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Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Rebekka in Norwegen

Kühle Wikinger und lange Sommernächte

Mein Schüleraustausch in Norwegen – kühle Wikinger und lange Sommernächte

"Warum denn nach Norwegen?" wurde ich mehr als einmal gefragt, bevor ich zu meinem halben Jahr im Ausland aufgebrochen bin. Naja, so ganz weiß ich die Antwort immer noch nicht. Aber eins steht fest: Norwegen ist ein wunderbares Land! Just 2017, als ich hoch in den Norden gefahren bin, hat das sogar die UN mit einer Studie bestätigt: Die Norweger sind am glücklichsten in ihrem Heimatland!

Und wo soll man da anfangen, zu erklären warum. Zwar werden hier sehr hohe Steuern bezahlt, das bekommt man jedoch deutlich zu spüren. Die Straßen sind sehr gut und man tut alles dafür, dass jeder Ort einladend aussieht. Auch im Schulwesen bemerkt man den Sozialstaat: Die Hefte zum Beispiel kriegt man von der Schule quasi geschenkt und die Computer-Ausstattung ist riesig! Dann ist da die überwältigende Natur – ich wohne im Südosten, an der Ostseite des Oslofjords, wo es sehr flach ist. Doch habe ich hier die schönsten Sonnenuntergänge meines Lebens gesehen. Unser Haus ist nur 5 Gehminuten vom Meer entfernt, was kann man sich mehr wünschen? Und man muss nicht weit fahren, da kommen die zerklüfteten und atemberaubenden Berg- und die Küstenlandschaften und dort kann man sich die alten Wikinger- und Trollgeschichten sehr lebhaft vorstellen. Die Norweger sind ein nettes, brillantes und etwas verrücktes Volk. Kultur wird großgeschrieben, oder, wie mein Gastvater zu sagen pflegt: „Kultur kommt aus Norwegen“. Das ist vielleicht etwas übertrieben, aber auf jeden Fall hat dieses nordische kalte Land einige bedeutende Musiker, Künstler und Architekten hervorgebracht. Die Mentalität der Norweger kann ich nicht in einem Text beschreiben. Manche sind nach außen hin still und verschlossen, während andere ziemliche Partylöwen sind, aber in jedem steckt beides: Der kühle und schaffende Nordmann und der feiernde und lebensgenießerische Wikinger, der sich über die extrem hohen Alkoholpreise beschwert. (Was nicht bedeuten soll, dass hier viel getrunken wird: Das wäre viel zu teuer!). In jedem noch so bequemen und heimeligen Norweger steckt ein Mindestmaß an Liebe zur Natur: Vermutlich, weil ohne sie die norwegische Heimat nicht halb so gemütlich und norwegisch wäre.


Ich bin jedenfalls dabei, ein wunderbares Halbjahr hier zu verbringen! Meine Gastfamilie bekam ich erst sehr spät, ca. anderthalb Wochen vor Abflug. Obendrein war es nicht einmal eine richtige Gastfamilie, sondern „nur“ eine Welcome-Familie, das heißt dass ich nur die ersten 6 – 8 Wochen bei ihnen bleibe und dann wieder umziehen muss zu einer festen Gastfamilie. Ehrlich gesagt habe ich darüber gar nicht so sehr Panik geschoben. Es kommt wie es kommt und überlegt mal: so lernt man sogar zwei norwegische Familien und zwei Regionen Norwegens kennen! Aber es kam eh anders: Nach ca. 3 Wochen war meine Gastfamilie so zufrieden mit dem Austauschprogramm, dass sie beschlossen, die feste Gastfamilie zu werden. Ich habe sie sehr lieb gewonnen und bin mir sicher, dass ich kaum eine bessere und herzlichere Familie hätte bekommen können.
Ich habe auch eine Gastschwester aus Australien, Maddie, und damit habe ich wirklich sehr Glück. Ich habe in ihr eine Freundin fürs Leben gefunden und am Anfang war vieles zu zweit einfacher. (Außerdem steht mir jetzt ein Hintertürchen nach Australien offen, denn meine Reiselust ist gerade erst geweckt.) Für Maddie hatten sie nach etwa 2 Wochen eine andere Gastfamilie gefunden. Diese lebte auf der anderen Seite des Landes, wo die Natur genauso atemberaubend wie das launische Wetter ist. Eben weil unsere Gastfamilie auch in Betracht zog, unsere feste zu werden, konnte Maddie wählen. Und sie entschied sich, bei der Welcome- Familie und mir zu bleiben. Das war die bessere Entscheidung (zumindest für mich😊): Ohne sie hätte ich bestimmt nicht so viel erlebt.

Wir haben einiges sehr Spannendes unternommen. Natürlich waren wir auf Stadtbesichtigung in der Hauptstadt Oslo, aber auch viele der örtlichen Städte und Dörfer haben Interessantes zu bieten. Wir sind für ein Wochenende in die Berge zum Langlaufen gefahren und hatten viel Glück mit dem Wetter, sodass dies zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde. Besonders aufregend war der Schulball Ende Januar, der für alle Schüler der 10. Klassen ein riesiges Event war. Nach der 10. geht man in unterschiedliche Schulen und die Klasse löst sich auf, daher ist das eine Art Abschlussball. Die Mädchen kamen in ausladenden Kleidern und ebenso extravaganter Schminke, jeder einzelne Junge hatte sich zu einem richtigen Gentleman herausgeputzt. Dann wurde gefeiert und getanzt und das war einer der schönsten Abende während des ganzen Aufenthalts! Mit meinen vier Gastbrüdern (ja, richtig gelesen, vier Stück!) die alle zwischen 24 und 32 Jahren alt sind, haben wir auch viel Spaß: Gemeinsam haben sie Maddies und mein Defizit an guten Filmen ausgeglichen, wir haben zusammen musiziert (ich kann jetzt improvisieren!) und einer meiner Brüder ist Teil eines modernen Wikinger-Netzwerkes, das vergangene Schlachten aus jenen Zeiten nachstellt. Hier lernen wir also ganz ursprüngliche norwegische Kultur kennen!


Norwegen ist ein wunderbares Land für einen Schüleraustausch! Gerade wenn man ziemlich Angst vor so einem großen Abenteuer hat, ist dies eine kluge Wahl: Die Unterschiede zwischen Deutschland und Norwegen sind auf den ersten Blick nicht ganz so groß wie vielleicht in den USA oder Australien, aber bei genauerem Hinsehen entdeckt man doch viele Eigenheiten. Verrückt und großartig - das ist es, was die Reiselust weckt und dieses zahlenmäßig kleine stolze und außerordentlich gastfreundliche Volk so unglaublich liebenswert macht. Zweifellos ist man im Falle des Falles sehr gut aufgehoben. Ich habe mir zum Beispiel einmal den Knöchel ziemlich blöd verstaucht, aber meine Gastfamilie hat alles dafür getan dass er wieder heilt ich nicht den Spaß verliere. Alle nehmen dich ernst und wollen, dass du eine gute Zeit in ihrem Land verbringst!


NORWEGISCH – ein Grund mehr, sich für Norwegen zu entscheiden. Ich finde es einfach total cool dass ich jetzt eine neue Sprache sprechen kann! Und diese Sprache lernt man mit Learning by Doing, kein Schulbuch und keine Hausaufgaben, höchstens ab und zu ein Aufsatz😉 (bei dessen Korrektur natürlich dein Fremdsprachenstatus berücksichtigt wird). Als Deutscher hat man hier auch einen wahnsinnigen Vorteil: Norwegisch hört sich ziemlich cool und exotisch an, aber die meisten der Wörter ähneln sehr dem Deutschen. Dadurch fällt es relativ leicht. Ich bin jetzt seit 3 Monaten hier, einfache Sätze kann ich fließend sprechen, kompliziertere krieg ich so hin dass man mich versteht, schreiben kann ich wesentlich mehr und lesen und verstehen fast alles. Maddie tut sich da mit Englisch als Basis ein bisschen schwerer, aber das kommt auch. Ganz nebenbei verbessert sich mein englisch phänomenal: Alle Norweger, denen ich bis jetzt begegnet bin, sprechen fließend englisch. Kommunikationsschwierigkeiten gibt es also in dieser Hinsicht nicht. Und Filme zum Beispiel werden nicht synchronisiert wie in Deutschland, sie laufen auf Englisch mit norwegischen Untertiteln. Dadurch hat man die Sprache ständig im Ohr!

Falls Interesse im norwegischen Schulsystem besteht, hier ein kleiner Absatz darüber:
Mit 6 Jahren kommt man in die „Barneskole“, wörtlich Kinderschule, von der 1. bis zur 7. Klasse. Danach geht’s in die „Ungdomsskole“, die Jugendschule, die von der 8. bis zur 10. Klasse geht. Dann kann man bei der Wahl der „Videregående Skole“ (Weitergehende Schule, für 3 bis 5 weitere Jahre, je nach Zweig) einen bestimmten Fächerzweig wählen, also zum Beispiel naturwissenschaftlich oder künstlerisch oder Gesundheitswesen etc. In der Ungdomsskole hat man die gewöhnlichen Fächer wie Mathe, Norwegisch, Englisch, Religion, Kunst usw. aber auch ein gemeinsames Fach für Naturwissenschaften, und eins für Geschichte, Geografie und Sozialkunde. Im Unterricht wird erstaunlich viel Gebrauch von Computern gemacht und Aufsätze werden auch am Computer geschrieben. Am Ende eines Halbjahres steht das „Eksamen“ an, in dem man in jedem Fach einen ganzen Schultag lang Prüfung schreibt. Noten bekommt man erst ab der 8. Klasse. Das Level hier ist vermutlich das der deutschen Realschule. Da bin ich mir nicht sicher, denn ich gehe ins Gymnasium, aber für mich ist es hier vom Stoff her wesentlich einfacher. In meinem absoluten Hassfach Mathe zum Beispiel starte ich jetzt richtig durch! Ich bin in einer sehr kleinen ländlich gelegenen Schule mit gerade mal 150 Schülern, und hier ist wirklich jeder, ob Schüler oder Lehrer, wahnsinnig lieb und hilfsbereit. Ich fühle mich richtig gut aufgehoben und dieses Schulsystem ist sehr entspannt und schülerfreundlich!

Nun bin ich ziemlich gespannt, wie die restlichen 3 Monate wohl werden. Auf mich wartet noch der norwegische Nationalfeiertag, der 17. Mai, der ungefähr so wichtig wie Weihnachten ist 😃. Außerdem soll der Sommer hier etwas ganz Besonderes sein. Tatsächlich ist es erstaunlich, wie ein bisschen Sonnenschein bei 10 Grad die Stimmung im gesamten Ort aufwärmt und die Leute hinaus in die wunderschöne Natur ihres wunderschönen Landes lockt. Bei meiner Gastfamilie fühle ich mich sehr geborgen und die Angst, ganz alleine in einem fremden Land zu sein, hat sich verflüchtigt: Ich weiß, dass immer jemand da ist, der mir hilft. "Norge“ habe ich sehr in mein Herz geschlossen.

Rebekka berichtet über ihr Auslandsjahr in Norwegen. Hast du auch Lust auf einen Auslandsaufenthalt in Norwegen? Wir beraten dich gerne!

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