Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

Image can't be displayed.

Kilian in den USA

Meine letzten Momente in Amerika

Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Tagebuch Eintrag. Heute möchte ich einmal über meine letzten Momente in Amerika sprechen.
Ich möchte vorweg sagen, dass mir dieser Eintrag sehr viel bedeutet. Ich bedanke mich bei jedem, der sich die Zeit dafür nimmt.
Und jetzt viel Spaß!
Liebes Tagebuch,
Ich finde es unfassbar, dass ich an diesem Punkt angelangt bin.
Ich finde es wirklich schade euch mitzuteilen, dass ich in 10 Tagen wieder nach Hause fliegen werde.Momentan denke ich jeden Tag daran, wie schnell die Zeit in Amerika doch vergeht, gerade weil die letzten 9 Monate wie im Fluge vergangen sind. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte die Zeit zurück drehen, alles nochmal erleben und so tuen als würde ich meinen Traum nochmal in Erfüllung bringen.

Mein letzter High School Tag

Ich möchte euch jetzt aber erstmal von meinem letzten richtigen High School Tag erzählen. Wer vielleicht meine Berichte oder auch meine YouTube Videos bereits angeschaut hat, weiß, dass ich nicht wirklich ein großer Fan des amerikanischen Schulsystems war. Ich dachte mir immer, dass alles so wird wie in einem Film, doch auf einmal wurde doch alles anders.
Ich habe anfangs nicht wirklich Freunde gefunden, weder Spaß daran gehabt, in die Schule zu gehen.
Und jetzt, ja jetzt liebe ich es in die Schule zu gehen, meine Freunde zu treffen und meine Aufgaben zu machen.
Ich habe mich an mein amerikanisches Leben mittlerweile so gewöhnt. So sehr, dass ich wünschte, ich müsste nichts mehr ändern.
Jedoch wurde mir das am letzten High School Tag bewusst. Mir war bewusst, dass ich das letzte Mal mich morgens beschweren darf, morgens um 5 aufstehen zu müssen, ich das letzte Mal morgens mit dem Bus in die Schule fahre, das letzte Mal Lunch mit meinen Freunden essen werde und das letzte Mal meine Lehrer sehe.
Der Gedanke alleine tat schon ziemlich weh, jedoch habe ich es positiv gesehen und mich darauf gefreut. Teilweise wollte ich auch mein Kapitel beenden, schließlich kann ich nicht einfach da bleiben, aufs College gehen und nie wieder nach Deutschland zurückkehren, auch, wenn das eigentlich mein Wunsch war. Ich hatte so viel Spaß, ich habe meinen Lehrern auf Wiedersehen gesagt, meine Mathe Lehrerin fing sogar an zu weinen. Ich habe von ihr ein Zettel erhalten, auf den sie sagt, dass sie mich wirklich mochte, und endete den Brief mit „I‘m proud of you and I will pray for you!“.
Es tat so weh einfach aus dem Klassenraum zu gehen und zu wissen, dass meine Geschichte hier geendet hat. Ich habe allen meinen Lehrern etwas gemalt und einen Brief geschrieben, dieses Bild haben sie dann in ihr Klassenzimmer gestellt.
Danach hatte ich Drawing, anschließend Lunch, dass ich mit meinen Freunden zusammen verbrachte. Ein komisches Gefühl. Ich bin durch so viele Freundschaftsgruppen gegangen, viele davon toxisch, und jetzt wo ich meine wirklichen Freunden gefunden habe, ging es zu Ende. Danach hatte ich mit meinem besten Freund Englisch.
Mein bester Freund und ich haben uns auch erst ziemlich am Ende kennengelernt, aber er ist einer der Gründe, warum mein Auslandsjahr so viel besser wurde. Er trug einen großen Teil dazu bei, dass ich mich jeden Tag in der Schule wohl gefühlt habe.
Wir hatten so viele Insider und so viele Erlebnisse zusammen. Unser Englisch Unterricht war für uns einfach nur lustig. Wir machten uns immer einen Witz daraus, die alten englischen Bücher lesen zu müssen. Auch unserer Lehrerin wollte die High School wechseln. Sie hat also alle ihre Sachen von den Wänden genommen. Das sah so kahl aus, so leer.
Ceramics war mein Lieblings Unterricht und auch der längste. Das beste daran war, dass ich mit all meinen Freunden zusammen saß. Wir hatten immer so viel Spaß (weil wir meistens nie unsere Arbeit machten, und wenn dann immer auf den letzten Drücker). Unsere Lehrerin hat meistens mit uns Karten gespielt, gelacht oder Witze gemacht. Am letzten Tag hatten wir sogar eine Party zusammen. Wir bestellten uns eine Pizza, brachten Snacks mit und spielten wieder einmal Spiele. Die nächste Klasse war Fotografie, dort hatte ich meine Lieblingslehrerin und auch dort saß ich am Tisch mit 4 Freunden, die mir sehr wichtig geworden sind. In meiner letzten Stunde war ich alleine, das war aber ganz gut, ich dachte nämlich über alles nochmal nach.
Als die Schulklingel ertönte, wusste ich, jetzt ist Schulschluss. Alle rannten aus den Klassenräumen in Richtung Busse. Und ich stand dazwischen mit Tränen in den Augen, weil alles was ich mir unter mein American High School-Life vorgestellt hatte, doch noch in Erfüllung ging.
Ich wollte wirklich nicht aus meiner Schule.
Als ich dann im Bus saß, wir den Parkplatz verließen und alle Lehrer uns in die Sommerferien gewunken haben, sind bei mir Tränen geflossen.
Wie ist alles so schnell an mir vorbei gegangen? Wie saß ich gestern noch im Bus, hatte Angst meinen ersten Schultag hier zu haben, mit all der Freude?
Wie war ich gestern noch so erschüttert von meiner 6 in Englisch, als ich draußen vor meiner High School stand und weinte, weil ich mir alles anders vorgestellt hatte? Wie ich meine Freunde erst jetzt kennen gelernt habe?
Und doch alles auf einmal vorbei war.
Ich habe so schlimm geweint, währenddessen sich alle gefreut haben endlich in die Sommerferien zu gehen.
Ich war in den Moment so dankbar, so traurig, so stolz und auch einfach nur entsetzt.
Ich kann immer noch nicht glauben, dass mein Platz vielleicht jetzt leer steht. Das mein Bild, das ich für meine Lehrer gezeichnet habe, jetzt nur noch das einzige von mir dort ist.

Mein letzter Tag in Amerika
Hier sind wir schon. Wie bereits im Titel könnt ihr euch schon denken, was passieren wird.
Ich möchte früh anfangen. Den Abend zuvor:
Ich habe alle meine Freunde zu einer Pool Party eingeladen. Ich wollte noch ein letztes Mal mit ihnen feiern. Es kamen ca. 10 Leute. Leute die ich von der Schule oder von meiner Gastfamilie kannte oder selbst Austauschschüler waren. Alle kamen her und wir hatten wirklich einen wunderschönen Abend zusammen. Wir haben zusammen gegessen, Musik gehört und sind geschwommen und es war wirklich ein magisches Gefühl für mich.
Ich habe mich sehr oft alleine Gefühlt, mich unfähig gefühlt Freunde zu finden, und das jetzt so viele Leute hier waren, hat mich so berührt. Mir war bewusst, dass alle diese Leute am nächsten Tag weg sein werden, zwar immer noch auf dieser Welt, aber so weit weg, dass ich nicht mehr einfach zu ihnen gehen kann.
Leute gingen langsam und übrig waren mein bester Freund, Nicola (ein anderer Freund), meine Gastschwester Alessia, meine Gastmama und ich. Dann ging Nicola. Danach mein bester Freund.
Es hat ziemlich dolle gestürmt, geregnet und geblitzt. Wie in einem Film haben ich und mein bester Freund uns im Arm gehabt und das auch für ca. 5 Minuten.
Ich habe ihn nach draußen begleitet, weil dort sein Auto stand.
Ich aber, stand im strömenden Regen, mit Badeshorts und T-Shirt. Als mein bester Freund dann an mir vorbei gefahren ist, sagte er ein letztes Mal „bye, i love you“ und als ich das zurück sagte, stand ich einfach nur da, weinte und sah zu wie er wegfuhr.
Ich weiß, es klingt total kitschig, aber das war ein wirklich sehr schlimmer Moment für mich. Ich blieb da noch so circa 10 Minuten stehen, barfuß und habe die ganze Zeit noch weiter geheult, während die Blitze alles aufhellten und Risse durch den Himmel zogen.
Nach einer Zeit ging ich rein, ging direkt nach oben. Alle waren schon am schlafen, weil es schon 12:30 Uhr nachts war. Jedoch stand auf einmal Alessia vor mir, die mich dann erstmal in den Arm genommen hat.

Mein Abflug/ Verabschiedung
Am nächsten Morgen hat mich meine Gastschwester Destiny geweckt, sie hat sich zu mir hingelegt. Danach kam auch noch Heather herein.
Meine Gastmama, Destiny und ich sind danach dann zu CVS gefahren um ein COVID Test zu machen. Der ist nämlich bei mir nötig für meine Ausreise. Das ganze war aber auch total easy.
Anschließen sind wir frühstücken gegangen.
Dann haben wir auch sonst nur noch meinen Koffer gepackt.
Eines der schlimmsten Sachen war aber definitiv mein Zimmer wieder "aufzuräumen“. Meine Gastmama wollte zwar, dass ich ein paar Sachen da hängen lasse, aber es wäre unfair den anderen Austauschschüler gegenüber. Aber dafür hängt sie die Sachen bei sich im Zimmer auf.
Ich habe über das ganze Jahr immer mehr mein Zimmer dekoriert und auf einmal soll ich alles wieder runter nehmen? Obwohl es ja mein Zimmer ist? Ein wirklich schlimmes Gefühl.
Wir sind dann anschließend zum Flughafen gefahren.
Auch das verabschieden von unseren Haustieren war nicht so schön. Als wir die Auffahrt verlassen haben, fing ich wieder an zu weinen. Meine Gastmama hat mir aber geholfen und meine Hand gehalten. Es hat sich angefühlt als würde ich einfach mein Leben verlassen. Meine Haustiere verlassen, alles verlassen.
Auch am Flughafen selber wurde es nicht besser.
Das Verabschieden war das schlimmste von allen. Noch nicht einmal das Tschüss sagen selbst, sondern der Punkt, dass man von seiner neuen Familie weg laufen muss, in die Schlange laufen muss und dann weit weg fliegt. Ich wünschte ich könnte dieses Gefühl irgendjemandem erklären. Aber das geht nicht.
Ich glaube ich habe mich noch nie so leer in meinem Leben gefühlt, wie in diesem Moment als ich alleine am Flughafen stand und mein Flugzeug anschaute. Neben mir Austauschschüler in Gruppen die so gut gelaunt waren. Aber ich wollte einfach nur zurück.
Ich wollte meine Gastgeschwister zurück haben, meine Haustiere und meine Gasteltern. Meine Freunde, meine Schule, einfach alles.
So ein beschissenes Gefühl, dass ich fast einfach umgekehrt wäre. Das wurde auch um ehrlich zu sein bis Frankfurt nicht besser. Auch da war ich immer noch traurig und wollte zurück. Ich hätte wirklich alles gemacht um einfach wieder zurück zu fliegen .
Das schlimme daran ist, dass ich jetzt zwei Familien habe. Natürlich will ich meine deutsche Familie zurück haben, aber ich habe mich doch so wohl gefühlt.
Im generellen hat sich alles surreal angefühlt.
Zuhause angekommen war ich doch ganz froh alles wieder zu sehen. Meine Freunde und Familie in Deutschland haben mich überrascht und wir schmissen eine Party.

Wie ist es jetzt?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich anfangs so deplatziert gefühlt habe in Deutschland. Alles war anders, aber irgendwie genauso wie vorher auch.
Aber jetzt nach sechs Wochen, muss ich leider sagen, dass es immer noch so ist.
Ich bin aber auch froh wieder hier zu sein. Hier gibt es viele Dinge, die ich sehr schätze.
Es kommt auch immer auf den Tag an. Manchmal fühle ich mich sehr alleine. Gerade weil ich Einzelkind bin und meine Gastgeschwister nicht mehr sehe. Sie sind wie meine Schwestern für mich und ich vermisse sie jede Minute. So dramatisch wie das auch klingen mag, aber so sind nun mal meine Gefühle.
Ich weiß, dass bessere Zeiten kommen. Ich muss alles erst einmal verarbeiten.

Eine letzte Nachricht
Ich möchte noch einmal sagen, dass ich nicht im selbst Mitleid versinken möchte. Ich möchte lediglich euch eine realistische Erfahrung meinerseits geben.
Ich bin eigentlich kein Mensch, der wegen vielen Dingen weint, aber mein Auslandsjahr hat eine Seite an mir geöffnet, die ich selber gar nicht kannte.
Ich habe so viele Dinge an mir herausgefunden, Dinge die ich an mir mag, nicht mag, ich ändern kann, ich an mir schätze. Dinge die am Leben so schön sein können. Ich habe wunderschöne Orte gesehen, gereist, und wundervolle Menschen kennengelernt. Ich bin so dankbar für all das, was ich erleben durfte. Ich kann es gar nicht beschreiben, wie dankbar ich bin.
Ich möchte mich auch hier einmal bei meiner
Gastfamilie bedanken.
Ich weiß dass unsere Geschichte niemals ein Ende findet. Bald geht es weiter
Es war ein wahres Happy End für mich.
Und ein neuer Beginn für uns <3