Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Alina auf La Réunion

„Nach Hause telefonieren“ – Wenn man selbst zu E.T. wird

Zuerst einmal muss ich gestehen, dass ich den Film E.T. nur einmal in meinem Leben gesehen habe, und mich daran nur noch dunkel erinnern kann, im Grunde genommen weiß ich außer der Formulierung „nach Hause telefonieren“ eigentlich gar nichts mehr, aber es soll ja in diesem Artikel auch nicht um einen Film, sondern um das Auslandsjahr gehen, genau genommen um den Kontakt nach Hause.
Was dieses Thema angeht fragen sich viele wie oft man überhaupt Kontakt nach Hause aufnehmen sollte, und diese Frage findet keine so richtig eindeutige Antwort, weil alle was anderes sagen.

Die meisten Austauschorganisationen empfehlen maximal ein Telefonat pro Monat mit den Eltern, für die ist das meistens zu wenig, und Freunde sind noch mal eine ganz andere Sache.Das Ding bei dieser Frage ist einfach, dass es von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Die vorherrschende Meinung ist, dass zu viel Kontakt zu den Eltern Heimweh verstärkt und das Ankommen im Ausland stört. Ich persönlich kann diese Erfahrung nicht bestätigen, allerdings habe ich mich auch extrem wenig bei meinen Eltern gemeldet. Wir haben in den gesamten zehn Monaten, in denen ich weg war, genau fünf Mal telefoniert, also nur ca. alle zwei Monate, und auch geschrieben haben wir wenig. Dagegen hat eine Freundin von mir jeden Tag mit ihrer Mutter irgendwie Kontakt gehabt und auch sie hat sich prima eingelebt. 

Was meine Freunde anging, sah das aber wieder anders aus. Wir haben eine Zeit lang (als in Deutschland Lockdown war und dadurch alle Zuhause saßen) jede Woche telefoniert, aber außerhalb davon fast nie, und auch was WhatsApp, Instagram oder andere soziale Netzwerke angeht hielt sich der Kontakt in Grenzen, was aber nicht heißt, dass ich besser angekommen bin als andere, ich bin bloß einfach schlecht darin mit Leuten in Kontakt zu bleiben, wenn man mich nicht von sich aus anschreibt.
Es kommt also ganz darauf an was für eine Person man ist, und die Vorgabe von einmal pro Monat ist eigentlich nur ein Durchschnittswert der am Anfang als Orientierung dient, letztendlich wird aber jeder einen eigenen Rhythmus finden. 

„Nach Hause telefonieren“ bedeutet im Auslandsjahr eben nicht wie bei E.T abgeholt werden zu wollen, sondern sich mit anderen Menschen auszutauschen und von neuen Erlebnissen zu berichten. Jeder freut sich etwas vom anderen zu hören und man sollte das so oft oder so selten machen, wie man will.
Das Einzige was ich wirklich empfehlen würde zu bedenken, ist dass man, wenn man gerade Heimweh hat, „Nach hause telefonieren“ tatsächlich eher schaden kann, aber auch das ist individuell. 

Vielleicht gibt es ja auch Leute, deren Heimweh sofort verschwindet, wenn sie von zu Hause hören, wer weiß…
Probiert es aus, oder wisst es intuitiv, aber macht es auf jeden Fall so das ihr euch damit wohl fühlt, denn nur darum geht es.