Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Alina auf La Réunion

Ein Sprung ins Nichts

1,7; 1,6; 1,2; 1,0… meine Notendurchschnitte waren eigentlich immer gut, ohne dass ich viel dafür tun musste. Zumindest in bis zur 8. Klasse nicht. Danach wurde es schwieriger. Plötzlich reichte es nicht mehr nur zuzuhören, dennauf einmal wurden in Klassenarbeiten Definitionen abgefragt, Vorträge sollten ohne Karteikarten gehalten werden und von spontanen mündlichen Kontrollen ganz zu schweigen. 
Kurz gesagt, ich war überfordert. 

Ich wusste nicht, wie man lernt, wusste nicht wie man mit Noten schlechter als einer drei umgeht und hatte erst recht keine Ahnung, wie man es anstellt sich aus nicht gemachten Hausaufgaben herauszureden. Ich konnte nicht mehr schlafen, dachte die ganze Zeit nur über Schule nach und versuchte dabei nicht vom Stuhl zu kippen. Als dann auch noch Corona kam, war ich durch die Quarantäne so aus dem Konzept gebracht, dass ich eigentlich gar nichts mehr wusste. 
Das Ganze ging etwa bis September 2020 so.

Man, dachte ich mir am Flughafen dann, wenn du schon mit sowas nicht umgehen kannst, wie sollst du dann in einem fremden Land irgendwo mitten im Ozean, mit einer Sprache, die du kaum sprichst, überleben? (Zugegeben, ich hatte 4 Jahre Französisch, aber sicher fühlte ich mich nicht wirklich)
Doch diese Sorgen, auch wenn sie normal sind, erwiesen sich als unbegründet. Das Auslandsjahr war in meinem Fall genau die Auszeit, die ich brauchte. Natürlich gab es auch stressige Situationen, aber ganz ehrlich? Ich hatte den Strand 30 Minuten entfernt (ich war auf La Réunion), Unterricht, bei dem es überhaupt nicht auf Noten ankam, und, was vielleicht am wichtigsten war, ganz viel Abstand nach Hause.

Ich hatte Zeit mich zu entspannen, neu zu konfigurieren und dennoch etwas zu lernen, aber eben auf eine ganz andere Art, und plötzlich wurde alles leichter.
Deswegen empfehle ich allen, die sich selbst dabei erwischen sich immer zu viel Sorgen zu machen, sei es um Schule oder etwas anderes, ein Auslandsjahr. Ihr werdet sehen, man entspannt sich dabei so sehr, gerade auch weil man von allem was man kennt, losgerissen wird.

Sicher, zunächst hört sich das widersprüchlich an, – wie soll ein Sprung ins nichts entspannend sein? – aber bei etwas Nachdenken macht es Sinn. 
Wenn man komplett neu anfangen muss, hat man die Chance sich völlig neu zu erfinden. Man kann endlich ausprobieren was man zu Hause nie durfte, muss sich nicht übermäßige Sorgen um Noten oder darum nicht das Gespött der Schule zu werden machen, und kann auch laut auf der Straße schief singen ohne das Gesicht zu verlieren (ach ja, wer kennt es nicht, dieses drängende Bedürfnis zu singen?)denn egal was passiert, man ist nur sowieso nur für ein Jahr oder 5 Monate da.

Die Freiheit, die ich durch genau diese Gedanken hatte, hat mir total geholfen Nächte wieder durchzuschlafen und als ich zurück kam, war ich nicht nur erfrischt und konnte mit dem Abitur durchstarten, sondern fand mich auch sonst sehr viel sorgloser und freier als vorher.