Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Sophie in Norwegen

Ruhigere Zeiten

Nachdem der ganze Weihnachtstrubel und der Übergang ins neue Jahr vorbei waren, wurde es ziemlich ruhig in meiner Gastfamilie. Es standen erstmal keine Geburtstage oder andere geplanten Sachen an. Bis zu den nächsten Ferien waren es zwei Monate und aufgrund des schlechten Wetters in Januar und Februar, konnten wir auch am Wochenende nicht viel Unternehmen. Und trotzdem habe ich die Zeit sehr genossen. Wir haben am Wochenende einfach nur am Abend auf dem Sofa gelegen, zusammen Filme geguckt oder einfach nur geredet und zusammen Zeit verbracht. In dieser Zeit habe ich das erste Mal so richtig darüber nachgedacht, wie viel ich hier schon erlebt habe und dass alles in nur fünf Monaten. Es ist ein bisschen erschreckend und schön zugleich. Schließlich ist damit die Hälfte meines Aufenthaltes vorbei. Dies bedeutet jedoch auch, dass ich nochmal dieselbe Zeitspanne vor mir habe. Einerseits fange ich so langsam an meine Familie zu Hause ein bisschen zu vermissen, jedoch weiß ich umso mehr die Zeit, die mir hier noch bleibt zu schätzen. 

Daher, dass hier die letzten Wochen nichts passiert ist, wusste ich erst nicht so wirklich, über was ich diesen Monat so berichten kann. Doch ich finde es ist auch wichtig, zu zeigen, dass ich hier nicht jede Woche einen Ausflug mache oder mich mit Freunden treffe. Es kann auch mal eine Zeit lang viel ruhiger sein und man lebt einfach seinen Alltag. Genauso war es für mich die letzten Wochen hier. RuhiNach acht Wochen Schule freute ich mich dann riesig auf die Winterferien, die hier Ende Februar stattfinden. Eigentlich hatte meine Gastfamilie nichts geplant, jedoch haben wir dann spontan, also eine Woche knapp eine Woche vor den Ferien doch noch entschieden, weg zu fahren. Die mütterliche Seite meiner Gastfamilie ist im Besitz einer weiteren Ferienhütte, in Østlandet, wo wir dann die ein paar freie Tage genossen haben. Wir hatten für die Tage dort nicht wirklich Pläne, sondern wollten einfach nur entspannen und wortwörtlich nichts tun. 

Es ging direkt Freitag nach der Schule los. Uns stand eine acht- bis zehnstündige Fahrt bevor, doch wir haben es uns mit Decken, Kissen und ein paar Snacks im Auto richtig gemütlich gemacht und eingekuschelt. Auf der Hälfte der Strecke haben wir dann einen kurzen Stopp gemacht, damit wir was Essen können. Es gab lecker Pizza. Danach ging es weiter, sodass wir erst spät in der Nacht bei der Hütte ankamen. Wir waren ziemlich müde von der Fahrt, sodass wir nur noch unsere Betten bezogen haben und dann auch hineingefallen sind. Am nächsten Morgen konnte ich mir die Hütte dann das erste Mal ansehen. Sie ist total gemütlich eingerichtet, mit einer Küchenecke, einer Essecke und einer Sofaecke. Genauso wie man sich eine traditionelle norwegische Hütte vorstellt. Meine Gastmutter hat mir erklärt, dass Vieles von ihrem Vater selbst gebaut wurde, zum Beispiel die Lampen über dem Esstisch.

Zunächst sind meine Gastmutter und ich dann erstmal einkaufen gefahren, damit wir etwas zum Frühstücken und für die nächsten Tage haben. Doch kaum sind wir im Supermarkt angekommen, ist dort auch schon der Strom ausgefallen. Wir hatten nur knapp zehn Minuten Zeit alles einzukaufen, da der Laden nur noch eine Reserve an Strom für die Kasse in dieser Zeitspanne hat. Und da habe ich dann mal gesehen, dass man in Norwegen ziemlich aufgeschmissen ist, wenn man kein Strom mehr hat, denn man kann dann auch nicht mehr mit Karte bezahlen. Das wird hier zum Problem, denn niemand hat hier mehr Bargeld in der Tasche. Aber wir haben es zum Glück geschafft, alles rechtzeitig rauszusuchen. Nachdem wir wieder zurück in der Hütte waren, haben wir erstmal in Ruhe gefrühstückt. Danach haben wir spontan entschieden einen kurzen Ausflug nach Schweden zu machen, schließlich liegt die Grenze nur knapp eine Autostunde entfernt. In Schweden sind wir zu einem Einkaufscenter gefahren. Dadurch, dass Samstag war, war ziemlich viel los und der ganze Parkplatz war nur mit norwegischen Autos gefüllt. Wir hatten nicht wirklich etwas auf einer Einkaufsliste, weshalb wir einfach nur ein bisschen Bummeln waren. In der Mall gab es mehrere große Süßigkeiten-Läden. Als wir in einen hineingegangen sind, habe ich mich wie in einem Paradies gefühlt und hätte am liebsten den ganzen Laden leergekauft. Auch war alles viel günstiger, selbst die norwegische Schokolade, hat nur ungefähr die Hälfte gekostet. Ein bisschen haben wir dann auch eingekauft, jedoch nicht so viel, wie manch anderer Norweger, der mit Einkaufswägen voll mit Schokolade oder Bier aus der Mall gekommen ist. Da das Wetter sehr schön war, haben wir beschlossen, sobald wir wieder in der Ferienhütte waren, einen kleinen Spaziergang zu machen. So sind wir runter zum See und haben uns dort den Sonnenuntergang angeschaut. Abends haben wir dann noch zusammen gegessen, einen Film geguckt und sind dann so langsam ins Bett gegangen. 

Auch der Sonntag startete ruhig, doch gegen Mittag haben wir meinen Gastvater und meinen Gastbruder zur Bushaltestelle in den nächst größeren Ort gebracht. Mein Gastvater ist mit dem Flugzeug nach Hause, weil er am Montag wieder arbeiten musste und mein Gastbruder hat seinen Cousin, der in Oslo studiert, besucht. Meine Gastmutter und ich haben uns dann einen gemütlichen Nachmittag zu zweit gemacht. Sie hat mir Komler beigebracht, was ein norwegisches Gericht ist. Den Sonnenuntergang haben wir uns dann nach dem Essen auf der Terrasse in dicken Decken und Jacken angeschaut, einfach nur geredet und Tee getrunken. 

Am Montag hat mir dann meine Gastmutter noch ein norwegisches Gebäck beigebracht. Wir haben zusammen „Boller“ und Kanelboller“ gemacht. Das sind helle weiche süße Brötchen und manche davon werde auch mit Zimt gefüllt, ein bisschen wie Zimtschnecken. Da meine Gastmutter gelernte Bäckerin ist, hat sie mir immer wieder Tricks und Kniffe gezeigt, wie man das bestmögliche Ergebnis bekommt oder auch verschiedene Knettechniken, die auf Dauer schon ganz schön auf die Arme gehen. Am späten Nachmittag ist dann die Schwester meiner Gastmutter mit ihren Kindern gekommen, so dass wir zusammen gegessen haben. Meine Gasttante wohnt mit ihrer Familie nur ein paar Autominuten entfernt, sodass wir die Möglichkeit genutzt haben, sie zu sehen. Wir haben viel geredet und gelacht. Dienstag war dann auch schon unser letzter Tag. Eigentlich war Schnee vorausgesagt, so dass wir den ganzen Tag über ein bisschen darauf warteten, jedoch wollte es einfach nicht schneien. Abends wurden wir dann von meiner Gasttante zum Abendessen eingeladen, wo wir auch wieder einen gemütlichen Abend verbracht haben.
Mittwoch hieß es dann auch schon wieder Abschied von der Hütte, zu nehmen. Nachdem wir alles aufgeräumt hatten, haben wir uns auf den Weg gemacht. Auf dem Weg nachhause konnten wir immer mehr Schnee neben der Fahrbahn sehen. Es sah einfach nur wunderschön aus, wie sich die Sonne und die Landschaft auf den kleinen Seen und Tümpeln gespiegelt hat. Es sah genauso aus, wie ich mir Norwegen im Winter vorgestellt habe.  Zwischendurch haben wir wieder noch eine Essenspause gemacht und sind dann nach neun Stunden zuhause angekommen, wo der Rest meiner Gastfamilie schon auf uns gewartet hat.

Am Freitag haben meine Gastschwester und ich eine kleine Sightseeing-Tour gemacht. Wir haben ein paar Punkte in der Umgebung abgearbeitet, welche auf unserer gemeinsamen „Bucket List“ stehen. Es war ein sehr schöner Ausflug, wir haben laut im Auto Musik gehört, uns die Seele aus dem Hals gesungen, die Sonne hat geschienen und ich habe einfach nur die Zeit mit meiner Gastschwester genossen. Abends gab es dann wieder Taco mit der ganzen Familie und einen TV-Abend. Bei uns in der Familie ist es ein bisschen Tradition am Freitag verschiedene Shows zu gucken und an diesem Abend war auch das Finale einer norwegischen Show. 
Samstag haben wir dann noch Besuch von meiner Gastoma bekommen. Es gab Pizza und danach haben wir noch Nachrichten geguckt und geredet. Leider waren damit meine Ferien auch schon so gut wie rum. Es war zwar nur eine Woche, wo ich an sich nicht so viel erlebt habe, jedoch die Zeit, und auch die zwei Monate zwischen Weihnachts- und Winterferien, trotzdem wie im Flug verging. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Ferien, auch wenn diese schon meine letzten richtigen hier sein werden und genieße jeden weiteren Tag, auch wenn mal nur faul auf dem Sofa liegen ansteht.