Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Alina auf La Réunion

Von Tagebüchern und vertauschten Jahreszeiten

Wer findet Ferien auch immer zu kurz? Ich auf jeden Fall. Die schlechte Nachricht ist: später im Berufsleben hat man generell noch weniger davon. Die gute: in meinem Auslandsjahr hatte ich unglaublich viel. 

Tatsächlich hatte ich bereits nach meiner ersten Woche im Ausland zwei Wochen Herbstferien, dann deutlich mehr Feiertage als Zuhause (ich wohne in Berlin, von daher ist das nicht so schwer), zwei Wochen frei im April, und den gesamten Juni, Juli und halben August zwischen den Schuljahren. 
Das Beste waren allerdings die Sommerferien dort, die fünf Wochen lang waren und im Dezember/Januar stattfinden. 
Nun macht das eigentlich keinen Sinn, Sommerferien sind doch im Juni und Juli, oder? Wieso ist es auf einmal falschherum? 

La Réunion liegt im atlantischen Ozean, somit auf der Südhalbkugel, und die Jahreszeiten sind vertauscht. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ich meine Dezemberferien größtenteils in der Sonne am Strand verbracht habe, genauso wie übrigens die Vorweihnachtszeit. 
Für mich war das eines der vielen Ereignisse, bei denen mir klar deutlich wurde, dass ich gerade am anderen Ende der Welt bin, aber auch wenn das komisch und ein bisschen traurig ist, war es auf der anderen Seite unglaublich spannend und befreiend. Es ging halt irgendwie alles falschherum, das heißt ich musste mich auch mal in die andere Richtung drehen, und es war völlig klar, dass ich mich anders fühle, und niemand erwartet das es das Gleiche wie in Deutschland ist.

Neben dem Wetter gibt es natürlich noch ganz viele andere Unterschiede, wie das Schulsystem, das Essen oder einfach nur die Umgebung, und das ist bei jedem Auslandsaufenthalt so, auch wenn man nicht auf die andere Hälfte des Erdballs geht.
Wichtig ist nur, bei solchen Momenten, die einem klar machen wie weit weg man ist, nicht in Einsamkeit oder Heimweh zu versinken, sondern diese Zeitpunkte als eine Art Startrampe zu nutzen, um etwas Neues kennenzulernen. 

Ich weiß, das klingt schwer und es ist tatsächlich nicht gerade einfach, aber was mir persönlich geholfen hat, war ein Abschiedsgeschenk von meinen Freundinnen: Ein Auslandstagebuch. Dort habe ich jeden Tag geschrieben was ich gemacht habe und wie es mir ging. Das ist nicht nur jetzt eine schöne Erinnerung, sondern war auch während der Zeit im Ausland total spannend wieder zurückzublicken wie krass man sich bereits verändert oder entwickelt hat, dass plötzlich zum Beispiel nicht mehr das Sprachverstehen der Fokus ist, sondern auf einmal der Busfahrplan. Ich habe dadurch echt gemerkt, dass ich mich immer mehr integriert und weniger fremd gefühlt habe.

Insgesamt kann ich so ein Tagebuch also wirklich nur empfehlen. Es ist einfach ein super Andenken an die schöne Zeit, man kann das eigene Wachsen im Ausland förmlich sehen und es macht einfach Spaß am Ende jeden Tages zurückzublicken auf das was eigentlich passiert ist (das hilft im Übrigen auch beim Verstehen, was generell so abgeht, weil gerade am Anfang kommt man da in einer fremden Sprache manchmal nicht so mit).