Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Johanna in Spanien

Abschied

Am 9. Juni sollte meine Gastschwester gehen (circa zweieinhalb Wochen vor mir) und so langsam merkte ich, wie sich auch mein Aufenthalt dem Ende zuneigte. Eigentlich konnte ich es mir gar nicht vorstellen wieder nach Hause zu fahren, weil mir mein zu Hause mittlerweile so weit weg vorkam. Es war schon merkwürdig zu sehen, wie Emma ihre Koffer packte und kaum noch zu Hause war, um sich von so vielen Leuten zu verabschieden, die sie in der Zeit liebgewonnen hatte. Ich selber hatte eine sehr schöne Zeit, in den letzten Tagen bevor sie ging, ich bin nämlich nach Portugal gefahren. Die Gastfamilie der Austauschschülerin, mit der ich hergekommen war, hatte mich eingeladen, mit ihnen für 3 Tage in den Urlaub zu fahren und somit machten wir uns auf den Weg nach Armação de Pêra. Ich würde sagen, dass wir die Zeit sehr genossen haben, es war sehr merkwürdig, ein zweites Mal in ein Land zu kommen, in dem man die Sprache nicht spricht und dann darauf angewiesen zu sein, sich mit Händen und Füßen zu verständigen, doch die Leute dort waren total lieb und gastfreundlich und es hat viel Spaß gemacht, sich mit ihnen zu unterhalten. Wir waren viel am Strand, haben eine Bootstour gemacht, andere Städte besucht, das typisch portugiesische Fladenbrot probiert und vieles mehr. Im Nachhinein war der Trip glaube ich das Highlight meines Auslandsjahres und die Zeit ging viel zu schnell herum. Nachdem wir dann wieder zurück waren, war es für Emma nun keine Woche mehr, bis sie wegfuhr, sondern nur noch zwei Tage und sie war damit beschäftigt, ihre gesamten Sachen auszusortieren und einzupacken. Den letzten Tag verbrachten wir dann als Gastfamilie und gingen noch einmal ganz traditionell in eine Bar, um dort abend zu essen. 

Der Tag ihrer Abreise war irgendwie merkwürdig, wir fuhren zum Flughafen und ich wartete mit ihr dort einige Stunden, meine Gastmutter musste arbeiten und konnte leider nicht so lange dort bleiben, sodass sie den nächsten Bus nach Hause nahm. Es war ein komisches Gefühl, alleine nach Hause zu fahren und diese Nacht mir das Zimmer nicht mehr teilen zu müssen. Obwohl ich es nicht erwartet hatte, gewöhnte ich mich jedoch relativ schnell daran und führte meinen Alltag ganz normal weiter. Ich ging ins Kino, zum Tanzen, zu einer Flamenco Vorstellung, nochmal in die Schule und nochmal zum Tanzen.

Die Zeit flog regelrecht dahin, ich war oft abends in Sevilla und habe in der Stadt die Fußballspiele verfolgt, die gesamte Stadt war im Fußballfieber wegen der EM. Kaum hatte ich mich versehen, war schon die letzte Woche da und ich rief das letzte Mal meine Familie an. Ich konnte es selbst kaum glauben, aber ich freute mich total, sie das letzte Mal angerufen zu haben. In den letzten fünf Tagen vor meiner Abreise musste ich auch langsam mal anfangen, meinen Koffer zu packen. Die meisten Sachen waren schon sortiert eingepackt (zum Beispiel die Winterklamotten),  doch mein Zimmer war noch komplett eingerichtet. Ich hatte jedoch gar nicht allzu viel Freizeit, da ich am Montag meinen letzten Schultag hatte, der sehr schön war. Am Dienstag war mein Tanzauftritt, Am Mittwoch habe ich mich zum letzten Mal mit einer spanischen Freundin getroffen und am Donnerstag war abends mit meiner Klasse essen.

Morgens bin ich zum Flughafen gefahren um den PCR Test für meinen Rückflug zu machen und es war sehr ungewohnt, ein zweites Mal zum Flughafen zu fahren, wissend, dass ich hier nächstes Mal nicht wieder zurückfahren würde. So schnell verging die Zeit und schon stand mir der letzte Tag bevor. Ich hatte gemerkt, dass mir noch die Geschenke für meine Familie fehlten und somit zog ich nach dem Frühstück los, um sie zu kaufen. Mittags war ich wieder da und nachdem wir Mittag gegessen hatten, gibt es auch schon los nach Sevilla. Ich hatte geplant, den letzten Tag mit meiner Gastmutter zu verbringen, ins Museum zu gehen und später gemeinsam abend zu essen. Eine Freundin von ihr kam auch noch dazu und zu dritt verbrachten wir einen tollen letzten Tag.  Als wir abends um 12 nach Hause kamen, fiel mir auf, dass der Großteil meiner Sachen noch nicht eingepackt war und somit fing ich früh morgens an, meine zwei Koffer zu packen. Es mussten die Fotos von der Wand genommen werden, die Zahnbürste eingepackt, die Gast und Abschiedsgeschenke verstaut usw. Tatsächlich brauchte ich knappe vier Stunden, bis alles komplett fertig war, weshalb ich dann schließlich um halb fünf Uhr morgens ins Bett gehen konnte. Zwei Stunden später musste ich schon aufstehen. Ich bin dann früh morgens mit meiner Gastmutter frühstücken gegangen und von da aus direkt zum Flughafen gefahren. Die Verabschiedung ging relativ schnell und war auch gar nicht wirklich traurig, worüber ich echt froh bin.

Es ist ein sehr komisches Gefühl, nach einem Jahr sich zum letzten Mal in den Bus zu setzen mit dem Wissen, dass es das letzte Mal sein wird. Ich hatte so oft darüber nachgedacht, wie der Moment sein würde und als er dann tatsächlich kam, konnte ich es irgendwie gar nicht realisieren. Umso größer war die Freude allerdings, meine Familie abends wieder zu sehen. Ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben, aber ich war einfach so glücklich wieder zu Hause zu sein und habe alles umso mehr wertgeschätzt. Ich muss sagen, meine Wiederkehr war der schönste Tag meines Lebens und so werde ich ihn auch immer in Erinnerung behalten. 

Es sind inzwischen einige Wochen vergangen aber ich hatte mich schon in den ersten Tagen wieder eingelebt. Ich bereue überhaupt nicht, das Auslandsjahr gemacht zu haben und habe viele unvergessliche Momente erlebt. Ich kann immernoch nicht wirklich fassen, dass schon alles vorbei ist und die Zeit wird mich wohl noch lange verfolgen. 

Johanna