Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Ella auf La Réunion

Nous reste le caz

Hallo zurück,

seit meinem letzten Bericht Ende März hat sich, abgesehen von meinem Haarschnitt und  der Tatsache, dass die warme Sommerluft sich nun endgültig in eine kühle, winterliche Brise verwandelt hat (wenn auch es noch immer über 20°C sind), recht wenig nennenswertes an unserer derzeitigen Situation verändert. Weltweit wütet das Coronavirus noch immer tüchtig und lässt ein normales Alltagsleben unheimlich weit weg erscheinen. Im Moment gehen wir davon aus, dass dieses mit der Aufhebung der Ausgangssperre und der vermutlichen Wiederöffnung der Schule Mitte Mai, aufs Neue starten kann. Bis dahin bleiben wir also zu Hause und träumen schonmal voller Vorfreude von ausgiebigen Spaziergängen durch die weite, grüne Landschaft und dem salzigen Geruch des Meeres, welches wir zurzeit leider nur wehmütig von unserem Küchenfenster aus betrachten können. 

Anfang April ist zum bereits zweiten Mal dieses Jahres der Vulkan «Piton de la Fournaise» ausgebrochen und dessen beeindruckende Bilder im Internet haben sofort die Abenteuerlust in mir aufleben lassen. Diese verstärkte sich umso mehr, als wir sogar von unserem Garten aus den roten Fleck über dem ausbrechenden Vulkan im schwarzen Nachthimmel erkennen konnten. Es hatte beinah etwas Magisches, dieses ungewöhnliche und zugleich faszinierende Naturspektakel miterleben zu können. 

Trotz des Ausgangsverbotes durch die Corona-Situation sind meine Tage oft prall gefüllt, insbesondere von schulischen Verpflichtungen. Viele der Hausaufgaben haben ein Abgabedatum und es finden regelmäßige Videokonferenzen zwischen den Lehrern und Schülern statt, um im Lehrplan fortzufahren oder Fragen und Probleme zu besprechen (wobei es meistens darauf hinausläuft, dass sich über die Menge an Hausaufgaben beschwert wird…).

Per Videokonferenz setzen meine Gastfamilie und ich nun schon seit einiger Zeit auch unseren wöchentlichen Yogakurs fort, dem ich mich direkt nach dem Gastfamilienwechsel im November angeschlossen habe. Anstatt also zwischen einer kleinen Gruppe von Leuten, die trotz des teilweise fortgeschritteneren Alters eindeutig beweglicher sind als ich es bin (darunter eine gefürchtete Lehrerin aus meiner Schule), im Abendlicht den Tag mit diversen (herausfordernden!) Yogaübungen zu beenden, führen wir dies nun im vertrauten Kreise meiner Gastfamilie auf der heimischen Terrasse über Video durch. Jedoch ist das gar nicht so einfach, denn sobald der Kater davon mitbekommt, dass sein Terrassen-Schlafplatz von sich verrenkenden und verknotenden Menschen auf Gummimatten in Beschlag genommen wird, ist Schluss mit lustig! Dann wird kläglich miaut und vor der Videokamera umherstolziert, bis mein Gastvater ihn mit Leckeren in die Küche lockt und wir fürs Erste unsere Ruhe haben. 

Vor einigen Tagen haben wir auf gewagte Weise alle zusammen im Garten eine Palme gefällt. Meine Gastmutter, meine Gastschwester und ich standen also auf der einen Seite und mussten das Seil halten, um die Palme, wenn es soweit war, ganz langsam nach unten fallen zu lassen, während mein Gastvater den Stamm durchsägte. Leider ist die Palme bei dem langsamen Runterlassen nicht wie erwartet gerade nach unten, sondern mit Schwung um die Kurve geflogen und mit voller Wucht im Pool direkt daneben gelandet. Nach einem kurzen Schrecken fingen wir schrecklich zu lachen an, befreiten den Pool von den Palmenresten und reinigten gemeinsam das Wasser (wobei uns direkt weniger zum Lachen zumute wurde). Danach gönnten wir uns, wie so oft in letzter Zeit, eine Art selbst gemachten, heißen Tee und stießen auf die tapfer-vollzogene Gartenaktion an. 

Mal sehen, welche aufregenden Projekte sich bis zum hoffentlich baldigen Ende der Ausgangssperre noch ergeben werden, denn zum kreativ werden ist Langeweile genau das Richtige!

Bis bald, Ella