Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Timo in British Columbia

CNC-Oberfräse und Hebebühnen - Semester 2 beginnt

Anfang Februar fing auch schon das zweite Semester an, was dies für mich bedeutet: Die Hälfte meiner Zeit hier in Kanada ist leider schon vorbei und ich habe vier neue Fächer in der Schule. Mein Stundenplan umfasst jetzt Photography, Woodwork, PreCalc 12, Automotive Technology.

Photography:

Neue Fächer bedeuten erstmal, dass man nicht weiß, welche anderen Schüler noch in dem Kurs sind und ob man jemand anderes in diesem Fach kennt. Ich war am ersten Tag des zweiten Semesters früh in der Schule, habe mich kurz mit ein paar neuen Internationals unterhalten und bin dann zu meinem Photography Klassenraum gegangen. Dort habe ich eine kanadische Freundin getroffen, mit der ich in Theater Production im Ersten Semester schon viel Spaß zusammen hatte. Von da an war mir klar, dass Photography sehr lustig werden wird. Man merkt aber auch hier wieder, dass die Schulen sehr viel besser ausgestattet sind als in Deutschland. Wir haben z. B. sehr gute Canon Kameras und Objektive. Diese dürfen wir auch zu Hause und für private Zwecke benutzen. Außerdem bekommen wir vom Schuldistrikt Adobe Creative Cloud zur Verfügung gestellt, sodass wir die Fotos auch einfach und gut nachbearbeiten können (das hätte ich meiner Mutter besser nicht gesagt, da kam gleich ein Haufen Arbeit auf mich zu ). Photography ist ein sehr kreatives Fach, in dem wir jede Stunde ca. 100-200 Fotos machen. Wir haben immer am Anfang kurz Theorie und lernen etwas, das wir dann während der Stunde beim Fotografieren anwenden sollen. Man verbringt den Großteil der Stunde damit in kleinen Gruppen durch die Schule zu streifen und unter anderem die Fotos zum Thema der Stunde zu machen. Es entstehen aber in ca. 2 Stunden Zeit zum Fotografieren auch immer andere, lustige Fotos. Alles in allem ist Photography ein Fach, das mit Freunden sehr viel Spaß macht und in dem man „nebenbei“ viel Interessantes über Fotografie lernt.

Woodwork:

Auch in Woodwork bin ich mit einem kanadischen Freund zusammen, das wusste ich aber vorher schon, weswegen ich auf Woodwork um-gewählt haben. In Kanada sind die Schulen sehr viel praktischer und berufsorientierter ausgerichtet. Darum haben wir eine sehr gut ausgestattete Holz-, Metall- und Autowerkstatt. Für Woodwork haben wir unter anderem Tischkreissägen, Kappsägen und einen CNC-Oberfräse. Am Ende lackieren wir unsere Projekte dann in einem kleinen Raum mit Lackierpistole. Woodwork ist ein sehr kreatives Fach und macht als Seniorkurs sehr viel Spaß. Wir haben als kleines Einführungsprojekt ein Flaschenregal gebaut, damit unser Lehrer sieht, dass wir mit den Maschinen umgehen können. Die letzten 4/5 des Schuljahres haben wir Zeit an einem Projekt zu arbeiten, das wir uns selbst aussuchen dürfen. Wir müssen dafür ein Plakat erstellen, auf dem wir kurz mit Bildern und Stichpunkten darstellen, was wir machen. Außerdem müssen wir eine isometrische (von einer Ecke aus gesehen) Zeichnung und eine Zeichnung in Realgröße anfertigen. Die Zeichnung in Realgröße war für mich sehr lustig, denn ich habe auf dem Tisch gesessen / gehockt und bin über das Papier gekrochen. Weil wir eine kleine Klasse sind, dürfen wir an/auf den Tischen arbeiten, sonst fegt unser Lehrer den Boden und die Klasse muss auf dem Boden zeichnen. Ein anderer Schüler und ich sind mit dem Einführungsprojekt sehr schnell gewesen und der Klasse ein bisschen voraus, sodass wir nächste Stunde schon mit dem Bauen anfangen können. Am Ende der letzten Stunde habe ich mit meinem Lehrer zusammen noch versucht, an seinem Auto die Scheibenwischer zu wechseln (es hat nicht funktioniert, weil er die falschen hatte), weil ich schon fertig war.

Pre Calculus 12:

Ich habe auch in diesem Halbjahr wieder ein akademisches Fach. Dies ist Mathe 12. Das habe ich zusammen mit meinem Gastbruder. Mathe finde ich sehr einfach und es macht mir demnach etwas mehr Spaß als Physik im ersten Semester, auch wenn ich Physik eigentlich mehr mag. Wir haben aber auch eine super gute Lehrerin. Wir haben in Mathe bisher Polynomgleichungen und konische Figuren durchgenommen. In Kanada bekommen die Eltern die Ergebnisse von Tests und Quiz per E-Mail mitgeteilt.

Automotive Technology (Auto):

Des Weiteren haben wir in der Schuleine gut ausgestattete Autowerkstatt mit Hebebühnen und Reifen-wechsel-maschine. Unser Lehrer war die ersten paar Wochen nicht da, deswegen mussten wir bei dem Vertretungslehrer sehr viel Theorie und Papierkram machen, der irgendwann sehr anstrengend wird, auch wenn Auto ein Fach war, auf das ich mich mit am meisten gefreut habe. Als unser Lehrer wieder da war, durften wir endlich an Autos arbeiten. In der ersten Stunde, in der wir endlich „arbeiten“ durften, sollten wir eigentlich zu acht bei einem Auto die Reifen wechseln. Im Enddefekt habe ich zusammen mit einem Kanadier 3,5 der Reifen gewechselt. Reifenwechsel heißt: Auto auf die Hebebühne fahren, Räder abschrauben, Winterreifen von der Felge entfernen, Sommerreifen auf die Felge aufziehen, Reifen aufpumpen, alle Gewichte vom Reifen entfernen und den Reifen neu ausbalancieren und neue Gewichte daran kleben. Den ersten Reifen, den ich allein ausbalanciert habe, habe ich auf Anhieb auf 0-0 bekommen (wenn auf einer Seite 0.25 über ist, macht das nichts, denn das gleicht einem Stein im Profil). Das war so, wie ich mir Auto vorgestellt habe und wo ich mich drauf gefreut habe. Und mit solchen Sachen geht es jetzt jede Stunde weiter. Alles in allem habe ich einen sehr kreativ-praktischen Stundenplan. Das liegt allerdings daran, dass ich in Deutschland am Ende der 10. Klasse direkt in die 12. Klasse versetzt wurde und deshalb von Deutschland aus keine Vorgaben habe, welche Fächer ich hier in Kanada belegen muss. Viele Kanadier können ihre Fächer nicht so frei wählen, wie ich, weil sie zum Bestehen des Examens bestimmte Credits erreichen müssen. Einige haben diese Credits aber schon gesammelt und haben dadurch Spares (Unterrichtsfrei) oder wählen zusätzliche Fächer.

Was außerhalb der regulären Schulzeit so war:

An einem Samstag war für die Jugend der Kirche ein Polarbär-Dip: also man trifft sich und rennt bei 4° in den Okanagan Lake. Zum Glück schien an dem Tag die Sonne, so dass es sich nicht so kalt anfühlte. Es waren gleichviele Eltern wie Jugendliche dabei (insgesamt ca. 10) und mindestens doppelt so viele Zuschauer, die uns angefeuert haben. Dies war aber etwas, über das ich vorher schon gelesen hatte und das ich unbedingt einmal machen wollte. Das Wasser war ziemlich kalt. Hinterher gab es dann Hot Chocolate und Hot Dogs.

Eine Woche später hatten unsere Senior Girls Basketball Valley (also Region) Finals gegen die KSS (die große High-School in Kelowna). Ich habe das Spiel zusammen mit einigen Lehrerinnen von der OKM, die ich zum Großteil im Unterricht hatte, angeguckt. Es war ein sehr gutes Spiel. Unsere Schule hat hoch gewonnen. Mit das Beste waren aber die Maskottchen, unsere Schule hat einen Husky und die KSS hat eine Eule. Diese haben sich gegenseitig die ganze Zeit geärgert und versucht die Spieler bei Freiwürfen abzulenken. Dabei hatten sie immer neue kreative Ideen. Das Basketballspiel war auf AAAA Niveau, also ziemlich hoch. Unsere Schule hat sich für die Provincials (also British Columbia Ebene) qualifiziert. Dabei haben sie den 4. Platz belegt, was für das erste Mal AAAA Niveau sehr gut ist.

Letzten Samstag fand eine der Schulaufführungen von Mama Mia statt. Hier habe ich wie in den vorigen Berichten zu lesen am Set mitgebaut, darum wollte ich das Stück unbedingt sehen. Leider waren eigentlich alle Karten ausverkauft. Aber durch die Corona Einschränkungen wurden die Aufführungen verschoben und so habe ich noch eine Karte bekommen. Unsere Schule hat ein qualitativ sehr hochwertiges Theaterprogram. Einige Schüler, die an dem Kurs Triple Threat teilgenommen haben, gehen anschließend an führende kanadische Universitäten. Die Aufführung hat super viel Spaß gemacht. Es war mehr oder weniger wie der Film, nur in 3D und Live.