Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Line in den USA

Kulturschock

Wenn man sich auf ein Auslandsjahr begibt, ist man meist voller Vorfreude. Man ist bereit, sich dem Unbekannten zu stellen und bereit für all die Abenteuer, die man in dieser Zeit erleben wird. Doch es gibt auch etwas, auf das man sich nicht so wirklich vorbereiten kann; Der Kulturschock. Man kann so weltoffen und abenteuerlustig sein wie man will, und dennoch gibt es immer mal wieder Momente, in denen man vom Kulturschock erfasst wird. Und das ist wichtig, denn ohne ihn, würde man Neues, aber auch Altes gar nicht richtig zu schätzen wissen.

Die ersten Wochen in Amerika waren für mich wie Urlaub. Neue Menschen, neues Essen, neue Städte und eine neue Schule. Alles neu, neu, neu, und ich habs geliebt. Endlich war ich weg aus Deutschland und endlich in der großen weiten Welt. In “the land of the free”: Amerika. Ich ging auf eine Highschool, fuhr mit den bekannten gelben Schulbussen und am Wochenende war ich mit Freunden in der Mall. 
Wo sollte da noch der Kulturschock kommen? 

Womit es anfing, kann ich nicht wirklich sagen. 
Vielleicht, als ich realisiert habe, dass es das “ungesunde” Essen jetzt wirklich jeden Abend gibt. Oder, dass es nicht  so “normal” war, sich oft mit männlichen Freunden zu treffen, ohne das jeder denkt, ihr würdet daten. Ich fing an Sachen aus Amerika mit Dingen in Deutschland zu vergleichen. Sei es das Essen, die Sauberkeit im Haus, andere Denkweisen, Tagesabläufe usw.
Vielleicht war es ja doch gar nicht sooo schlecht in Deutschland und vielleicht, war ich ja doch gar nicht so weltoffen, wie ich dachte. Schockiert von diesen Gedanken, versuchte ich mich anzupassen. Ich wollte mein Auslandsjahr und die neue Kultur “richtig“ erleben. Mittendrin sein. Nur sah ich nicht, dass Anpassen nicht gleich Verändern bedeutet. Es gibt einen schmalen Grad zwischen “sich anpassen” und “sich verändern”. Und wenn man von diesem Grad abkommt und anfängt sich zu verändern, in der Hoffnung sich anzupassen, kann es dadurch schnell zu einem Kulturschock kommen. Man verliert sich ein Stück selber und dann tritt das Gefühl von Alleinsein ein.

Neben des Alleinseins entstanden bei mir auch Gefühle von Wut und Frust. Und zwar, als ich feststellte, dass ich mit zu vielen Erwartungen in das Auslandsjahr gegangen bin, obwohl ich genau dies nicht machen wollte. 

“Having no expectations is the key for an amazing exchange”
 (@exchangestudent.usa)

Wenn man sich diesen Spruch zu Herzen nimmt, und versucht mit wenig bis keinen Erwartungen in sein Auslandsjahr zu gehen, wird der Kulturschock vermutlich gar nicht so groß sein, da keine Erwartungen kaputt gehen können, und man nicht enttäuscht ist, wenn etwas nicht so wird, wie man es sich eigentlich vorgestellt hatte.
Nur macht man sich immer irgendwie Gedanken und hat Vorstellungen, die nie genau so in erfüllung gehen. Bei mir kam der Kulturschock dann, als meine Vorfreude am Anfang meines Auslandsjahr, wenige Wochen später, auf die Realität traf. Sie war nicht unbedingt schlechter, aber dennoch war sie nicht wie erwartet, und ich frustriert. 

Zum Glück hielt mein Kulturschock nicht all zu lange an, da ich mich viel mit meiner Gastschwester austauschen, und mit ihr über meine Gefühle reden konnte. Das hat sehr geholfen und ein positives Mindset half mir ebenfalls.

Ich dachte, dass war es jetzt mit dem Kulturschock. Doch ich musste feststellen, dass es einen Kulturschock nicht nur im Ausland, sondern auch im Heimatland geben kann. 

Die ersten paar Wochen in Deutschland waren der Hammer. Ich hatte Sommerferien und dementsprechend viel Quality Time mit meinen Freunden verbracht. Doch als die Schule wieder anfing, kam Frust in mir auf.  
Meine Highschool in Amerika war wie eine riesige Familie für mich gewesen. Ich ging gerne zur Schule. Die Lehrer waren wie Freunde, meine Kurse immer abwechslungsreich, die Klassenräume voller Plakate und Lichterketten, und die Stimmung war meisten immer gut. Der “FALCON PRIDE”, also der Stolz auf die Schule zu gehen und ein Teil der “Family” zu sein, war groß. (Anders als in Deutschland). Des Weiteren war auch der Umgang mit Menschen in Amerika und Deutschland plötzlich ganz anders.
Und dann saß ich plötzlich wieder in einem eintönigen Klassenzimmer in Deutschland und merkte: verdammt… here we go again.
Wie ich es schon am Anfang schrieb, gibt es einen schmalen Grad zwischen sich anpassen und sich verändern. Und von diesem bin ich zum wiederholten Male abgekommen. Ich wollte mich wieder anpassen, aber dadurch habe mich verändert und mich immer weiter von mir selber entfernt. 
Und dann kam er wieder. 

Ein Kulturschock. Und das in meiner eigenen Kultur.
Dann saß ich Zuhause und zerbrach mir meinen Kopf. Ich fühlte mich plötzlich wieder alleine. So, wie ich es ein Jahr zuvor in Amerika getan hatte, nur das ich jetzt in meinem eigenen Zimmer saß. 
Aber dann erinnerte ich mich an das, was ich in Amerika getan habe, als der Kulturschock kam: Reden und sein positives Mindset behalten. 
Natürlich war ich eine lange Zeit traurig, als ich feststellte, dass ich nie wieder auf eine High School gehen würde. Aber gleichzeitig kann ich auch verdammt glücklich sein, die Chance bekommen zu haben, auf eine High School gehen zu dürfen, aber auch so viele Erfahrungen gemacht zu haben. Es ist nichts selbstverständliches ein Jahr eine andere Familie, auf einen anderen Kontinent zu haben und auf eine High School zu gehen. Alleine ein Zusammentreffen dieser Kulturen ist so besonders und ich bin super dankbar, diese Chance gehabt zu haben. 
Denn diese Erfahrungen prägen einen. 
Der Austausch von diesen Kulturen prägen und geben jedem Einzelnen, der sich auf so eine Reise begibt, Erfahrungen und Eindrücke, die man sein ganzes Leben behalten wird. 

Was ich in dem letzten Jahr und auch Monaten nach meiner Ankunft gelernt habe, ist, dass ein Auslandsjahr nicht aufhört, sobald man wieder in seinem Heimatland ist. 
Denn irgendwie begleitet es einen immer auf jeden einzelnen Schritt, den man durchs Leben geht.