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Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Wibke in Neuseeland

Mein Wechsel

Ich war jetzt schon über drei Monate in diesem fremden Land. Meine Welcome Family hatte gerade bestätigt, dass ich länger bei ihnen bleiben dürfte. Ich fühlte mich gut, ich hatte Freunde gefunden, mich mit meiner Schule arrangiert, die im Allgemeinen doch ganz gut war, obwohl sie eine Stunde von mir entfernt und eine katholische Mädchenschule war.

Bald würde mein Geburtstag sein und ich hatte schon ein Wochenende geplant. Leider waren in der Woche nach meinem Geburtstag die Mock-Exams, das sind die Probe Examen vor den richtigen Examen und trotzdem wollen alle besonders gut darin abschneiden. Mein Geburtstag war am Sonntag, wo die meisten von meinen Freunden lernen wollten. Wir feierten also einen Tag früher. Ich wollte auch an manchen der Examen teilnehmen und entschloss mich, an meinem Geburtstag nochmal zu lernen. Ich bin generell sehr ehrgeizig und wollte meine Lehrer stolz machen, also war das für mich der richtige Schluss. Ich feierte trotzdem einen wundervollen Geburtstag, mit Kuchen und der Familie meiner Gastfamilie.

Als diese gegangen waren, setzte ich mich hin und lernte ein bisschen. Meine Gastmutter kam rein und fragte mich, ob ich mit Touch Rugby spielen wollte. Ich sagte, dass ich das noch schnell fertig machen wollte und dann rauskommen würde. Ich weiß nicht, ob das ein Fehler war, oder was ich hätte anders machen müssen. Auf jeden Fall war es dann so, dass sie schon fertig waren, als ich dann nach so 5 bis 10 Minuten fertig war und raus kam. Am Abend sprach meine Gastmutter dann mit meiner Gastschwester, ich glaube sie wusste nicht, dass ich im Nebenraum saß. Ich habe nicht vorsätzlich gelauscht, aber die Wände sind nun mal sehr hellhörig und so bekam ich einen Teil der Konversation mit. Ich erinnere mich an das meiste nicht mehr, bis auf den einen Satz, den sie am Ende sagte. So ungefähr: „Wenn sie nicht mit uns spielen oder sprechen will, dann muss ich es ihr auch nicht mehr anbieten oder irgendetwas mit ihr machen“.

Wenn ich wirklich nicht mit ihnen interagieren wollen würde, könnte ich das ja verstehen, aber es war einmal und ich hatte wirklich nur noch das eine fertig gemacht.

Was mich allerdings viel schlimmer getroffen hat als die Aussage an sich, war, dass sie mir das nicht ins Gesicht gesagt hat. In dem Moment habe ich mich so ein bisschen wie eine Witzfigur gefühlt. Ich weiß, dass manche Leute erst mit anderen Leuten über Probleme reden müssen, um sie zu verstehen und dann die Person ansprechen, die sie betreffen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wenn sie das nicht mit mir bespricht, ich auch nichts verändern kann. Generell habe ich ein Problem damit, wenn Leute hinter meinem Rücken über mich reden und ich mich nicht verteidigen kann. Ich weiß nicht, ob nur ich dann das Vertrauen in diese Personen verliere, auf jeden Fall habe ich mich nicht mehr getraut, meiner Gastmutter alles zu erzählen und habe mich einfach unwohl in ihrer Gegenwart gefühlt. Das war leider auch nicht das einzige Mal, dass sie mit jemandem über mich geredet hat. Ich habe mehrmals mitgekriegt, wie sie mit ihren Freunden über Probleme geredet hat, die sie mit mir hat, von denen ich noch gar nichts wusste. Erst nach meinem Austausch wurde mir dann von meinen Eltern über das ganze Ausmaß erzählt.

Ich habe sehr mit mir gehadert, weil ich die Familie sehr mochte. Aber je länger ich da war, desto unwohler habe ich mich gefühlt. Ich habe mit meiner Koordinatorin gesprochen und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ich die Gastfamilie wechseln sollte. Wenn die Umstände anders gewesen wären, hätten wir erst einmal ein Gespräch mit meiner Gastfamilie geführt, aber so hat meine Koordinatorin gleich nach einer neuen Gastfamilie gesucht. Ich hatte sie darum gebeten, meiner Gastmutter zunächst nichts zu sagen, weil ich nicht wusste, wie sie darauf reagieren würde. Und, um ehrlich zu sein, auch ein bisschen Angst davor hatte. Ich habe mich auch bei meinen Freunden erkundigt, ob ich bei ihnen bleiben könnte. Leider war das nicht möglich.

Um ein wenig Abstand von der Situation zu bekommen, habe ich mich entschieden, eine weitere Rundreise zu machen. Die meisten Leute dort haben mich ermutigt und gesagt, dass es die richtige Entscheidung war. Ich bin mir da aber immer noch nicht so sicher. Kurz vor Ende der Reise rief mich meine Koordinatorin an, sie hätte eine neue Gastfamilie gefunden. Auf der Nordinsel, ich würde am Samstag losfliegen. Das bedeutete, ich würde kaum Zeit haben, meine Sachen zu packen und mich von meinen Freunden zu verabschieden. Ich kam dann von meiner Rundreise zurück und das Verhältnis zwischen meiner Gastmutter und mir war sehr komisch. Sie meinte, sie könne mich nicht mit zum Flughafen bringen und ich hatte das Gefühl, dass sie vielleicht sauer darüber war, dass ich mich nicht wohl gefühlt habe. Ich glaube, sie hat das ganze nicht so verstanden wie ich.

Ich möchte hier kurz anmerken, dass ich meine Gastfamilie nicht gehasst habe oder so. Ich habe mich einfach nur unwohl gefühlt. Eigentlich war die Familie total nett und ich habe meine Gastgeschwister geliebt. Es hat leider einfach nicht gepasst zwischen uns. Ich war nicht die Austauschschülerin, die sie sich vorgestellt hatten und sie nicht die Familie, bei der ich für zehn Monate bleiben wollte.

 

Ich glaube, was ich daraus gelernt habe, ist, dass man auf sein Gefühl hören muss. Ich bin mir nicht sicher, wie es gewesen wäre, wenn ich meine Gastfamilie nicht gewechselt hätte. Aber dieses komische Verhältnis wäre geblieben und ich hätte mich wahrscheinlich darüber geärgert, dass ich mich das nicht getraut habe. Wenn man in so eine Situation kommt, kann man, glaube ich, nur auf seine Gefühle hören, weil es immer genug Gründe dafür und dagegen gibt. Manchmal muss man sich einfach überwinden. Es ist auch gar nicht schlimm die Gastfamilie zu wechseln, solange man sich wohlfühlt, ist das ok. Ich glaube, ich bin zu dem Schluss gekommen, dass mir der Wechsel eine neue Perspektive gegeben hat. Ich habe dadurch nochmal viele Menschen kennengelernt und es hat meine Erfahrung bereichert.