicht gehört, jedoch haben Schüler in Australien ein sehr freundliches und auch freundschaftliches Verhältnis zu ihren Lehrern. So gibt es hier nicht wirklich dieses Bild vom strengen Lehrer, was man ja in Deutschland durchaus kennt, sondern die Lehrer gehen mit einem durchgehend auf Augenlevel um, womit ich in Deutschland nur manchmal die Erfahrung gemacht habe.

Lehrer fragen einem immer, wie das Wochenende war, wie der Sport läuft etc. und interessieren sich ehrlich dafür, was sich auch durchaus generell den Australiern zuschreiben lässt. Mich hat dieses Verhältnis zu den Lehrern absolut überrascht, aber auch gefreut, weil so eine viel angenehmere Arbeitsatmosphäre herrschte und man sich ernst genommener fühlte. Dass ich demnach am Ende meines Auslandsjahres Abschiedsgeschenke von meinen Lehrern bekommen würde und in Deutschland sogar E-Mails bekomme, die besagen, wie sehr sie mich in ihrem Unterricht vermissen, hätte ich vor einem Jahr nie geglaubt.

Ehrlich gesagt, könnte ich noch vieeeel mehr schreiben, doch letztendlich wäre dieser Artikel dann etwas zu lang!

Ich hoffe, es hat euch gefallen!
Johanna