Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Nantke in Spanien

Andalusischer Novemberwahnsinn

Kaum kamen die ersten Novembertage angerollt, fing das Wetter hier im sonst so sonnigen Spanien an, verrückt zu spielen. An einigen Tagen war es morgens so kühl, dass sogar ich, die das nasskalte, norddeutsche Wetter ja gewöhnt ist, in Mantel und Schal zur Schule gehen musste. Nachmittags allerdings, auf dem Rückweg, fühlte es sich wieder ganz und gar wie Sommer an und auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause geriet ich ordentlich ins Schwitzen, sogar nachdem ich meine Kleiderlagen bis auf Shirt und Hose runtergeschält hatte. Eines Freitagnachmittags regnete es so heftig, dass wir – ein Schulkamerad und ich auf der Suche nach einem trockenen Plätzchen – in Cádiz’ Innenstadt durch Strassen waten mussten, während uns das Wasser bis über die Knie ging. Zwei Tage später war es wieder warm genug, um im Atlantik schwimmen zu gehen. Erst Ende des Monats kündigte sich endlich mehr oder weniger der Winter an.

November brachte nicht nur wahnsinnige Wetterschwingungen mit sich, sondern auch eine ganze Lawine an Klausuren und Schulaufgaben. Zum ersten Mal konnte ich erkennen, wie viel Zeit und Mühe die spanischen Schüler tatsächlich ins Lernen stecken, obwohl das andalusische Schulsystem leider ganz klar nicht mit dem der deutschen oder dänischen Schulen mithalten kann. Viele junge Leute hier mussten Kurse wiederholen, aber trotzdem ist es sichtbar, dass die meisten die letzten zwei Schuljahre hier sehr ernst nehmen.

Als würden die Lehrer Mitleid mit uns Schülern verspüren, veranstalteten sie diesen Monat jede Menge Exkursionen mit der Klasse. So ging es gleich zwei Tage hintereinander nach Jerez, einer Stadt um die 30 Km von Cádiz entfernt. Zuerst mit der Lateinklasse um dort das “Centro Andaluz De Flamenco Junta De Andalucía” und das “Museo Arqueológico” zu besuchen, was sehr interessant war, trotz der Tatsache, dass ich immer noch nicht alles verstehen konnte, was gesagt wurde. Am Tag darauf gingen wir mit dem ganzen Jahrgang ins dortige Theater und eine Woche danach mit der Ökonomieklasse zu einem Vortrag in Cádiz über das Thema “Design Thinking”.

All dies nahm meine Zeit so sehr in Anspruch, dass ich beinahe den kompletten Monat überstand, ohne unter Heimweh leiden zu müssen. Beinahe sage ich, denn selbst ein überladener Stundenplan macht einen ja nicht immun dagegen, die Vertrautheit von Familie, Freunden und problemlosen, unmissverstandenen Konversationen zu vermissen. Es machte mich besonders fertig, dass ich immer noch so große Probleme mit der Sprache hatte, obwohl ich mich mittlerweile schon seit mehr als drei Monaten in Spanien befand. Doch heiße Schokolade und ein gutes  Buch wirken bei jeder Situation Wunder! Schnell wurde mir bewusst, dass der beste und schnellste Weg, um diese Selbstzweifel loszuwerden darin bestand, sich in Arbeit zu stürzen. Was für mich hieß, spanische Bücher zu lesen, spanische Videos zu schauen, spanische Musik zu hören und mich insgesamt einfach komplett mit der spanischen Sprache und Kultur zu umgeben.

Der Höhepunkt des Monats war definitiv mein Tagesausflug nach Sevilla. Dort traf ich mich mit zwei Freundinnen aus Finnland und Brasilien, die ich vom Sprachkurs in Madrid her kannte, um mit ihnen die Stadt zu erkunden. Sevillas “Plaza de Espana” – Ihr kennt ihn vielleicht auch als Drehort für Königin Amidalas Palast auf dem Planeten Naboo in Star Wars – ist ein wahrer Hingucker.  Doch die Burg im Zentrum der Stadt, Real Alcázar de Sevilla, stellte alles Weitere in den Schatten. Von außen wirkt sie weder besonders groß noch majestätisch, doch sobald man über die Schwelle tritt, ist es als mache man einen Sprung in eine andere Dimension. Säulen und Statuen, Springbrunnen, gewölbte, reichlich verzierte Decken und prächtige Gärten verwandeln das Innere der Burg in eine Fantasy-Kulisse. Es ist wahrlich kein Wunder, dass der Ort für Dreharbeiten der Serie Game of Thrones genutzt wurde und wäre es nach mir gegangen, hätten wir den ganzen Tag dort verbracht. Sevilla, ein Muss für jeden Serien- und Filmliebhaber!

Ich bin schon ganz gespannt, wie der Dezember hier wohl sein mag, ganz ohne Eis und Matschschnee und mit völlig anderen Weihnachtstraditionen. Meine mormonische Gastfamilie ist jedenfalls schon total in Festtagsstimmung  - und die Laune ist irgendwie ansteckend! İHasta luego!

Nantke berichtet über ihr Auslandsjahr in Spanien. Hast du auch Lust auf einen Auslandsaufenthalt in Spanien? Wir beraten dich gerne!

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