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Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Stella in Oklahoma

Am liebsten wollte ich die Zeit anhalten

Ich möchte gar nicht erst daran denken, dass ich jetzt schon wieder zurück in Deutschland bin und meine Zeit in Oklahoma vorbei ist. Der zehnmonatige Auslandsaufenthalt, den man vor der Abreise unglaublich lang empfunden hatte, ist jetzt vorüber und es ging rasend schnell. In meinem letzten Monat habe ich versucht, noch einmal vieles zu erleben und Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Ich wurde immer trauriger, wenn ich daran dachte, dass nun schon wieder ein Tag oder eine Woche vergangen war. Denn das bedeutete, dass meine verbleibende Zeit immer weniger wurde und sich dem Ende zuneigte. Am liebsten wollte ich die Zeit anhalten. Natürlich habe ich mich auch riesig gefreut, meine Eltern wiederzusehen und zurück in „mein gewohntes, altes Leben“ zu kommen, jedoch die Gedanken, dass alles mehr oder weniger das letzte sein wird, machte mich nicht wirklich glücklich. Trotzdem habe ich meine letzten Wochen genossen und das Beste daraus gemacht.

Anfang des Monats war ich mit meinen Gastschwestern und Freunden bei einigen Fußballspielen von unseren Jungs. Sie haben die Saison über alle Spiele gewonnen und sind somit zu den „Playoffs“ gekommen. Das hatte zuvor noch nie eine Mannschaft unserer Schule im Fußball geschafft. Obwohl die Spiele teilweise mehrere Stunden entfernt waren, haben wir uns diese besonderen Erlebnisse nicht entgehen lassen. Es war einfach klasse, wie bei allen Spielen so viele Zuschauer waren und angefeuert haben. Dieser Teamgeist in Amerika ist etwas ganz Besonderes und Tolles. Der Zuschauerblock von Stillwater hat sich sogar immer in derselben Farbe gekleidet, sodass man sich noch viel mehr als eine gemeinsame Einheit gefühlt hat.

Am ersten Wochenende bin ich in der 800m-Staffel bei den Leichtathletik-Regionals mitgelaufen. Ein Mädchen im Team hat sich kurz vorher verletzt und konnte somit bei dem wichtigsten Wettkampf der Saison nicht mitlaufen. Obwohl ich das ganze Halbjahr Fußball gespielt habe, wurde ich dann kurzfristig gefragt, ob ich Lust hätte, einzuspringen. Ich war mir erst nicht so sicher, ob ich das konditionell schaffen würde, doch hängen lassen wollte ich das Team natürlich auch nicht. Meine ältere Gastschwester war sogar auch Teil der Staffel. Das hat mich umso mehr motiviert, mitzulaufen. Nach nur wenigen Trainingseinheiten und einiger Nervosität haben wir uns für die „State“ qualifiziert. Das war super.



Am nächsten Tag habe ich nach dem Gottesdienst deutsches Essen für meine Familie gekocht. Es gab Schnitzel, Bratkartoffeln und Salat. Meine Gastfamilie hat sich sehr gefreut, dass ich für sie ein - für mich einheimisches - Essen vorbereitet habe. Als Nachtisch gab es noch warmen Apfelstrudel mit Vanilleeis und es hat uns allen gut geschmeckt. Anschließend sind wir noch zu einer Abschiedsfeier gegangen, die meine Koordinatorin geplant hatte. Dort haben wir uns ein letztes Mal mit allen Austauschschülern getroffen und uns verabschiedet.


Das Soccer Banquet war auch sehr schön. Es ist wie eine Feier am Ende der Saison und eine Verabschiedung der Seniors (12. Klasse). Jeder macht sich schick und man hat ein gemeinsames Abendessen. Auch die Jungs waren dabei und es gab ein Jahresrückblick. Mein Trainer hat auch über jeden Spieler eine kleine persönliche Rede gehalten. Für die Austauschschüler (ein Mädchen aus Norwegen und ich) hatte er sogar noch etwas Besonderes geplant. Das war ziemlich emotional und wir beide haben angefangen zu weinen. Es war so schwer für uns, daran zu glauben, dass es nur noch wenige Tage sind, bevor es wieder zurückgeht. Auch wenn wir mit diesem Team nicht viel erreicht haben, sind wir sehr zusammengewachsen und haben eine tolle Saison erlebt.

Kurz bevor die Schule dann auch vorbei war, durften alle Seniors/Austauschschüler am Senior Walk teilnehmen. Wir hatten alle unsere „caps and gowns“ an und sind zu den Grundschulen im Ort gefahren. Die kleinen und jungen Schüler standen in den hallways und haben uns zugejubelt, beglückwünscht und angefeuert. Sie waren so glücklich und haben sich mit uns gefreut. Obwohl ich in Stillwater ja gar nicht zur Grundschule gegangen bin, war es selbst für mich ein besonderes Erlebnis.

Am Wochenende bevor meine Eltern kamen, habe ich mich ein letztes Mal mit meiner engsten Freundesgruppe getroffen. Wir waren an einem schönen See im Ort Kanufahren. Es war sehr warm und schönes Wetter. Wir sind auch öfters mal ins Wasser gesprungen und haben uns abgekühlt. Danach waren wir bei einem „snowcone“ Laden und haben leckeres und erfrischende Eis gegessen (Snowcone ist ein Mix aus Slush Eis und normaler Eiscreme). Anschließend sind wir alle gemeinsam zu dem Finalspiel unserer Jungs gefahren. Es war ein tolles Spiel und es war gefühlt der halbe Ort in der Zuschauertribüne. Alle waren in blau. Leider haben sie im Elfmeterschießen verloren. Das war etwas ärgerlich, da es so knapp war, aber auch nicht schlimm. Alle waren so stolz, dass sie es so weit geschafft haben. Das war einmalig. Dann haben wir den Geburtstag einer meiner besten Freundinnen in Oklahoma gefeiert. Zuerst waren wir Bowlingspielen, anschließend wieder Eis essen und zuletzt auf dem Gelände der Universität, wo wir herumgelaufen sind, gespielt haben und einfach zusammen Zeit verbracht haben. Danach haben meine Gastschwester und ich sogar noch bei ihr übernachtet. Das Witzige ist, dass meine „alte“ japanische Gastschwester bei meiner vorherigen Gastfamilie auch gewechselt ist und zu dieser Freundin umgezogen ist. Am nächsten Morgen war mein letzter Kirchengottesdienst. Davor war nicht wie gewohnt „sunday school“, sondern „senior blessing“. Eltern haben ihren Kindern, die jetzt aus dem Haus gehen und studieren gehen, ein Blessing gegeben. Das war auch sehr emotional und teilweise sind mir sogar die Tränen gelaufen. Nach der Kirche waren wir zusammen mit der Familie an einem großen See, etwa eine halbe Stunde entfernt, campen. Wir haben wieder den riesigen Campingwohnwagen mitgenommen und haben es uns gemütlich gemacht. Auch hier waren wir schwimmen, Kanufahren, fischen, haben uns gesonnt und noch vieles mehr.


Nun waren es nur noch drei Tage bis meine Eltern kamen. Meine Vorfreude war unglaublich groß, aber ich konnte es einfach gar nicht glauben. Die letzten drei Schultage gingen vorbei wie im Flug und das Abschiednehmen hat gar nicht mehr aufgehört. Es gab eine Student-Council Abschiedsfeier am Montagabend und am Dienstag, den 23.Mai war schon der letzte Schultag. Abends waren wir bei Joshuas Baseballspiel und als ich am nächsten Morgen aufwachte, waren meine Eltern schon im Flieger. Nachmittags gab es noch eine Abschiedsfeier der Kirche und als ich zurückgekommen bin, waren es weniger als 10 Minuten und meine Eltern sind auf das Haus zugefahren. Ich habe mich hinter einem anderen Auto versteckt und sobald sie aus dem Auto gestiegen sind, habe ich angefangen zu weinen und bin auf sie zu gerannt. Bis zu diesem Moment hatte ich vorher, glaube ich, nie realisiert, dass ich meine Eltern nach zehn Monaten wiedersehen werde. Es war ein unglaubliches und unbeschreibliches Gefühl. Wir haben alle gemeinsam den Abend schön verbracht und meine Eltern haben meine ganze Gastfamilie erst einmal kennengelernt. Am nächsten Morgen habe ich mich noch kurz mit einer Freundin getroffen, um ihr Tschüss zu sagen. Danach war ich ein bisschen mit meinen Eltern alleine unterwegs und habe ihnen meine Schule und andere Dinge im Ort gezeigt. Es hat sich einfach so unreal gefühlt, mit meinen Eltern auf einmal durch den Ort zu fahren, in dem ich zehn Monate gelebt habe. Nachmittags hatte ich mit meiner älteren Gastschwester zusammen eine Abschlussfeier. Für mich war es eher eine „going-away“ und für meine Gastschwester eine Graduationparty. Alle meine Freunde, Bekannte und Trainer kamen ein letztes Mal und haben sich verabschiedet. Das war wirklich traurig und emotional. Trotzdem war es schön, alle nochmal gesehen zu haben. Auch für meine Eltern war es schön, alle Menschen zu treffen, die ich in diesem Jahr kennengelernt habe. Am nächsten Tag hatten wir morgens Graduation practice, wo wir für die kommende Veranstaltung geprobt haben. Anschließend war ich mit meiner Gastschwester noch zu einer weiteren Graduationparty.


Als wir wieder zuhause waren, musste ich leider anfangen zu packen. Das hat fast den ganzen Tag gedauert. Ich hatte so viele Sachen, die ich einpacken und verstauen musste. Das hat gar nicht alles reingepasst und ich musste trotz zwei Koffern einiges dalassen. Nachdem ich mehrere, anstrengende Stunden damit verbracht hatte, war auch schon Graduation. Das ist die Abschlussfeier der Seniors, wo alle „caps and gowns“ tragen. Es war eine schöne Zeremonie und auch diesmal gab es etwas Besonderes für die Austauschschüler. Wir alle wurden vorne auf der Bühne einzeln vorgestellt und haben gesagt, wie wir heißen und wo wir herkommen. Anschließend gab es fast die ganze Nacht lang noch eine Feier nur für die Schüler. Da habe ich sogar eine Fitbit gewonnen. Am nächsten Morgen war es dann leider soweit und wir mussten uns auf dem Weg zum Flughafen machen. Der Großteil meiner Gastfamilie ist mit zum Flughafen gefahren, doch von drei meiner Gastgeschwister musste ich mich schon morgens verabschieden.

Auf der Fahrt zum Flughafen wusste ich gar nicht, woran ich denken oder an was ich glauben sollte. Doch eines war klar für mich: Ich hatte wahrscheinlich die besten zehn Monaten in meinem bisherigen Leben. Auch wenn es in wenigen Minuten Abschied für mich hieß, wusste ich, dass mir niemand diese schöne Zeit mehr nehmen kann und, dass ich es nie mehr vergessen werde. Es waren unzählige, unglaubliche Erlebnisse, an die ich mich mein ganzes Leben erinnern werde. Und auch wenn sich zehn Monate am Anfang wirklich ewig lang anhören oder anfühlen, wirst du es keinen Tag bereuen, dich für den längeren Zeitraum entschieden zu haben. Ich kann ein Auslandsjahr wirklich nur empfehlen und würde jeden, der mich fragt, dazu raten, auch so etwas zu wagen. Alle Ängste, die ich zuvor hatte, waren im Nachhinein völlig unnötig. Ich sehe wirklich überhaupt keinen Nachteil, sich für einen Aufenthalt im Ausland zu entscheiden. Lasst euch diese Möglichkeit nicht entgehen! Wenn ihr euch dafür entscheidet, würde ich euch empfehlen so viele Sportarten, Clubs oder Freizeitaktivitäten wie möglich zu machen, da man so noch einmal viel mehr Leute kennenlernen kann, was besonders am Anfang des Austausches auf keinen Fall verkehrt sein kann. Lasst euch anfangs auch nicht von dem regelmäßigen Kirchenbesuch abschrecken! Die Kirche dort hat nämlich mein Leben verändert. Get involved and have fun!