Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Maike in Schweden

Im letzten Monat hat sich so ziemlich alles verändert, was sich hätte verändern können: Ich bin von meiner Welcome Family zu meiner richtigen Gastfamilie gezogen. Da in Köping keine Gastfamilie gefunden werden konnte, musste ich auch die Stadt wechseln. Jetzt wohne ich in Skellefteå, was ca. 600 Kilometer nördlich von Köping ist. Hier ist alles nochmal ein bisschen anders als in Südschweden, woran ich mich auch erstmal eine Zeit lang gewöhnen musste. Anstatt fünf Minuten mit dem Fahrrad zur Schule fahren, muss ich hier jeden Morgen fast eine Stunde mit dem Bus fahren, was leider dazu führt, dass ich öfter mal müde bin und an zwei Tagen in der Woche nach der Schule in der Stadt bleiben muss, um zum Volleyballtraining zu gehen. Am Anfang fand ich das schon sehr nervend, aber in der Innenstadt ist ein gemütliches Café, in dem ich gut meine Zeit verbringen kann. Öfter mal sind auch andere Leute nach der Schule in der Stadt, dann kann man sich ein bisschen unterhalten, oder sich einfach zusammen langweilen.
 Natürlich musste ich auch die Schule wechseln und ich habe auch hier in Skellefteå wirklich Glück mit der Schule gehabt. Zum einen sind meine Klassenkameraden hier deutlich gesprächiger als in Köping und zweitens bin ich hier im Samhällsprogramm, was sowieso das Programm war, in das ich schon in Köping wollte. Die Fächer in diesem Programm gehen eher in den Gesellschaftswissenschaftlichen Bereich, was mir persönlich sehr viel Spaß macht. Zusätzlich zu den Gesellschaftswissenschaften habe ich auch Deutsch gewählt, was sehr viel interessanter ist, als man vielleicht denken würde. Man lernt seine eigene Sprache nochmal von einem ganz anderen Blickwinkel kennen und außerdem kann ich sehr gut mitmachen, indem ich einfach Dinge in Schwedisch schreibe, wenn die anderen etwas in Deutsch schreiben sollen.




Ein Thema, über das jeder gerne redet: Das Wetter! Bevor ich nach Schweden gegangen bin, haben mir die Leute immer gewünscht, dass ich nach Südschweden komme, weil es in Nordschweden ja das ganze Jahr über kalt und dunkel ist. Ich hab das nie so ganz verstanden, denn prinzipiell mag ich kalte Temperaturen sehr viel lieber als warme und außerdem bedeutet Kälte ja in vielen Fällen auch Schnee. Seitdem ich hier bin schneit es quasi durchgehend, was mich immer noch jedes Mal aufs Neue freut. Allerdings muss ich den Leuten Recht geben mit der Dunkelheit. Momentan geht die Sonne zwar schon um ungefähr neun Uhr auf, allerdings geht sie auch schon um ca. 14  Uhr wieder unter und um 15 Uhr ist es stockduster. Das ist durchaus nervig, wenn man an vier von fünf Tagen erst um 16 Uhr Schule aus hat. Die Motivation, danach noch etwas zu machen, ist sehr gering um ehrlich zu sein und so wirklich rausgehen lohnt sich dann ja irgendwie auch nicht, im Dunkeln kann man ja nicht allzu viel von der Natur hier sehen.  Ich habe mir aber sagen lassen, dass die Schweden rund um Weihnachten sehr gerne ihre Häuser und Fenster dekorieren und dann alles leuchtet und sehr gemütlich ist.
Um mich motiviert zu halten, habe ich mir vorgenommen, jede Woche mindestens einmal irgendetwas zu machen. Ob es jetzt ist mit Freunden etwas zu unternehmen, oder einfach nur ein Spaziergang ist, ist eigentlich egal, Hauptsache man sitzt nicht den ganzen Tag nur rum. Letztes Wochenende war ich zum Beispiel mit ein paar Leuten von meiner Schule bowlen, was sich super gut eignet, um nochmal ein bisschen mehr mit den Leuten zu reden und sie dadurch besser kennenzulernen. Am nächsten Tag habe ich dann einen Spaziergang durch meinen Ort gemacht und habe dabei einen superschönen Strand entdeckt. Vielleicht ist das jetzt nichts für den Winter, aber im Sommer ist es bestimmt ein toller Platz zum Schwimmen oder Grillen.

Ich habe hier mal die Leute gefragt, was sie so für Vorurteile gegenüber den Deutschen haben und habe auf diese Frage sehr interessante Antworten bekommen. Natürlich die Stereotype, die man so kennt, wie zum Beispiel, dass Deutsche unglaublich viel Bier trinken, keinen Spaß verstehen und schlecht Englisch sprechen. Ich habe allerdings auch Klischees erfahren, die ich vorher tatsächlich noch nie gehört habe. Die  Schweden denken anscheinend, dass Nudismus in Deutschland sehr weit verbreitet ist, dass Deutsche viel Leder tragen (Nein, keine Lederhosen, sondern einfach irgendwelche Dinge aus Leder) und dass sehr viele Menschen in Deutschland Fritz oder Hans heißen. Eine Sache, die mir hier aufgefallen ist und mich sehr zum Lachen gebracht hat, ist, dass sehr viele ältere Menschen hier ebenfalls Socken in Sandalen anziehen, allerdings nicht nur im Sommer, nein auch jetzt, bei Minus fünf Grad, wird diese Kombination fleißig getragen. Auch in anderen Punkten erfüllen die Schweden deutsche Klischees mehr als perfekt. So werden hier noch mehr Kartoffeln gegessen als in Deutschland und auch legen die Schweden einen gewissen Wert auf kleine gesellschaftliche Regeln, hier aber mit dem Unterschied zu Deutschland, dass im Normalfall niemand etwas sagt, wenn diese nicht eingehalten werden. Ich kann insgesamt aber sagen, dass ich es bis jetzt nicht eine Sekunde bereut habe, nach Schweden gegangen zu sein. Was mir hier besonders gut gefällt, ist die Gelassenheit der Menschen. Eigentlich niemand lässt sich leicht aus der Ruhe bringen und laut werden die Schweden im Normalfall auch eher nicht, was zu einem sehr entspannten Miteinander führt.