Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Emily in den USA

Meine ersten Wochen in den USA

Hier sitze ich also, in meinem Zimmer in den USA bei meiner Gastfamilie.

Das hätte ich mir, um ehrlich zu sein, niemals vorstellen können. Zuerst hatte ich Angst, dass ich nicht alle Bedingungen für ein Auslandsjahr erfülle und war mich unsicher, ob ich trotz Pandemie, einen Auslandsaufenthalt machen kann. Durch die Programmzusage verflog die Angst logischerweise relativ schnell, doch trotz Bestätigung, dass mein Auslandsjahr mit des Coronavirus stattfinden wird, wurde mir gesagt, dass der Virus unberechenbar ist, so dass ich auf alles gefasst sein sollte.

Nun bin ich aber in den USA, um genauer zu sein in Missouri bei St. Louis.

Was bei mir alles passiert und wie ich mein Auslandsjahr erlebe möchte ich in diesem Blog gerne mit euch teilen.

Mein ganzes Abenteuer begann im Februar, eigentlich sogar im Frühling 2019 als ich das erste Mal den Gedanken an ein Auslandsjahr hatte, aber Februar 2020 machte es für mich erst richtig real. In diesem Monat bekam ich nämlich meine Gastfamilie. Nachdem ich die Familie kontaktiert habe, haben wir viele Briefe über Mails hin und her geschickt und uns von Anfang an sehr gut verstanden. Ich hatte so ein Glück, dass ich meine Gastfamilie schon so früh bekommen habe. Aber Corona hatte andere Pläne:

Am dritten Juli bekam ich den Anruf, dass meine Highschool keine Austauschschüler mehr annimmt und meine Gastfamilie somit sozusagen nicht mehr meine Gastfamilie ist. Nun gab es verschiedene Möglichkeiten. Beispielsweise eine neue Gastfamilie oder sogar ein neues Gastland, ein halbes Jahr oder ein ganzes Jahr, welches im Sommer 2021 beginnen würde.

Nachdem wir alle Möglichkeiten diskutiert haben, haben meine Eltern und ich zusammen entschieden, dass es das beste ist, wenn eine neue Gastfamilie für mich gesucht wird. Und so ging es wieder los. Da waren wieder das Warten und die Ungewissheit. Zumal jetzt auch die Sorge dazu kam, ob sich trotz Corona eine Gastfamilie findet.

Ich habe mir viele Gedanken gemacht und kann mir vorstellen, dass vor allem in Zeiten von Corona viele an einem Auslandsjahr zweifeln oder denken, dass das eh nichts mehr wird, aber lasst mich euch eins sagen: Glaubt weiter daran. Gebt niemals die Hoffnung auf. Denn obwohl wir gerade mitten in einer Pandemie stecken, hat es bei mir und vielen anderen geklappt und das wird es bei euch auch!

Denn keinen Monat später, am 28. Juli, bekam ich die ersehnte Mail. Eine neue Gastfamilie wurde für mich gefunden. Ich verbrachte die nächsten Stunden damit, alles über mein neues Placement herauszufinden, zum Beispiel, wie viele Einwohner der Ort hat, wie meine Schule bewertet ist und noch vieles mehr.

Ich habe eine Gastmutter und einen Gastvater. Sie haben viele Kinder, die aber alle schon erwachsen und schon ausgezogen sind. Mein Zimmer teile ich mir mit einer Austauschschülerin aus Italien.

Meine Gasteltern leben in einem schönen kleinen Haus in einem 2000-Einwohner-Dorf direkt an einem Wald und nicht weit von einem See entfernt. Es ist sehr bergig in der Gegend, was dazu führt, dass man sowohl im Erdgeschoss als auch im Keller nach draußen gehen kann.

 

Läden gibt es keine dort. Um einzukaufen muss man erst mal ungefähr eine halbe Stunde fahren. Man kann also eigentlich (abgesehen von Schwimmen im See) nichts in meinem Ort machen.

Ich habe noch am gleichen Tag meine Gastfamilie kontaktiert und wir haben ein paar Mails hin und her geschickt, in denen mir schon versprochen wurde, dass es trotz der wenigen Möglichkeiten, die der Ort bietet, sehr viel zu erleben gibt.

Einen Tag später bekam ich die Mail, dass ich am 12.08.2020 fliegen sollte.Ich hatte also nur noch zwei Wochen in Deutschland, in denen ich noch viel zu erledigen hatte.

Dann war es so weit. Der 12. August war da. Ich musste sehr früh aufstehen, da mein Flieger um 07:00 Uhr morgens startete um mich von Hamburg nach Frankfurt zu bringen. Ich packte morgens nur noch die letzten Sachen zusammen und setzte mich mit meinen Eltern ins Auto. Dann fuhren wir zum Flughafen.

Am Flughafen angekommen gab ich mein Gepäck auf und kurz darauf musste ich mich schon von meinen Eltern verabschieden. Der Abschied war relativ unkompliziert. Ich umarmte meine Eltern ein letztes Mal und ging durch die Kontrolle. Ab da war ich auf mich allein gestellt und ging zu meinem Gate. Keine fünf Minuten später wurden auch schon die Gruppen aufgerufen, welche das Flugzeug betreten durften.

 

Wenige Minuten später saß ich auf meinem Platz. Ich wusste es zwar, dass ich sowohl  meine Freunde als auch meine Familie nun für 10 Monate nicht sehen würde, aber es fühlte sich keineswegs so an. Es fühlte sich eher an, als würde ich in den Urlaub fliegen.

Nach ungefähr einer Stunde Flug war ich in Frankfurt. Da der Flughafen so groß ist hatte ich ein wenig Angst davor, mich zu verlaufen, aber es klappte alles einwandfrei. Ich setzte mich an mein Gate und wartete.

Solltet ihr Angst davor haben, euch beim Umsteigen zu verlaufen: Die Angst kann ich euch nehmen. Es ist eigentlich alles sehr gut ausgeschildert und solltet ihr trotzdem irgendwelche Probleme haben, könnt ihr einfach jemanden um Rat fragen.

Bald saß ich im Flugzeug nach Chicago. Ich hatte alle drei Plätze für mich, was mir sehr gefiel. Die meiste Zeit des Flugs verbrachte ich damit, Serien zu schauen und es kam mir gar nicht vor, als wären wir acht Stunden unterwegs, da landeten wir auch schon wieder. Ich schaute aus dem Fenster und sah die vielen geordneten Straßen mit Häusern, wie man es aus sämtlichen Highschool-Filmen kennt. Es war kaum zu glauben, dass ich jetzt wirklich in den USA war.

 

Am Flughafen klappte alles super gut und nach gar nicht allzu langer Zeit war ich beim nächsten Terminal. Dort vertrieb ich mir mit zwei anderen Austauschschülern die Zeit bis zu meinem nächsten Flug.

Ein paar Stunden später saß ich im Flugzeug von Chicago nach St. Louis. Es war ein relativ kleines Flugzeug und es gab nur zwei Sitze auf jeder Seite. Auch auf diesem Flug hatte ich alle Plätze meiner Reihe für mich. Nach etwa einer Stunde landete ich in St. Louis.

Als ich aus dem Flieger kam, sah ich noch bevor ich mein Gepäck abholen konnte meine Gastfamilie auf mich warten. Sowohl meine Gastfamilie als auch meine Koordinatorin standen dort mit einem selbst gestalteten Plakat. 

 

Gehalten wurde das Plakat von einem kleinen Mädchen. Meine Gasteltern hatten zur Zeit meiner Ankunft nämlich zwei Pflegekinder, ein 5-jähriges Mädchen und einen 4-jährigen Jungen. Die beiden hatten sich riesig über meine Ankunft gefreut. Wir machten ein Foto vor dem „Welcome to St. Louis“ Schild und gingen zum Gepäckband. Als ich mein Gepäck hatte, gingen wir zum Aufzug, der uns zum Parkplatz brachte.

Dann fuhren wir los. Ich war zu dem Zeitpunkt knapp 24 Stunden wach und hatte die Nacht vor meinem Abflug keine fünf Stunden geschlafen, aber es war alles viel zu interessant, sodass ich mich immer noch wach fühlte. Wir hielten bei Cracker Barrel, um etwas zu essen. Als wir aufgegessen hatten und zurück zum Auto gingen, war es stockdunkel und langsam merkte ich, wie ich müde wurde. Vor allem als meine Gastgeschwister mich nicht mehr mit Fragen löcherten, konnte ich die Augen kaum noch offen halten.

Etwa eine Dreiviertelstunde später hielten wir bei meinem neuen Zuhause. Nachdem ich meinen Koffer in mein neues Zimmer gebracht hatte, bekam ich eine Tour durchs Haus. Danach blieb ich für ein paar Minuten im Wohnzimmer, aber ging sehr bald ins Bett, da ich sehr viel Schlaf nachzuholen hatte.

In den ersten paar Wochen passierte viel. Da ich nach genauer Absprache nicht in Quarantäne musste, hatte ich in den ersten Wochen schon viel erleben können. Wir sind mehrere Stunden in den Süden von Missouri nach Branson gefahren, wo wir zwei Nächte lang blieben.  

Viel habe ich in den ersten Wochen sonst nicht gemacht. Wir sind zu Walmart gefahren und haben mehrere andere Austauschschüler vom Flughafen abgeholt, da meine Gastmutter auch eine Koordinatorin ist und deshalb immer mit am Flughafen sein muss. Ich habe schon einige Kinder meiner Gasteltern kennengelernt. Die jüngste Tochter hat auch zwei Austauschschülerinnen, eine aus Schweden und eine aus Deutschland.

Schon bald war mein erster Schultag da. Zur Schule fahre ich in einem der typischen gelben Schulbusse. Meinen Stundenplan hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, weshalb ich erst mal ins Büro gegangen bin, um mir meine Kurse auszusuchen. Meine Schulfächer sind Band (ich lerne hier Posaune zu spielen), World History, Ceramics, Algebra, Chemie, English und FACS (Family and Consumer Science).

Mein Schultag beginnt um 07:35 und endet um 15:15. Ich bin also relativ lange in der Schule, aber da mir die meisten Fächer (eigentlich alle bis auf Chemie) sehr viel Spaß machen, kommt es einem nicht so lange vor, wie es wirklich ist. Außerdem ist ein so langer Schultag akzeptabel, da ich nur von Dienstag bis Freitag Unterricht habe.

Sport mache ich in dieser Saison keinen, da der einzige Sport in der Sommersaison Volleyball ist und ich darin nicht sonderlich begabt bin. Allerdings fängt im November die Basketballsaison an, wo ich auf jeden Fall mitmachen möchte.

Die erste Schulwoche ging schnell vorbei und es war Freitag. An diesem Freitag hatten wir ein Football-Heimspiel, das heißt ich hatte meinen ersten Band-Auftritt. Es war der dritte Tag, an dem ich Posaune spielte und für die Verhältnisse habe ich mich gar nicht so schlecht geschlagen.

Am darauffolgenden Samstag, den 29. August, haben wir meine italienische Gastschwester vom Flughafen abgeholt. Auch mit ihr haben wir bei Cracker Barrel gegessen. Es war alles genauso wie bei meiner Ankunft, da wir beide zur genau gleichen Uhrzeit gelandet sind. Der Abend lief eigentlich genauso wie mein erster Abend. Wir haben noch ganz kurz etwas kleines gegessen und sind dann in unser Zimmer gegangen.

 

Die nächsten Tage haben wir es locker angehen lassen und uns einen schönen Sofa-Sonntag und einen entspannten Montag gemacht, damit wir für die Schule am Dienstag gut ausgeruht sind.

Das war nun meine erste Zeit in den USA. Ich hoffe, ich konnte euch meine bisherigen Erfahrungen etwas näher bringen und freue mich schon, euch weiterhin viel aus meinem Auslandsjahr zu berichten.