Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Anna in Neufundland

Mein April in Kanada

Hallo, hallo,

gerade sitze ich im Garten, die Sonne scheint und für neufundländische Verhältnisse ist es eigentlich ziemlich warm. Vorhin war ich mit meiner Gastschwester und dem Hund wandern, und jetzt werde ich den Nachmittag mit sonnenbaden verbringen (was man eeendlich wieder machen kann!  und diesen Artikel schreiben. Was gibt es so über den letzten Monat zu berichten?

Also: Meine Familie ist aus Deutschland gekommen und hat mich besucht! Ich hab mich totaaal gefreut, sie endlich alle nach mehr als 7 Monaten wiederzusehen. Am Anfang dachte ich eigentlich, dass es komisch wird, sich nach so langer Zeit wieder in Person – und nicht durch einen Bildschirm- zu treffen, aber das war überhaupt nicht der Fall. Ich bin mit dem Bus nach St. Johns, Neufundlands Hauptstadt gefahren, wo wir uns treffen sollten, und habe im Hotel auf sie gewartet. Allerdings sind sie erst am nächsten Morgen aufgetaucht, da sie ihren Flug verpasst hatten.

Es war wieder gleich ganz normal, als wir uns gesehen haben, als wären wir nur zwei Wochen getrennt gewesen. Die nächsten Tage haben wir dann St. Johns erkundet: Wir sind Signal Hill hochgewandert, waren im „The Rooms“ Museum, und noch viel mehr. Ich habe mich auch noch mit zwei Austauschschülerinnen aus St. Johns getroffen, die ich beim Skiausflug kennengelernt habe. Nach vier Tagen sind wir dann zu unserem großen Roadtrip aufgebrochen. Unser Plan war, von St. Johns innerhalb von zwei Wochen bis an die Ostküste zum Gros Morne Nationalpark und zurück zu fahren.

Als ersten Stopp sind wir nach Clarenville gefahren, eine kleine, eigentlich nicht besonders erwähnenswerte Stadt, die allerdings auf dem Weg lag. Dort waren wir dann in einem kleinen, süßen Cafe und sind ein bisschen spazieren gegangen. Am nächsten Tag dann sind wir nach Twillingate aufgebrochen, und über die kleinsten, bröckeligsten Straßen durch die Wildnis gefahren. Twillingate ist ein 3.000-Einwohnerdorf an der Nordküste, und wir trafen auf eine große Überraschung: Der ganze Hafen war voller Eisschollen! Es war super kalt, daher war das ganze Meer zu einem „Eismeer“ geworden. Immer wenn Wellen kamen, hat diese weiße Eisdecke angefangen zu wogen. In Twillingate waren wir in einem kleinen B´n´B bei einem älteren Ehepaar, wo wir für zwei Tage geblieben sind, um uns die Halbinsel ein bisschen mehr anzuschauen. Die haben uns empfohlen, zum Leuchtturm zu wandern, was wir dann auch gemacht haben. Es gab eine wunderbare Aussicht, und wir haben einen Polizist getroffen, der im Dienst war und Ausschau nach Eisbergen gehalten hat… allerdings haben wir in Twillingate keine gesehen.

Danach waren wir noch bei einem Walk-thru-Café, „The Crow“, das wie ein Drive-Thru funktioniert hat, nur dass man durchlaufen musste. Der Besitzer war gerade allerdings im Hafen Müll sammeln, deswegen haben wir ein bisschen warten müssen. Alles in allem ist Twillingate ein sehr schöner kleiner Ort und auch wenn man ein bisschen lange fahren muss, um ihn zu erreichen, ist er sehr zu empfehlen. Weil wir unseren Trip eher in der Nebensaison gemacht haben, haben sich die Einheimischen sehr gefreut, ein paar Touristen nach dem langen Winter zu sehen, weil es bedeutet, dass die Saison endlich bald wieder losgeht. Der Cafébesitzer hat uns erzählt, dass die Deutschen und Schweizer meistens die ersten Touristen im Jahr sind, deswegen hat er gleich gewusst wo wir herkommen.

Von Twillingate sind wir dann weiter nach Springdale gefahren, ein kleines, nicht besonders schönes Dörfchen. Das war allerdings nur ein Zwischenstopp nach Gros Morne, was wir am Tag darauf erreicht haben. Gros Morne ist wunderschön, und weil wir im April gegangen sind, war es noch relativ kalt, und es lag an manchen Stellen auch noch viel Schnee. Viele typische „Touristenattraktionen“ waren geschlossen, deshalb war es manchmal ein bisschen schwer, eine Aktivität für die Familie zu finden. Auch weil wir nur Wander- und keine Schneeschuhe dabeihatten, mussten wir erstmal Wanderwege ohne Schnee finden. Wir haben dort auch noch die kleinen Fischerorte, zum Beispiel Rocky Harbour und Trout River, rund um die Küste besucht  und viel „fried Cod fish“ in schnuckligen Restaurants gegessen.

Weil wir übers Osterwochenende im Nationalpark waren, mussten wir uns davor noch im nächsten Supermarkt eindecken- der war eine Stunde entfernt (haha). Der Nationalpark war unglaublich schön, es war sehr sehr wenig Zivilisation, und meistens waren wir die einzigen Menschen im Umkreis von ein paar Kilometern. Auf den Straßen kam bloß alle zehn Minuten ein Auto- ab und zu auch mal zwei. An den Abenden sind wir immer todmüde vom ganzen Wandern und der frischen Luft ins Bett gefallen.

Nach unseren Tagen in Gros Morne haben wir uns wieder auf den Rückweg Richtung St. Johns an der Ostküste gemacht, und der erste Stopp war Grand Falls-Windsor, die Stadt, in der ich mein Auslandsjahr verbringe. Wir waren zuerst am Fluss entlang wandern, und dann haben wir uns mit meinem Local Coordinator, der meine Eltern treffen wollte, in einem Café getroffen. Am Abend sind wir zu meiner Gastfamilie gefahren, wo meine Familie übernachten durfte. Wir haben einen schönen Abend mit Monopoly spielen und einer Goldgräber-Fernsehsendung verbracht.

Am nächsten Morgen sind wir zu unserem vorletzten Stopp gefahren, an dem wir zwei Tage geblieben sind: Little Catalina. Little Catalina ist auf der Bonavista-Halbinsel, die eine bekannte Touristenregion ist. Dort ist es wirklich wunderschön, und es war auch deutlich wärmer als in Twillingate und Gros Morne. Wir waren in einem kleinen Ferienhaus, hinter den gleich ein Wanderweg zur Küste losging. Den sind wir natürlich auch gleich gelaufen und beim nächsten Dorf rausgekommen.. Die Aussichten waren super schön, die Bonavista-Halbinsel kann ich als Ferienziel auch nur empfehlen! Wir sind an einem Tag nach Bonavista, der größten Stadt dort (mit ca 4000 Einwohnern) gefahren und zum Leuchtturm gewandert. Dort haben wir dann-  haltet euch fest- auch einen Eisberg gesehen! Er war ziemlich weit weg von der Küste, man konnte ihn mit blossem Auge allerdings trotzdem recht gut sehen! Wir haben natürlich ganz viele Fotos gemacht.

Nach diesen zwei schönen Tagen ging es dann zurück nach St. Johns, wo wir auch noch zwei Mal übernachtet und uns ein paar weitere Touristenattraktionen angesehen haben. Dann sind meine Eltern und mein Bruder wieder zurück nach Hause geflogen (sie kamen nicht mehr ins Anschlussflugzeug und mussten übernachten), und ich bin mit dem Bus zurück nach Grand Falls-Windsor gefahren. Die nächsten Tage hatte ich natürlich ein bisschen Heimweh, aber mir hat es geholfen, dass es ein paar anderen Austauschschülern genauso ging, die auch Urlaub mit ihren Eltern gemacht haben. Der Urlaub war alles in allem sehr cool, und ich fand es besonders toll, dass meine Familie den Ort gesehen hat, wo ich die letzten acht Monate verbracht habe.