Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

Mia in den USA

Heimweh

Eine der größten Sorgen ist es, bei den meisten Austauschschülern, Heimweh zu bekommen. Egal, ob man davor Angst hat, seiner Familie nicht nah zu sein oder ob man Angst davor hat, generell Heimweh zu verspüren, oft ist es ein Kriterium welches über die Ausführung eines Auslandsjahres entscheidet. Natürlich ist es nicht garantiert, Heimweh zu bekommen. Ich persönlich habe während meinen fünf Monaten Aufenthalt in den USA kein Heimweh verspürt. Die andere Austauschschülerin die meine Gastfamilie aufgenommen hatte hatte hingegen vor allem zu Beginn große Probleme mit Heimweh, ebenso wie viele meiner Freunde, die ebenfalls einen Auslandsaufenthalt verbracht haben.

Ein wichtiger Unterschied den ich bemerkt hatte, ist die Kommunikation mit der eigenen Familie Zuhause. Während meine Freunde also täglich mit ihrer Familie nicht nur geschrieben sondern auch telefoniert haben, habe ich mich höchstens einmal pro Woche gemeldet, habe aber auch dann auf ein Telefonat verzichtet. Ich habe versucht, möglich viel Zeit mit meiner Gastfamilie zu verbringen und wenn ich zum Beispiel einen elterlichen Rat brauchte, habe ich mich auch lediglich an diese gewendet. Ich habe über diesen beschränkten Kontakt zu meiner Familie ebenfalls mit meiner Koordinatorin bei unserem ersten Gespräch gesprochen. Sie meinte ebenfalls, dass es sehr gut ist, gerade am Anfang Distanz zu seinen Eltern zu halten, um in der Lage sein zu können, sich etwas Eigenständiges aufzubauen. Sie hatte erwähnt, dass normalerweise ihr Ziel nach dem ersten Gespräch mit den Austauschschülern ist, sie davon zu überzeugen weniger mit ihren Eltern Zuhause zu reden und sich lieber auf die Menschen vor Ort zu konzentrieren. Für mich erschien dies einleuchtend und ich bereue auch heute noch nicht, diesen Weg gegangen zu sein.

Ich habe also versucht die Austauschschülerin mit der ich das Haus teilte mehr von ihrem Heimweh ablenken und habe sie immer häufiger dazu überredet, Sachen mit mir zu unternehmen. Egal ob dies nun ein Sportevent von der Schule war oder lediglich zum Supermarkt zu gehen um Snacks zu holen und später dann einen Film zu schauen. Nach wenigen Wochen waren wir beide so beschäftigt, dass sich nicht nur unsere Freundschaft enorm verstärkt hat, sondern auch, dass das Heimweh verflogen ist. Es sogar vereinzelte Punkte, wo sie schon genervt reagierte, wenn ihre Eltern zu oft mit ihr telefonieren wollten. Diese waren es nicht gewohnt, ihre Tochter nicht so oft zu sehen und wollten nicht loslassen. Die Distanz muss also ab einem bestimmten Punkt von beiden Seiten kommen, da sich auch die Eltern an die neue Situation gewöhnen müssen, um ihr Kind später unterstützen zu können.

Sobald ich mir ein sicheres Umfeld im Ausland aufgebaut hatte, habe ich mich auch wieder mehr mit meiner Familie Zuhause beschäftigt. Ich habe sie öfters mal angerufen und vor allem mit meiner Schwester über Skype gesprochen. Ich hatte tatsächlich Spaß daran, über meine Erlebnisse zu berichten und habe mich nicht gezwungen gefühlt. Es hat einfach Zeit gekostet, an diesen Punkt zu kommen, aber letztendlich war es wohl für beide Seiten die Distanz wert. Ich hatte es geschafft, eine stabile Beziehung zu meiner Gastfamilie aufzubauen und gleichzeitig guten Kontakt mit meiner Familie Zuhause zu haben, für mich ein perfekter Ausgang.

Heimweh war also für mich nie wirklich ein Problem, jedoch habe ich viele Gespräche mit Austauschschülern geführt, denen es anders erging. Letztendlich sind wir alle zu dem Entschluss gekommen, dass die Vorstellung des Heimwehs die wir in Deutschland hatten viel angsteinflößender erschien, als es letztendlich tatsächlich war. Die Sorge um Heimweh sollte also keinen wichtigen Entscheidungsfaktor darstellen. Natürlich ist dies nur meine persönliche Meinung zu diesem Thema.