!DOCTYPE html>

Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

Image can't be displayed.

Ella auf La Réunion

Im Dezember wird gefeiert!

Hallo zurück, 
Wenn sich im Dezember das Jahr dem Ende zuneigt, beginnt auch auf La Réunion die Zeit der Feiertage, Festessen und Großfamilien-Besuche. Allerdings läuft all das ein ganzes Stück anders ab, als man es wahrscheinlich von zu Hause gewohnt ist. Statt einem Kamin, heißer Schokolade und obligatorischen Wollhandschuhen, bringt die Weihnachtszeit hier eher eine sommerlich-lebhafte Stimmung mit sich und man feiert Weihnachten eben nicht nicht unter der Tanne im Haus, sondern unter dem Mango- oder Bananenbaum im Garten. 
 
Bevor wir jedoch die Weihnachtsfeiertage genießen und den Beginn der fünfwöchigen Sommerferien bejubeln konnten, standen noch ein paar besondere Ereignisse zum Jahresabschluss an. So wurde beispielsweise am letzten Schultag vor den Ferien ein Konzert in meinem Lycée organisiert, bei dem mutige Schüler auftreten und jegliche Art von künstlerischen Beiträgen präsentieren konnten. So entstand eine bunte Mischung aus Gesang, Tanz und instrumentalen Vorführungen verschiedenster Musikrichtungen. Mir hat diese Art von Schülerkonzert wirklich gut gefallen, da im Gegensatz zu dem sonst eher streng organisierten Schulalltag eine sehr entspannte und gemeinschaftliche Atmosphäre geschaffen wurde. 
Sogar im kleinen Petite île fand ein Weihnachtskonzert statt, welches von der örtlichen Musikschule arrangiert wurde und in einem Kinosaal stattfand. Da ich in dort seit Anfang des Schuljahres am freien Mittwoch-Nachmittag Gesangsunterricht nehme, habe ich sogar am Konzert teilgenommen und ein französisches Lied gesungen, welches von meiner Gesanglehrerin auf dem Klavier begleitet wurde. 

 
Dann war es endlich soweit, das große Schultor wurde geschlossen und die langersehnten Ferien begannen direkt mit dem Fèt Kaf, einem Feiertag auf La Réunion, der an die Abschaffung der Sklaverei gedenkt. Da zu diesem Anlass auf der ganzen Insel die Freiheit und die reunionesische Identität gefeiert werden, habe ich zusammen mit meiner Gastschwester verschiedene kreolische Spezialitäten gekostet, beispielsweise eine Schüssel gezuckerten Maisbrei mit einer scharfen Sauce aus Tomaten und Chili. Außerdem konnten wir bei der Herstellung von Körben und Stühlen aus Zuckerrohr zuschauen und den Klängen des kreolischen Maloya lauschen. 

 
Nach den letzten Tagen geheimnisvoller Weihnachts-Vorbereitungen und verheißungsvollen Düften aus der Küche, feierten wir Heiligabend schließlich zusammen mit vielen Freunden meiner Gastfamilie in heiterer Abendstimmung auf unserer Terrasse. Es wurde unheimlich viel gelacht, geschwatzt, Musik gemacht, getanzt und vor allem - was ohne Zweifel die Hauptbeschäftigung des Abends war - gegessen. Immer wieder kam mein Gastvater mit einem riesigen Topf in den Händen aus der Küche geeilt und präsentierte den nächsten Gang. Dabei ging es weit über das traditionelle Vor-, Haupt- und Nachspeise-Prinzip hinaus und durch die Vielzahl der unterschiedlichsten Gerichte waren wir mit dem letzten Dessert erst gegen halb drei fertig. Anstatt jedoch erschöpft und satt gegessen ins Bett zu fallen, wurde noch eine Weile weiter gefeiert und gemeinsam gesungen, und erst als man beinah die ersten Sonnenstrahlen aufgehen sah, haben sich die letzten Gäste auf den Heimweg gemacht. 

 
Nachdem wir uns alle kräftig ausgeschlafen haben, machte sich meine Gastfamilie mit mir einige Tage später (trotz des anhaltenden Gefühls eines zu vollen Bauches, welches von den gehaltvollen Weihnachtstagen zurückblieb) auf den Weg in den Westen Réunions, um dort ein wenig an einem Kanal entlang zu wandern, welcher einen zu einem traumhaften Wasserfall führt. Auf dem schmalen Pfad dorthin war meine Kamera beinah dauerhaft im Einsatz, denn zwischen wilden Gräsern, verflochtenen Wurzeln und emporragenden Bambushölzern, konnten wir sogar einige Chamäleons entdecken, die sich hier und da im Pflanzendickicht versteckten. Als wir schließlich am Ursprung des Kanals angekommen waren, machte uns die frühe Nachmittagshitze deutlich zu schaffen und somit beschlossen wir, uns im Strahl des Wasserfalls abzukühlen. Dabei machte es uns nichts aus, dass wir unsere Badesachen vergessen hatten und wir sprangen einfach mitsamt unserer Wanderkleidung in das kalte Wasser. Unsere tropfnassen Sachen hatten auch ein paar Stunden später noch einen angenehm erfrischenden Effekt, der bei der Hochsommer-Hitze wirklich guttat ;).

Am späten Nachmittag haben wir dann in einem kleinen Restaurant am Meer gemütlich gegessen und den abenteuerlichen Tag nett ausklingen lassen. Dort ist meine Gastmutter auf die lustige Idee gekommen, dass sie und mein Gastvater von nun an, sozusagen als Jahresvorhaben für 2020, jeden Tag einen Satz oder eine Redewendung auf deutsch von mir lernen, die ich im Gegenzug auf Créole beigebracht bekomme. Somit tauschen wir Tag für Tag ein kleines Stück unserer jeweiligen Kulturen aus und haben seitdem, vor allem wenn sich mein Gastvater an der deutschen Aussprache versucht, unheimlich viel zu lachen!
 
Frohes neues Jahr an euch alle und bis bald, Ella!

 

Ella berichtet über ihr Austauschjahr auf La Réunion. Hast du auch Lust auf einen Auslandsaufenthalt auf der Insel im Indischen Ozean? Wir beraten dich gerne!

Beratungstermin vereinbaren