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Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Vanessa in Norwegen

Schulalltag in Norwegen

Schulalltag in Norwegen - technisch und entspannt

Ich hätte nie erwartet, wie aufgeregt ich vor dem ersten Schultag sein werde. Da ich erst zwei Tage vor meiner Ankunft Bescheid bekommen habe, welche Schule ich besuchen werde, mir daher nur paar Bilder angeschaut und das Wochenende über den Kopf zerbrochen habe. Am ersten Tag hat mich mein Gastvater zur Schule gebracht, sonst fahre ich immer mit dem Bus, jeweils eine Stunde hin und zurück.

Ich wurde fast erschlagen von dem Schulgebäude und habe direkt erkannt, dass es ein Neubau ist und als wir reingegangen sind war ich begeistert, wie gestalterisch, bunt und groß es ist. Auffällig war auch, dass wirklich vieles aus Glas war – Die Wände der Klassenräume, die einzelnen Büros der jeweiligen Lehrer, die Besprechungsräume und die Bibliothek. Man kann fast alles immer beobachten, wenn man das denn wollen würde.

Zuerst sind wir dann zu einem Lehrer gegangen, der alle Formalitäten mit uns geregelt hat, mich gefragt hat, welche Fächer ich belegen will, mir dann die Schule gezeigt und mich in meine neue Klasse gebracht hat.

Auch wenn meine Schule viele Zweige anbietet wie Kunst/Design/Architektur, Musik/Tanz/Drama, Technik & Industrielle Produktion und Service & Transport, bin ich in der Studienspezialisierungs-Spalte, was sich mit den Fächern eines allgemeinbildenden Gymnasium vergleichen lässt. Ich gehe hier teils in die zwölfte und teils in die 13. Klasse, obwohl ich in Deutschland erst in der elften bin. Das liegt daran, dass alle Leute, die 2001 geboren sind in einer Klasse sind - nicht so gemischt wie in Deutschland.

Tatsächlich konnte ich meine Fächer fast komplett frei wählen. Nur Geschichte, Sport, Norwegisch und Deutsch waren vorgeschrieben. Zusätzlich dazu habe ich mir noch Fotografie & Grafikdesign, Chemie, Englisch und Mathe ausgewählt. Meine Klasse hat seit fast 5 Jahren Deutsch und meine Klassenlehrerin kommt gebürtig sogar aus Deutschland! Das war für mich eine große Erleichterung, da es natürlich so viel einfacher ist, sich bei Problemen in seiner Muttersprache auszudrücken. Allerdings lässt das Deutsch meiner Klassenkameraden zu wünschen übrig und ich unterhalte mich mit ihnen in einer Mischung aus Englisch und Norwegisch.

Mein Schultag fängt um 8:40 an, also später als in Deutschland, aber endet auch deutlich später. Ich bin daran gewöhnt schon um 13 Uhr Schluss zu haben, aber hier habe ich entweder bis 15:05 oder 15:50 Schule. Und die Pausen sind ganz unterschiedlich: Mittagspause haben wir um 11:50, viel zu früh meiner Meinung nach – aber dagegen kann ich ja nichts machen. Und da ich auch noch so lange Bus fahren muss, bin ich oft erst um 17 Uhr zuhause. Mittwochs haben wir immer einen „Fachtag“, bei dem jede Wochen den ganzen Tag ein anderes Fach unterrichtet wird.

Sonst ist alles sehr entspannt. Als ich hier angekommen bin, habe ich alle Bücher und einen Laptop kostenlos bekommen, denn Schulmaterialien werden hier vom Staat bezahlt. Meine Federmappe und meinen Schreibblock konnte ich von nun an zuhause lassen und mit den Büchern wird auch kaum gearbeitet. Meistens bekommen wir eine Aufgabe, an der wir selbstständig arbeiten – im Klassenraum oder in extra Gruppenräumen. Für diese Aufgaben haben wir auch oft mindestens eine Woche oder manchmal auch viel länger Zeit. Die einzigen Fächer, wo man aktiv teilnehmen muss sind Mathe und Englisch, aber außer in Englisch gibt es keine mündlichen Noten, was dazu führt, dass nur wenige im Unterricht aufpassen und oft auf dem Laptop spielen, Serien schauen oder Musik hören. Selbst wenn in Mathe eine Frage gestellt, dann meldet man sich nicht, sondern es wird reingerufen.

Auch wenn der Unterricht an sich sehr selbständig und entspannt abläuft, haben sie hier viel höhere Anforderungen. In Chemie haben wir ein Thema in einer Woche behandelt, was in Deutschland länger als ein halbes Jahr aktuell war, in Englisch erwarten sie viel mehr von uns, als ich gewohnt bin. Nur Mathe ist einfach, aber auch nur weil es drei Schwierigkeitsstufen in Mathe gibt und ich in der einfachsten bin. Aber selbst das war für mich eine kleine Herausforderung, weil sie hier mit für mich unbekannten Programmen arbeiten. Aber wirklich jeder ist unglaublich hilfsbereit, sobald ich ihnen meine Situation erkläre.

Zusätzlich zu der entspannten Unterrichtsatmosphäre kommt noch das lockere Verhältnis mit den Lehrern. Diese werden „geduzt“ und beim Vornamen genannt. Trotzdem ist eine gewisse Autorität vorhanden. Schule schwänzen ist hier auch nicht: Wenn man in nur einem Fach 10% der Zeit fehlt, wird man nicht versetzt. Außerdem bewerten sie hier deutlich strenger, was mich am Anfang zum verzweifeln gebracht, da ich schlechtere Noten bekam, als ich es gewohnt war. Hier ist das Notensystem auch umgedreht – Eine 6 ist das beste und eine 1 das schlechteste, was man bekommen kann.

Die Noten bekommt man auf dem Schulprogramm mitgeteilt und die Eltern haben auch einen Login, um die Leistungen ihrer Kinder mitverfolgen zu können. Auf diesem Schulprogramm reichen wir auch alle unsere Projekte ein und selbst einige Klausuren werden auf dem Computer geschrieben. In der ganzen Schule gibt es auch WLAN, für welches jeder Schüler seine eigenen Login-Daten hat. Abgesehen vom schulrelevanten Nutzen, ist es auch für die „Freizeit“, wie z.B. Social Media zu gebrauchen. Nur für die Klausuren wird das Internet für die Klasse gesperrt und man kann nur noch auf spezifische Seiten zugreifen. Zudem hat unsere Schule einen eigenen Instagram und Snapchat Account, auf welchen die Schüler über alles auf dem Laufenden gehalten werden. Generell werden auch viele Theater- und Musikstücke aufgeführt, die einfach beachtlich sind.

Etwas sehr Cooles ist hier die „Russetid“. Im letzten Jahr feiern alle aus der 13. Klasse einen Monat lang, von April bis Mai. Dabei tragen alle individuell gestaltete Ganzkörperanzüge. Diese Zeit wird teilweise bereits im ersten Jahr angefangen zu planen, Geld wird gesammelt und neben Gruppenpullovern und einem eigenen Song, der extra nur für sie von einem Künstler produziert wird, kaufen sich manche Leute sogar einen Bus, in dem sie dann Party machen können. Dazu erledigen sie noch viele Aufgaben, die ganz schön verrückt sind, zum Beispiel mit Brot anstatt mit Schuhen zur Schule gehen, und bekommen dafür ihre Abzeichen. Diese Zeit ist für viele das einzige, worauf sie sich wirklich vorbereiten im Abschlussjahr und teilweise wird die Schule in dieser Zeit aufgrund Alkoholes und den verschiedenen Feiern vernachlässigt. Ob das so praktisch ist, dass es direkt vor der Prüfungszeit stattfindet, ist fraglich. Trotzdem ist es sehr lustig, auch wenn man es nur beobachten kann und ich find es echt cool, dass so eine Tradition immer weitergeführt wird.

Wenn es zum Lernen der Sprache kommt, kann ich sagen, dass Norwegisch eigentlich eine ziemlich einfache Sprache ist. Lesen kann ich inzwischen schon alles, auch wenn meine Aussprache verbesserungswürdig ist. Verstehen tue ich vieles, aber nicht alles, wenn meine Mitmenschen reden, zum einen, weil ich einige Wörter noch nicht kenne und zum anderen, weil sie hier auch einen kleinen Dialekt haben. Für das Sprechen im Alltag muss ich mich aber stark überwinden und weiche daher oft das Englische aus. Hier kann ich wirklich nur empfehlen, dass man sich trauen muss und dann klappt das mit dem Norwegisch echt gut!

Vanessa berichtet über ihr Schulhalbjahr in Norwegen. Hast du auch Lust auf einen Auslandsaufenthalt in Norwegen? Wir beraten dich gerne!

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