Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Hannah in den USA

Meine ersten Monate - Anreise, Halloween, Thanksgiving

In dieser Reihe von Berichten werde ich euch an meinem Auslandsjahr in den USA teilhaben lassen.

Als erstes möchte ich etwas über mich erzählen und anschließend zusammenfassen, was ich bisher erlebt habe. Danach folgt mein Bericht über den November. Später werde ich für die kommenden Monate (Dezember bis wahrscheinlich Juni) weitere Berichte schreiben.

Ich heiße Hannah, bin 16 Jahre alt und komme aus einem Dorf in NRW. Zu meinen Hobbies gehören unter anderem Inline-Skater-Hockey und Posaune spielen. Ansonsten verbringe ich gerne Zeit mit meinen Freunden oder schaue Filme, höre Musik oder lese. Ich mag es auch, neue Sachen auszuprobieren.

Ich weiß nicht mehr ganz genau, wie ich auf die Idee gekommen bin, ein Auslandsjahr zu machen. Aber ich habe schon seitdem ich sehr klein war, davon geträumt, eine Zeit im Ausland zu leben. Ich denke, dass meine Eltern, die selbst einige Freunde im Ausland haben, mit denen sie in – mehr oder weniger – engem Kontakt stehen, mit daran schuld sind. Einige von ihnen kenne ich durch gegenseitige Besuche auch persönlich. Dazu kommt, dass ich in einem 1.500-Einwohner-Dorf aufgewachsen und obwohl es mir dort sehr gut gefällt, war ich schon immer neugierig auf ‚was anderes‘. Als die Schwester meiner besten Freundin dann ein Schuljahr in Irland verbracht hat, stand für mich fest: Das will ich auch!

Ich hatte zum Glück keine großen Probleme, meine Eltern zu überzeugen, dass ich das Auslandsjahr machen darf. Auf der einen Seite wollen sie natürlich nicht, dass wir uns zehn Monate nur per Video-Chat sehen. Auf der anderen Seite können sie mich aber auch verstehen, wofür ich sehr dankbar bin.

Nachdem ich letztes Jahr im Sommer meine Bewerbung bei DFSR abgegeben hatte, schien eigentlich alles perfekt zu laufen. Irgendwann Anfang Februar hatte ich alle Unterlagen zusammen und meine Bewerbung für die Gastfamilie abgeschickt. Schon wenige Tage später meldete sich eine Familie aus den USA, die wissen wollte, ob ich Eishockey für die Schulmannschaft spielen wolle. Das war für mich eine riesige Überraschung! Ich hatte nur das Classic Programm und habe es nicht wirklich für möglich gehalten, dass ich die Möglichkeit zum Eishockey-Spielen bekommen würde. Im Frühling erhielt ich dann die endgültige Zusage der Gastfamilie.

Danach ging es leider nicht so gut weiter. Mit Corona war auf einmal gar nichts mehr sicher, und seit Ende Mai ging ich von Tag zu Tag mehr davon aus, dass aus meinem Auslandsjahr nichts mehr wird, – zumindest nicht so wie geplant. Zum Glück hatte ich mich da geirrt und es wurde für mich doch möglich, ein Highschool Jahr bei meiner Gastfamilie in den USA zu verbringen.

Die letzten zwei Wochen vor meinem Abflug waren richtig stressig – zum einen, weil die amerikanischen Botschaften wegen Corona lange geschossen waren und ich zwei Tage vor dem geplanten Abflug noch kein Visum in den Händen hielt. Zum anderen, weil ich mich ja von all meinen Freunden und meiner Familie vernünftig verabschieden wollte. Aber den Stress war es definitiv wert.

Am 9. August ging es für mich dann endlich los. Wider Erwarten fiel mir der Abschied gar nicht so schwer, was wahrscheinlich daran lag, dass ich zunächst gar nicht realisiert habe, dass ich meine Freunde und meine Familie nun für einige Monate gar nicht sehen würde.

Jetzt lebe ich in einer Kleinstadt in Utah, ca. 30 Minuten von Salt Lake City entfernt. In meiner Gastfamilie sind meine Eltern und fünf Geschwister, von denen drei noch zuhause wohnen. In der Highschool spiele ich im Eishockeyteam der Schulmannschaft. Durch Corona ist es zwar etwas schwieriger, Freunde zu finden und sich mit denen dann auch zu treffen, aber es ist nicht unmöglich 😊

 Jetzt bin ich schon fast vier Monate hier und habe so Einiges erlebt, außer dem ‚normalen‘ Highschool-Leben (das für mich natürlich alles andere als normal ist),. Ich habe hier schon zwei Geburtstage mitgefeiert, eine Hochzeit besucht, bin auf einem Pumpkin-Patch gewesen und habe sehr viel schöne Natur gesehen, sowohl hier in den Bergen, als auch in Idaho bei meinem Gast-Opa.

 

Im Oktober habe ich für eine Woche bei einer anderen Familie gewohnt, da meine Gasteltern nicht zuhause waren. Das war auch ein ganz besonderes Erlebnis für mich! Da ich für diese Familie ja sozusagen nur ein einwöchiger Austauschschüler war, haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, mir alle ihre Lieblings-Restaurants, -plätze, ihre Familie etc. zu zeigen. Sie haben mich auch auf einen Ausflug in ihr Ferienhaus in der Wüste mitgenommen. Diese Woche war zwar sehr anstrengend, aber auch wunderschön.

Am 31. Oktober war Halloween. Ich selbst habe nichts unternommen, aber ich habe den ganzen Oktober über beim Dekorieren des Hauses geholfen.

Wir hatten vor dem Haus fünf oder sechs Skelette platziert und alle paar Tage ein bisschen anders dekoriert und als Highlight kam zu Halloween ein Spukschloss dazu, durch das die Trick-or-Treater hindurchgehen mussten.

Auch Dinge, die man eigentlich kennt, wie zum Beispiel ins Kino, einkaufen oder zur Kirche zu gehen, sind hier ganz anders.

Der November war leider nicht ganz so aufregend, da die Coronafälle ziemich stark anstiegen. Als erstes wurde der Highschool Sport für zwei Wochen gestrichen und anschließend war die Schule für zwei Wochen geschlossen. Außerdem bin ich in Kontakt mit jemandem gekommen, der Corona hatte, sodass ich mich für zwei Wochen in Quarantäne begeben musste. Ich konnte mich zwar nicht mit Freunden treffen, aber die Zeit ging mit meiner Gastfamilie trotzdem schnell um.

Dennoch habe ich im November noch Einiges erlebt. Zum einen fanden die Präsidentschafts-Wahlen statt, die ich allerdings gar nicht so aufregend wahrgenommen hab, wie ich sie erwartet hatte. Es lief zwar ganz anders ab als in Deutschland, aber ich hatte mir die Stimmung der Anhänger der beiden Parteien deutlich geladener vorgestellt. Zwar hat man hier bei etlichen Leuten eindeutig gesehen, wen sie unterstützen, aber ich habe es nicht so extrem wahrgenommen, wie ich es nach den Nachrichten nach der Wahl 2016 erwartet hatte. Das kann natürlich an verschiede Gründen haben, zum Beispiel, dass die Demokraten einen anderen Kandidaten haben, an der Region, in der ich lebe oder auch an Corona.

Ein trauriges Ereignis war die Beerdigung meiner Gast-Oma, die ich nur flüchtig kannte. So waren die Trauerfeier und die Bestattung eher ein besonderes Erlebnis für mich, da sie sich deutlich von denen unterschieden, die ich von Deutschland aus kannte.

Eines Tages überraschte mich meine Gastfamilie mit einem Ausflug in eine “ Build-a-Bear”-Filiale, wo wir uns selbst Teddybären gestaltet haben. Diese Aktion hat richtig Spaß gemacht. Ich habe meinen Harry-Potter-Bär in einer Hufflepuff-Uniform gekleidet.

Kurz nach der Präsidentschaftwahl hat mich ein lokaler Radiosender (in Deutschland) zu den Wahlen interviewt. Das Interview wurde zweimal in der Morgensendung ausgestrahlt. Viele meiner Freunde und Bekannte haben es gehört und anschließend per Whats-App oder E-Mail weitere Einzelheiten zu meinem Highschool-Jahr wissen wollen.

Schließlich habe ich noch einem meiner Geschwister beim Umzug geholfen.

Absolutes Highlight im November ist natürlich Thanksgiving. Eine große Familienfeier konnte es dieses Jahr leider nicht geben, aber ich hatte dennoch ein wunderschönes erstes Thanksgiving. Den Morgen haben meine Gastmutter und ich damit verbracht, Unmengen an Essen zuzubereiten, während wir die große Thanksgiving Parade geguckt haben. Zum Essen kamen dann alle Geschwister und der Freund einer meiner Gastschwestern. Der Rest des Tages wurde mit Essen, Film gucken und noch mehr Essen verbracht. 

Insgesamt hatte ich einen sehr schönen November auch, wenn ich nicht so viel erlebt habe wie in den Monaten davor.