Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

Image can't be displayed.

Jette auf La Réunion

Weihnachtsstimmung im Hochsommer

 

Und unglaublich schnell ist schon wieder ein neuer Monat rum. Mir blieb gar keine Zeit so richtig in Weihnachtsstimmung zu kommen, falls das hier auf der Insel bei über 30°C überhaupt möglich ist. Ich würde mal sagen wir haben den Hochsommer mittlerweile erreicht, aber meine Freunde erinnern mich gerne daran, dass der Januar noch heisser wird. Ich hätte niemals gedacht, dass es möglich ist nach einer kalten Dusche sofort wieder zu schwitzen, aber mein Aufenthalt hier hat mich vom Gegenteil überzeugt. Dass ich zu einem Chillifan werde und die créolische Küche inklusive «piment» geniessen kann hätte ich mir allerdings auch nicht erträumen lassen, weil ich aus Deutschland absolut kein scharfes Essen gewöhnt bin. Auch diese kleinen Erkenntnisse und Neuentdeckungen gehören zu den Dingen, die ein Auslandsjahr lohnenswert machen.

In diesem Sinne berichte ich auch gerne noch kurz von dem ersten Insektengericht meines Lebens. La Réunion hat eine eigene Wespenart die sich «guêpe» nennt und fiese Stiche hinterlässt. Sie sind ein bisschen grösser als unsere gewöhnlichen Wespen und von meinen Klassenkameraden sehr gefürchtet. Die Nester dieser Insekten werden ausgeräuchert, um die Larven daraus ungefärdet zu entfernen und als Essen zuzubereiten. Sie werden beispielsweise gebraten, gewürzt und mit Reis serviert. Mir wurde gesagt, dass guêpes der Kaviar La Réunions seien. An die Larven zu kommen ist nämlich eine fummelige Handarbeit und dementsprechend sind die Preise der Larven auch relativ hoch. Ich hatte grosses Glück bei Verwandten eingeladen worden zu sein, um dieses für uns doch eher ungewöhnliche Essen zu probieren.

Der Gedanke daran, dass das was man da auf seinem Teller hat Insektenlarven sind, ist etwas ungewohnt und auch die knackenden Geräusche beim Kauen sind gewöhnungsbedürftig, aber ich kann mir gut vorstellen, dass auch in Deutschland bald Insekten als Fleischersatz normal werden. Meinem Gastbruder und mich hat es schon überzeugt.

Ich weiss noch genau, was ich mir vor einigen Monaten für einen Stress gemacht habe, als so nach und nach alle Austauschschüler ihre Gastfamilien bekommen haben und es für mich auch kurz vor meinem Abflug immernoch keine Neuigkeiten hinsichtlich einer Familie gab. Im Nachhinein kann ich euch aber sagen, dass ihr euch da wirklich keine Sorgen machen müsst. Das ist wahrscheinlich leichter gesagt, als getan, aber ich habe meine Familie beispielsweise nur so spät bekommen, weil sie mich hier vor Ort noch an einer Schule anmelden mussten, bevor sie mir Bescheid geben durften. Das hat also oft gar nichts damit zu tun, dass die Organisation noch keine passende Familie für euch finden konnte.

Seitdem ich dann ein paar Wochen nach der Bekanntgabe meiner Gastfamilie nach La Réunion gekommen bin hat meine Gastmutter mir sofort angefangen zu erzählen, dass wir am 21.12 zu einer Hochzeit eingeladen sind. Dieser Tag kam dann schneller als gedacht und jetzt weiß ich, dass ich auch diesmal totales Glück hatte, dass der Cousin meiner Gastmutter ausgerechnet dieses Jahr geheiratet hat und so nett war uns auch einzuladen. Eine créolische Hochzeit ist doch nochmal etwas anders als eine deutsche. Der Bräutigam hat seine Frau beispielsweise schon beim Staatsamt im Brautkleid gesehen. Nachdem dort alle Förmlichkeiten geklärt wurden sind sie mit all ihren Gästen zur Kirche gezuckelt um sich dort trauen zu lassen. Das verlief dann bis auf die verwendete Sprache und den Ausblick auf Palmen, Berge und Meer aus der Kirche relativ ähnlich wie bei einer in Deutschland abgehaltenen Trauung. Nach ein paar Fotos und Glückwünschen ging es dann für alle Beteiligten in ihre Autos um hupend hinter dem Hochzeitsauto herzufahren, was für meine Familie und mich 2h Pause bedeutet hat, da meine Gastmutter nicht gerne Auto fährt und es uns allen zu heiß für einen Autospaziergang war. Gegen Abend trudelten dann alle am verabredeten Partyort ein um dort zusammen zu feiern. Wir haben uns in die Schlange eingereiht um das Brautpaar mit einem Bisou und ein paar netten Worten zu beglückwünschen und uns dann einen Platz zum essen ausgesucht. Die frisch Verheirateten saßen beide am Kopfe des Raumes in pompösen Thronen. Letztendlich waren die Sitzplätze und das damit verbundene Essen aber doch eher zweitrangig, denn nach ein paar kleinen Reden und einem Eröffnungstanz ging die Feier mit leerem Bauch los und alle haben angefangen zusammen zu tanzen. Zwischenzeitlich kam dann die Vorspeise und danach ging es wieder zurück auf die Tanzfläche. Wer hier keine Musik mag oder nicht gerne tanzt, der wird es meinen Erfahrungen nach auf Familienfeiern schwieriger haben sich als ein Teil des Ganzen zu fühlen, aber für alle anderen wird es umso leichter sein sich einzuleben und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen. Man braucht weder großartige Tanzkenntnisse noch ein großes französisches Vokabular um sich mit den anderen zu amüsieren. Den Leuten hier macht es auch immer wieder viel Spaß mir alle möglichen traditionellen Tänze beizubringen und jedes Mal wenn ich einen klitzekleinen Moment von der Tanzfläche verschwinde um kurz zu verschnaufen kommt jemand vorbei und fordert mich auf ihm doch noch ein Tänzlein zu gewähren.

Die Feier ging noch bis spät in die Nacht und nachdem mir meine Gastmutter ein paar der hier wunderschön anzusehenden Sternbilder erklärt hat, sind wir alle totmüde in unsere Betten gefallen. 

 

Jette berichtet über ihr Austauschjahr auf La Réunion. Hast du auch Lust auf einen Auslandsaufenthalt auf der Insel im Indischen Ozean? Wir beraten dich gerne!

Beratungstermin vereinbaren