Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Hannah in den USA

Vorurteile über die Schule in den USA

Ich kann natürlich nicht für alle amerikanischen Schulen sprechen, aber ich werde von meiner Schule berichten.
In Deutschland hört man ja häufig, dass Schule in den USA extrem einfach sei und man dort eigentlich nichts lernt. Auch von einigen Austauschschülern habe ich gehört, dass die Schule dort einfacher ist als hier. Dem stimme ich auch zu, allerdings finde ich es ist nicht so ein großer Unterschied, wie es häufig dargestellt wird.

Ein wichtiger Punkt, der häufig nicht beachtet wird ist auch, dass die meisten Austauschschüler von Gymnasien kommen, diese Trennung in Amerika jedoch nicht stattfindet.

Viele denken auch, dass man durch die große Auswahl der Fächer eigentlich machen kann, was man machen will und nicht alle Fächer hat, obwohl das nicht so ganz stimmt. An meiner Schule gab es weit über 100 Fächer zu wählen, allerdings mussten sich die „richtigen“ Schüler dort auch an Regeln zur Belegung halten.

Die Schüler müssen, um den Abschluss zu bekommen, verschiedene Credits in unterschiedlichen Bereichen erreichen. Meist hat ein Halbjahr 0.5 Credits für den Fachbereich zudem das Fach gehört. Es gab zum Beispiel in Mathe den Kurs „Secondary Maths 3“ (11. Klasse Mathe) wo man, ähnlich wie in Deutschland, verschiedene Themen durchgenommen hat. Wenn man aber in der Middle School schon bemerkt hat, dass man sich besonders für Statistik oder Wahrscheinlichkeitsrechnung interessiert, kann man sich in seiner High School Zeit dann damit beschäftigen. Statt einfachem Englischunterricht kann man auch nur über Gedichte oder nur über Shakespeare reden oder statt Biologie einfach Zoologie wählen. Was ich daran als Vorteil sehe ist, dass man sich, nachdem man in der Middle School schon die verschieden Bereiche ausprobiert hat, man sich in der High School mit den Themen beschäftigen kann, die einen wirklich interessieren und teilweise auch schon Teilausbildungen oder Zertifikate für verschiedene Dinge in der Schule machen. Man kann sogar schon einige College (so wie Uni hier) Kurse belegen, sodass man dann während des Studiums nicht so viel gleichzeitig lernen (und weniger zahlen, die Highschool kostet (fast) nichts, das Studium allerdings schon) muss.

Aufgrund der Credits könnte man zwar ein Jahr (fast) nur Spaßfächer belegen, dafür muss man sich dann in den anderen Jahren sehr anstrengen, sodass man sich das dann auch verdient hat. Die eben erwähnten Spaßfächer, haben aber zu großen Teilen auch Sinn. An meiner Schule gab es zum Beispiel Schulfächer, wo man professionelles Kochen gelernt hat, einen Tischlerkurs, Näh- oder Fotografieunterricht, eine Autowerkstatt und Unterricht wie man Autos repariert und so weiter. Mir hat das sehr gefallen, dass man dort auch sinnvolle Sachen gelernt hat.

Viele Lehrer waren im Unterricht auch weniger streng und haben einen auch mal mit dem Nachbarn reden oder ans Handy gelassen oder man durfte mal kurz über die Flure laufen, wenn man nicht mehr sitzen konnte oder so. Man musste aber trotzdem am Ende die Ergebnisse einreichen und es wurde eingegriffen, wenn irgendwas überhand genommen hat, aber an sich fand ich es so einfacher sich zu konzentrieren, weil man während des Unterrichts so mehr Spaß hatte und kurze Dinge schnell klären konnte statt die ganze Zeit darüber nachzudenken.
Zu der Schwierigkeit des Unterrichtsstoffs würde ich sagen, dass es meistens ein wenig leichter war als in Deutschland, allerdings kann man das zum großen Teil denke ich darauf schieben, dass ich vorher auf dem Gymnasium war und dann eben auf einer gemischten Schule. Außerdem kann man ja auch an Collegekursen teilnehmen, die denke ich dann einiges schwerer wären.

In den USA lernt man in der Schule auch Dinge, die man in Deutschland nicht lernt. Der Unterricht dort ist viel näher am tatsächlichen Leben orientiert, zum einen durch die Fachauswahl oder auch die im Unterricht behandelten Themen. In Deutschland wird mehr reines „Wissen“ vermittelt, das von den meisten allerdings nach der Schule nicht mehr viel gebraucht wird. In den USA ist es eher auf die Zukunft der Schüler orientiert, da sie ihre Fächer auf ihre spätere Berufswahl anpassen können und weniger „umsonst“ lernen.

Beides hat Vor- und Nachteile aber ich denke man kann nicht einfach sagen, dass man in der Schule in den USA nichts lernt.