Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Ella auf La Réunion

Auf in den Dschungel und Corona-Frei

Hallo ihr Lieben,

in das gewöhnlich so trubelig-bunte Alltagsgeschehen in Friseursalons und Eiscafés, an Straßenständen und Takeaways sowie auf Regionalmärkten und auf dem Schulhof ist eine ruhige, beinah gespenstige Stimmung gekehrt. Denn nun ist auch auf La Réunion vor zwei Wochen der erste Corona-Fall aufgetreten und das Leben hat sich seitdem in vielerlei Hinsicht verändert. Die Bäckersfrau in Petite île kommt mit dem Backen kaum hinterher und sobald man die Boulangerie betritt, wird man mit „Guten Tag! Wie viele Baguettes brauchen Sie?“ begrüßt. Die Straßen sind, bis auf ein paar streunenden Hunde, ausgestorben von jeglichem Leben und die ganze Insel scheint sich in einem tiefen Schlaf zu befinden.

Bevor die jetzigen Corona-Regelungen jedoch richtig in Kraft traten, hatten wir erst einmal eine Woche Ferien, in der sich noch niemand um das Virus sorgte. So besuchten meine Gastschwester und ich gleich am ersten Wochenende ein großes Musikfestival, was direkt an der Meeresküste gelegen war und über mehrere Abende andauerte. Das Festival war neben der tollen Musik bekannter französischer Künstler auch noch der Anlass dafür, jede Menge Leute aus unserem Lycée zu treffen und die belebte Abendstimmung sowie den Ferienanfang gemeinsam mit ihnen zu genießen.

Von den wunderbaren Erlebnissen dieses Wochenendes angetrieben, verabredete ich mich einige Tage später mit zwei deutschen Austauschschülerinnen, um zu dritt ein wenig vom Südosten der Insel zu erkunden. Wir nahmen verschiedene Busse und begaben uns zuerst zu einen Gewürzgarten, welcher sich mitten im Wald auf einem 800 Jahre alten Lavastrom befand. Dort besichtigten wir eine Vielzahl an tropischen Pflanzen und bestaunten deren Schönheit, während wir immer wieder einen kleinen Abstecher zur Garten-Rezeption machten, um uns dort mit Mückenspray einzusprühen. Vom Gewürzgarten aus fuhren wir ein Stück weiter Richtung Osten und setzten unsere Besichtigung schließlich zu Fuß fort. Die Umgebung, durch welche wir wanderten, trug nicht umsonst den Namen „Sud Sauvage“, denn der schmale Pfad, der als Wanderweg ausgeschrieben war, führte in einen Dschungel aus wilden Ranken und Farngewächsen, die nur so um uns herum wucherten.



Durch die aktuelle Regenzeit war die Luft unheimlich feucht und die dadurch umso aktiveren Insektenschwärme erschwerten uns das Wandern auf dem völlig matschigen Pfad. Trotz dieser Umstände hatten wir unglaublichen Spaß, uns durch das Pflanzendickicht zu kämpfen, stets begleitet vom Geräusch des offenen Meeres, welches nur wenige Meter neben uns gegen die Lavafelsen peitschte. Verschwitzt, zerstochen, durstig und voller Schlamm - aber trotz allem mit guter Laune und beeindruckt von solch einer tropischen Vegetation, die keiner von uns je zuvor gesehen hatte - kamen wir schließlich erschöpft am Ziel der Wanderung an und machten uns abschließend auf den Nachhauseweg.



Gleich am nächsten Tag machte sich meine Gastmutter mit mir auf den Weg, um einige Sehenswürdigkeiten, erneut auf der authentischen Ostseite der Insel, abzuklappern. So machten wir Halt an den verschiedensten Kirchen, sahen uns Schluchten und kleine Häfen an und sie zeigte mir eine riesige Auswahl wunderschöner Wasserfälle. Ganz besonders beeindruckend war unsere Straße, die direkt zwischen den kargen, abgekühlten Lavafeldern des Vulkans entlangführte, der in eine dichte Nebeldecke ragte.
Nach diesem eindrucksvollen Tag, den wir nett zusammen verbracht hatten, hörten wir auf dem Rückweg ganz überraschend in den Radionachrichten, dass in Frankreich und somit auch auf La Réunion, ab dem nächsten Tag eine Ausgangssperre wegen des Coronavirus in Kraft treten würde.





Seitdem verbringen meine Gastfamilie und ich unsere Zeit also zu Hause und trotz des Ausgangsverbotes langweilen wir uns keineswegs. Denn meine Gastschwester und ich bekommen täglich eine Menge Hausaufgaben zugesandt und auch meine Gastmutter arbeitet so gut sie kann von zu Hause aus, oder findet ansonsten kreative Aktionen für alle „Zuhausebleiber“, die wir dann meist als ganze Familie umsetzten. Außerdem bringt mir mein Gastvater regelmäßig neue Koch- oder Backrezepte bei, die wir dann gemeinsam zubereiten und uns schmecken lassen. Bei dem sommerlichen Wetter lässt es sich auch in unserem Garten sehr gut aushalten, manchmal sitze ich mit meiner Gitarre am Pool und lasse meine Füße im warmen Wasser und meine Gedanken in der Nachmittagssonne baumeln. Da man sich bis zu einem Kilometer weit vom Haus entfernen darf, mache ich gelegentlich kleine Spaziergänge durch die abendlich beleuchteten Zuckerrohrfelder, von denen aus man einen weiten Blick über die grüne Landschaft bis hin zum Ozean hat, und genieße die Stille und die frische Luft. Denn trotz aller guter Ideen, sich zu beschäftigen, ist man in dieser Situation natürlich ziemlich eingeschränkt und wünscht sich, dass diese so schnell wie möglich ein Ende findet und der normale Alltag wieder losgehen kann.  Denn schließlich lauert auf Réunion an jeder Ecke ein kleines Abenteuer, was sich auszuprobieren und zu entdecken lohnt!

Jetzt warten wir erst einmal ab und hoffen auf baldige gute Neuigkeiten :)

Bis bald, Ella