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Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Lea in Schweden

"Es ist ein erstaunliches Gefühl zu wissen, dass man es wirklich gewagt hat"

23 000 Einwohner in der größten Stadt in meiner Nähe -auf dieser Insel. Eine ziemliche Umstellung, wenn man bedenkt, dass ich aus einer der größten Städte Deutschlands komme. Ja, es ist anders hier, sehr anders, wenn man bedenkt, dass ich hier von Zuhause 3 km zur nächsten Busstation brauche, der Bus vielleicht einmal in der Stunde fährt und je weiter der Tag fortgeschritten ist, desto weniger Busse fahren. Oder wenn man bedenkt, dass ich in Visby fast überall zu Fuß hinkomme - und das in kurzer Zeit. Auf einen Bus bin ich in der Stadt eher weniger angewiesen, aber sobald es über diese hinausgeht, wird es problematischer. Auch die Schule ist anders. Meine Lehrerin hat am Dienstag zu mir gesagt: „Stundenplan, Wi-Fi und Macbook, das ist das wichtigste an schwedischen Schulen.“ Und es ist tatsächlich so. Ich kam mir am Anfang ein bisschen oldschool vor, wenn ich immer als erstes meinen Block und einen Stift hervor hole, während die anderen ihr Macbook hervor befördern und eine neue Seite erstellen. Ja, ich komme mittlerweile damit klar, dass ich mein Macbook benutzen soll, auch wenn mir meine Blöcke immer noch mehr am Herzen liegen; es fühlt sich einfach echter an. Momentan bereite ich eine Präsentation über meine Heimat, meine Schule und meine Heimatstadt vor - auf dem Macbook. Wie gerne ich auch mit Plakaten, Tausenden von Zetteln, Stiften und Bildern auf dem Boden sitzen würde, ich habe nur einen Blog mit ein paar Notizen und To-do-Listen auf meinen Computer. Ja, es ist noch immer ein bisschen ungewohnt, aber ich habe mich damit abgefunden und es vielleicht auch ein bisschen in meinen Schulalltag integriert. Aber das Öffnen von Türen überlasse ich dann zum Beispiel doch lieber meinen Händen und meiner eigenen Körperkraft, als einem dieser Drücker, die ich eher aus Krankenhäusern kannte und hier jeder benutzt, sodass du nicht weißt, ob die Tür im nächsten Moment zufällt oder nicht. Eine Umstellung, die sich gelohnt hat und sich noch immer lohnt, dass ist gewiss.




Seit meiner Ankunft auf der zweitgrößten Ostseeinsel sind nun schon mehr als 100 Tage vergangen und ich kann es immer noch nicht so richtig fassen. Es ist soviel passiert, dass es viel mehr als nur 100 Tage sein müssten und dann sind es doch schon 100 Tage, die vergangen sind - geradezu an mir vorbei geflogen sind. Die Tage streichen nur so an mir vorbei und ich bin so unglaublich dankbar, für alles was ich bereits erleben durfte, was ich lernen, erfahren und als Erinnerungen festhalten durfte. So vieles war fremd für mich und nun ist es wie atmen - selbstverständlich. So viele Fremde sind mir in den vergangen Monaten begegnet und zu Freunden geworden. Niemals hätte ich gedacht Freunde auf der anderen Seite der Welt zu finden, wenn ich in ein anderes Land gehe, aber so ist es und allein diese Tatsache macht mich unglaublich glücklich und dankbar. Immer wieder wird einem gesagt, man lernt unglaublich viel über sich selbst und man wird vielleicht auch das ein oder andere mit anderen Augen sehen, durch einen anderen Blickwinkel und es ist unfassbar für mich, wie wahr mir diese Worte bereits nach diesen paar Monaten erscheinen.

 

Das einzige, was mir im Moment ziemlich zu schaffen macht ist die Sprache. Ich möchte so unbedingt Schwedisch sprechen, aber in manchen Stunden, wenn die Lehrer oder meine Klassenkameraden reden oder sich unterhalten, habe ich das Gefühl diese Sprache niemals beherrschen zu können. Dann frage ich mich, warum habe ich das noch mal getan? Warum bin ich hier, in einem Land dessen Sprache ich nicht mächtig bin? Vor gut 12 Wochen habe ich das auf meinem Blog veröffentlicht und habe wirklich gezweifelt. Ich bin nicht die offenste Person der Welt, ich habe wahrhaft nie viele Freunde gebraucht, ich spreche nicht gerne, wenn ich mir unsicher bin und genau das war einer der Hauptgründe für mich ein Auslandsjahr zu machen. Ich wollte endlich auf eigenen Beinen stehen, mir selbst beweisen, das ich “bereit bin” für diese “große weite Welt”, außerhalb der Reichweite meiner Familie, meiner Freunde und ich habe es gewagt. Es gab Momente, da habe ich an meiner Entscheidung gezweifelt. Bin ich wirklich schon bereit? Und doch überwiegen die Momente, die Erfahrungen, die ich bereits gesammelt habe und all die Menschen, die ich kennenlernen durfte und bekräftigen mich in meiner Entscheidung, zeigen mir tagtäglich, dass es die richtige Entscheidung war, die richtigste Entscheidung, die ich vielleicht je getroffen habe und das macht mich unglaublich stolz. Es ist ein erstaunliches Gefühl zu wissen, dass man es wirklich gewagt hat und das man mutig genug war, seinen eigenen Traum zu erfüllen. Und wenn es mir mal nicht zu gut geht, habe ich Freunde und Familie hinter mir stehen, die mich aufbauen, ablenken oder einfach nur -auf ihrerWeise- anwesend sind, aber auch mein Blog, den ich seit meinem Auslandsjahr nahezu wöchentlich führe, hilft mir unglaublich, er lässt mich die Wochen noch einmal erleben, gibt mir die Möglichkeit all das Gesehene noch einmal zu durchdenken und noch einmal zu sehen, was ich geschafft habe, was ich erreicht habe, oder er lässt mich einfach nur fühlen, wie sehr ich mich mittlerweile schon eingelebt habe.

 

Ja, es war nicht einfach. In ein fremdes Land, mit einer fremden Sprache und umringt von Fremden und noch mehr fremden Gesichtern. Ja, mein Schwedisch war eigentlich so gar nicht vorhanden, als ich hier ankam. Ich hatte ein paar Floskeln drauf, kannte ein paar Wörter. Gespräche verstehen? Fehlanzeige. Fragen beantworten? Eher nicht. Ich persönlich muss zugeben, dass ich meine “Erfolge” und meine “Weiterentwicklungen” in der Sprache zu Beginn nicht richtig realisiert habe. Es waren die Leute, Bekannten, Freunde um mich herum, die mir immer wieder sagen, dass es okay ist, dass ich die Sprache nicht perfekt beherrsche, ich bin keiner dieser perfekten Austauschschüler, die schon seit zwei Monaten die Sprache sprechen und das Englisch nur im Englischunterricht verwenden, ich bin keiner dieser Schüler. Ich habe eine unglaubliche Sprechhemmung, ja und auch mein eigener kleiner Kontrollzwang, erst dann etwas zu sagen, wenn ich mir sicher bin, dass es richtig ist, ist vielleicht nicht die perfekte Vorraussetzung ins Ausland zu gehen und versuchen eine neue Sprache zu lernen. Aber immerhin kann ich von mir behaupten, dass ich Fortschritte mache, wenn auch eher kleine und unsichere, erste Schritte eines Kleinkindes, aber das bin ich in der schwedischen Sprache ja eigentlich auch. Ich versuche mehr und mehr zu sprechen und verstehen tue ich die Sprache eigentlich schon ganz gut und vielleicht ist es auch nicht das, was sich meine Organisation, meine Familie zuhause und mein Vor-Auslandsjahr-ich vorgestellt haben, aber das ist es, wie es gerade ist und das ist es auch voran ich arbeite.

 

Weihnachten rückt nun immer näher, die Tage werden kürzer und die Nächte länger. So erlebe ich den November in Schweden. Es ist kalt, schon an Anfang des Novembers hat es geschneit. Wahrhaftig ein Winterwonderland, wie es im Buche steht. Vorweihnachtliche Stimmung hat meine Seele und mein Herz erfüllt, obwohl dies’ noch in der Ferne lag, doch nun ist es bald soweit. Nur noch wenige Tage, bis die Adventszeit beginnt, mein Adventskalender von Tag zu Tag kleiner wird, Weihnachtsmusik wird überall laufen und in Visby hängt bereits weihnachtliche Deko zwischen den Häusern. Meine Vorfreude auf eines der schönsten Feste des Jahres wachsen, auch wenn immer noch ein Stückchen Nervosität und vielleicht auch ein kleines bisschen Angst mitschwingen. Es ist der erste Heiligabend, an dem ich nicht morgens aufstehen werde, mir ein kleines Frühstück machen werde und dann rüber zu meinem Großvater gehen werde, mit ihm kochen, alles für den Abend vorbereiten, den Tisch decken und mit ihm Michel oder Pippi Langstrumpf sehen werde, nur um dann wieder nach Hause zugehen, vielleicht zu duschen, mich fertig zu machen und ein weiteren wundervollen Weihnachtsabend mit meiner Familie zu verbringen. Aber es wird ein neues Weihnachten, nur weil es nicht so ist wie zuhause, heißt es ja nicht, dass es weniger schön wird, dass es weniger weihnachtlich und magisch wird, als Zuhause und irgendwie ist diese Insel ja mittlerweile mein Zuhause, soviel wie Wohnung, in der ich mit meinen Eltern lebe und diese, in der meine Großeltern leben und auch zwischen diesen beiden Wohnungen ist einiges anders, dennoch sehe ich sie beide als Zuhause an, fühle mich in beidem wohl, warum sollte es also auf der Insel hier nicht auch so sein? Man muss nicht nur ein Zuhause haben und nicht jedes Zuhause muss dem anderen auf den letzten Pinselstrich gleichen, um gleich schön zu sein, um mir dieses ganz besondere Gefühl zu vermitteln. 

 

 

Lea berichtet über ihr Auslandsjahr in Schweden. Hast du auch Lust auf einen Auslandsaufenthalt in Schweden? Wir beraten dich gerne!

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