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Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Vanessa in Norwegen

Zwischen Schnee und Sonnenschein

Die Hälfte meiner Zeit hier in Norwegen ist bereits um und ich erinnere mich an das Soft Landing Camp in Kopenhagen, als wäre es noch gestern gewesen. Dort habe ich andere Austauschschüler aus Europa, Australien und Asien kennengelernt und wir haben die ersten drei Tage, bevor es zu den Gastfamilien geht, zusammen verbracht, die dänische Hauptstadt erkundigt und wurden nochmals von unserer Partnerorganisation aufgeklärt.

Um ehrlich zu sein hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht realisiert, dass ich ein halbes Jahr weg bin. Erst auf dem Flug von Kopenhagen nach Oslo wurde mir das etwas bewusst. Zum Glück war ich auch nicht allein, sondern eine andere Austauschschülerin aus der Schweiz saß direkt neben mir auf dem Flug und hat sogar die erste Nacht bei meiner Gastfamilie verbracht.  Das Zusammentreffen mit meiner Gastfamilie hatte ich mir bis dahin nicht ausgemalt, was auch letztlich gut war, weil es sehr plötzlich kam und ich zu meinen Gasteltern bis dahin nicht wirklich Kontakt hatte, da ich erst kurz vor meiner Abreise ihre Kontaktdaten bekommen habe. Dennoch haben sie sofort einen sympathischen Eindruck auf mich gemacht und auf der dreißigminütigen Fahrt zum Haus haben wir uns sehr gut unterhalten können. Wie man es von den Stereotypen von Norwegen kennt, war es auch ziemlich kalt mit -10 Grad. Es lag bestimmt ein halber Meter Schnee und ich musste aufpassen, nicht auszurutschen.

Beim Haus angekommen, wurde ich von zwei Hunden begrüßt und habe zu dem Zeitpunkt noch nicht gewusst, wie sehr mir diese Tiere ans Herz wachsen werden. Allerdings wusste ich anfangs nicht, was ich tun oder sagen soll, sodass ich angefangen habe, meine Sachen auszupacken. Während der ersten Woche hatte ich das Gefühl, dass ich immer etwas mit meinen Gasteltern machen muss und es war etwas komisch für mich, aber das hat sich jetzt komplett gelegt und ich fühle mich mehr als nur wohl. Wir haben kleine, aber dafür sehr angenehme Rituale, sei es, dass wir jeden Samstag eine Sendung zusammen schauen, jeden Sonntag spazieren gehen oder einfach jeden Abend das gemeinsame Essen, wo man dann auch teilweise zwei Stunden oder länger zusammensitzt, weil man sich unterhält. Gerne koche ich ihnen auch etwas oder wir kochen zusammen. Oft machen wir auch ein Lagerfeuer und essen dann Würstchen - denn so wie ich es mitbekommen habe, lieben die Norweger ihre „pølse“. Sonst ist der Alltag ziemlich simpel gehalten, da ich erst spät von der Schule und sie von der Arbeit kommen. Es ist alles sehr locker und ich kann immer entscheiden, ob ich etwas machen möchte oder nicht. Meine Gasteltern gehen mit der Situation sehr gekonnt um, was daran liegt, dass sie schon mehrere Austauschschüler hatten. Trotzdem habe ich sehr viel Kontakt nach Hause, nicht weil es mir schlecht geht, sondern weil ich mein Glück, meine Freude einfach gerne mit anderen teile. Natürlich freuen sich meine Familie und Freunde in Deutschland genauso sehr mit mir.

An den Wochenenden versuchen meine Gasteltern mir sehr viel zu zeigen und eins kann man sagen: Norwegen ist wunderschön! Ich lebe in der Nähe von Oslo und auch wenn viele Einheimische sagen, hier sei es „hässlich“, kann ich meinen Augen oft kaum trauen. Es war zwar sehr dunkel am Anfang, aber die Sonnenaufgänge sind eines der schönsten Dinge, die ich je gesehen habe und die auf den Schnee fallenden Sonnenstrahlen sind atemberaubend, besonders wenn man im Wald spazieren geht. Mein Gastvater hat mir auch gezeigt, wie man Ski fährt, da ich es vorher noch nie so wirklich probiert habe. Es war zwar ziemlich anstrengend, hat aber trotzdem Spaß gemacht und wie es üblich ist bei den Norwegern, haben wir eine kleine Pause eingelegt um „Kvikk Lunsj“ zu essen, eine super leckere Schokolade. Wir sind auch schon zweimal nach Schweden gefahren, um einzukaufen, weil dort ja alles billiger ist und ich konnte sogar ein paar deutsche Leckereien entdecken.

Große kulturelle Unterschiede kann ich bis jetzt nicht feststellen und ich führe das einfach darauf zurück, dass ich schließlich hier noch in Europa bin und es daher nicht so viele Differenzen gibt. Das einzige was wirklich auffällt ist, wie verschlossen die Norweger sind und ihren eigenen persönlichen Raum wollen, sodass im Bus viele lieber stehen anstatt sich neben jemanden Fremden zu setzen oder Small-Talk immer vermeiden, was ihr aber nicht als unhöflich verstehen solltet, weil es hier ganz normal ist, auch wenn das es schwer gemacht hat, neue Leute kennenzulernen. Hier muss man oft selbst die Initiative ergreifen und zum Beispiel fragen, ob man sich zu jemanden setzen kann. Aber mit der Zeit merkt man, wie die Menschen auftauen und einen mit offenen Armen begrüßen. Über meine Gasteltern kann ich aber sagen, dass sie von Anfang an sehr offen und vertrauenswürdig waren. Ich kann mich ihnen super anvertrauen, ob es jetzt darum geht krank zu sein oder Heimweh zu haben. Man muss sich einfach darauf einstellen, dann funktioniert das schon und die Zeit vergeht wie im Flug.