Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Anna in Neufundland

Mein Mai in Kanada

Hallo!

Ich sitze gerade in einem Naturpark auf einer Bank und schreibe diesen Artikel. Es hat 22 Grad, für neufundländische Verhältnisse also super warm! Die letzten Tage war es wieder ein bisschen bewölkt, letzte Woche hat es tatsächlich an einem Abend nochmal geschneit( der Schnee ist aber gottseidank gleich beim Auftreffen mit dem Grund geschmolzen). Mir geht es ganz gut, allerdings ist dieser Artikel von einem bittersüßen Gefühl begleitet: Es ist der letzte, den ich in Kanada schreiben werde! Die Zusammenfassung von nächstem Monat, vom Juni, wird dann schon wieder zuhause passieren.

Wie ist die Lage sonst so? Wie ihr schon an der Überschrift erkennen könnt, habe ich meine Gastfamilie gewechselt. Gastfamilie wechseln Anfang Mai, mein vorletzter Monat, das wirkt vielleicht ein wenig komisch, aber ich bin SO froh, dass ich es gemacht habe. Ich habe schon sehr lange- seit Januar eigentlich- darüber nachgedacht, mich aber nie wirklich getraut, den Plan in die Tat umzusetzen. Als dann meine richtige Familie im April kam, habe ich bemerkt, wie unglücklich in meiner alten Gastfamilie bin. Dann habe ich mit meinem Coordinator gesprochen und bin am ersten Mai zu meiner neuen Gastfamilie umgezogen. Ich lebe nun mit meiner Gastmutter, zwei Katzen, vielen Fischen und einem Hund zusammen. Ich habe auch Gastgeschwister: meine Gastschwester hat die letzten drei Wochen noch im Haus gewohnt, weil sie ein Praktikum- hier field placement genannt- gemacht hat, jetzt ist sie allerdings ausgezogen. Außerdem habe ich einen Gastbruder, der in St. Johns eine Ausbildung bei der Marine macht. Mit beiden verstehe ich mich sehr gut, und meinen Gastbruder haben wir auch schon in St. Johns besucht. Er kam auch mal an einem Wochenende vorbei, und meine Gastfamilie und ich haben dann einem Ausflug zu einem verlassenen Bunker gemacht, Basketball gespielt und waren Eis essen.

Meine neue Gastmutter ist allgemein sehr abenteuerlustig und mag es beschäftigt zu sein. Ich habe - im Gegensatz zu meiner alten Gastfamilie- immer was zu tun und wir unternehmen viel zusammen. Vorletztes Wochenende( wir hatten 4 tage frei, da es ein langes Wochenende war) habe ich mit ihr ihre Schwester und deren Familie in “Nugging Cove”, einem kleinen Ort am Meer besucht. Und mit klein meine ich SEHR klein: Dort leben 300 Einwohner. Es war superinteressant zu sehen, wie die Leute dort gelebt haben: Da man 45 Minuten zum nächsten Supermarkt fahren musste, hatten fast alle Hauser ihre eigene Wasserversorgung aus dem Boden. Die Grundstücke sind riesig, und da die nächste Kirche so weit weg ist, schalten sie sich zur Messe am Sonntag immer online zu. Das haben wir allerdings nicht gemacht, wir haben da einmal zugeguckt. Außerdem haben wir die Luft genossen, waren wandern und haben Lobster frisch aus dem Meer gegessen. Der hat unglaublich geschmeckt! 

Das Wochenende darauf waren wir in Corner Brook, eine etwas größere Stadt ganz im Westen Neufundlands, weil wir meiner Gastschwester beim umziehen geholfen haben. Dort waren wir noch in einem Insectarium und einem Schmetterlingsgarten. 

Die ersten zwei Wochen im Mai war ich übrigens sehr beschäftigt, da wir am 13., 14. Und 15. Mai das Musical “ Footloose” aufgeführt haben! Wir hatten praktisch jeden Tag nach der Schule practice und alle waren übel gestresst. Wir hatten die ganzen Fäden noch nicht so wirklich zusammengeführt, und bei der Generalprobe gab es noch Aussetzer, Leute fehlten und jemand hatte seinen Text vergessen… das war allerdings halb so schlimm, denn die Aufführungen waren ein voller Erfolg! Wir waren alle sehr nervös, da der ganze Saal ausverkauft war, und das Stresslevel war auf 100! Doch als dann der Vorhang hochging, lief alles wie am Schnürchen! Auch die zwei darauffolgenden Aufführungen liefen gut. Es hat total viel Spaß gemacht, und auch wenn ich keine große Rolle hatte, habe ich total viel vom ganzen Musicalerlebnis mitgenommen. Wir sind als Gruppe zusammengewachsen, und auch obwohl- oder gerade weil- die Leute so verschieden waren, wurden wir am Schluss alle ein Team. Dazu beitragen hat auch eine Castparty, bei der wir die Footloosesongs aus voller Kehle gegrölt haben und so viele Leute kamen, dass es eng im Haus wurde.

Auch ansonsten- abgesehen vom Musical und der Zeit mit meiner Gastfamilie hatte ich viel zu tun! Ich habe viel mit Freunden unternommen: Wir waren im Thriftstore, zweimal im Kino und habe viel Karten gespielt… eine Freundin ist tatsächlich auch schon abgeflogen. Wir alle haben ein komisches Gefühl, ich kann irgendwie gar nicht realisieren, dass es schon bald wieder nach hause geht. Auf der anderen Seite bin ich traurig, auf der anderen freue ich mich total darauf, meine Familie und meine Freunde in Deutschland wieder zusehen. 

Auch Eishockey geht übrigens zu Ende. Also das Training ist schon lange vorbei, aber wir hatten neulich einmal ein “Teambarbecue” bei dem Coach zuhause, wo die zwei anderen Austauschschülerinnen und ich jeweils ein Hockeytrikot der “Cataracts” als Abschiedsgeschenk bekommen haben- mit unserem Namen, einer Deutschland- und einer Kanadaflagge darauf. Das war total schön, aber natürlich waren wir in diesem Moment sehr emotional, weil wir glaube ich realisiert haben, dass es jetzt wirklich alles zu Ende geht.

Der Countdown läuft! Nur noch 21 Tage- 3 Wochen, und dann steige ich in den Flieger und verlasse Neufundland. Es wird ein bittersüßer Abschied werden.