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Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Florentine in British Columbia

Meine ersten zwei Monate – (Schul-)alltag, Thanksgiving und Halloween

Hello everyone!

Über zwei Monate bin ich jetzt schon in Kanada – und wenn ich ehrlich bin, möchte ich im Moment gar nicht mehr weg.

Mir ist aufgefallen, dass ich bei meinem letzten Bericht total vergessen habe zu sagen, wo genau in British Columbia ich eigentlich bin. Das werde ich jetzt sofort nachholen. In Kanada sind die Provinzen in einzelne Schuldistrikte eingeteilt und ich wohne im 42. Distrikt, Maple Ridge – Pitt Meadows. Die beiden Städte gehören zum gleichen Distrikt, aber ich bin in Maple Ridge bei meiner Gastfamilie untergebracht.

In den drei Monaten, die ich schon hier bin, hat sich eine ganze Menge verändert im Vergleich zu meinen ersten Wochen. Aber erst einmal von Anfang an…

An meinem ersten Schultag musste ich um kurz nach sieben aufstehen, bin aber um ehrlich zu sein erst kurz vor halb acht aufgestanden, weil ich noch ein bisschen mit der Zeitumstellung von deutscher zu kanadischer Zeit zu kämpfen hatte. Das ist aber ganz normal und nach ein paar Wochen gewöhnt sich der Körper auch daran. Nach einem schnellen Frühstück sind wir dann zu unseren Nachbarn gegangen, weil meine Gastfamilie und unsere Nachbarn eng befreundet sind und ihre Tochter die beste Freundin meiner Gastschwester ist. Die Mutter der besten Freundin meiner Gastschwester fährt uns jeden Morgen zur Schule, weil sie sowieso zur Arbeit muss und uns gleich an der Schule absetzen kann. Sonst würden wir zur Schule laufen oder den Bus nehmen. Die berühmten gelben Schulbusse werden tatsächlich an meiner Schule nur dafür genutzt die Schüler, die wirklich weit weg wohnen, zur Schule zu bringen. Meine Schule ist generell die kleinste im ganzen Distrikt und hat vielleicht achthundert Schüler.

Dann endlich angekommen, hatte ich schon ein bisschen Magengrummeln und war ziemlich aufgeregt. Als erstes hatte ich meine Kochklasse und habe mir die ganze Zeit Sorgen gemacht, ob alles klappt und wie es wohl wird. Dann hab ich aber versucht an den Tipp zu denken, den ehemalige Austauschschüler mir gegeben haben: Sei einfach offen und es wird alles gut. Also habe ich gleich zwei Mädchen angesprochen, die mit mir auf den Beginn der Stunde gewartet haben und habe gefragt, wie sie heißen und erklärt, dass ich eine Austauschschülerin bin und sehr aufgeregt. Die beiden waren sehr freundlich zu mir und haben mir Mut zugesprochen und gesagt, dass ich mir nicht all zu große Sorgen machen soll. Danach konnte ich mich fürs Erste entspannen. Genauso habe ich versucht in allen anderen Klassen in den folgenden Tagen mindestens eine Person anzusprechen, um immer eine Bezugsperson in dem Unterrichtsfach zu haben, die mir helfen kann, wenn ich Probleme habe. Ich habe auch alle meine Lehrer kennengelernt und war sofort ganz begeistert. Sie waren alle gleich sehr freundlich und haben mich gefragt, wo ich herkomme und sich wirklich für mich als Person interessiert, was in Deutschland ja eher ungewöhnlich bei Lehrern ist. Auch sind in den ersten Wochen nach und nach immer mehr Austauschschüler in der Mittagspause zusammengekommen und jetzt sind wir eine große Gruppe, die beim Lunch immer zusammensitzt. Wir sind Deutsche, Brasilianer, Mexikaner, Italiener, Japaner und seit Neustem gehört auch eine Australierin zur Gruppe.

Mein Schultag besteht immer aus vier Unterrichtsblöcken: Montags, Tag 1, finden Unterrichtsblöcke „durchnummeriert“ von A-D statt, dienstags, Tag 2, von E-H und am Mittwoch, Tag 3, gibt es die gleichen Fächer wie am Montag und am Donnerstag, Tag 4, gibt es die gleichen Fächer wie am Dienstag. Allerdings sind die dann in einer anderen Reihenfolge. Freitags wird dann immer durchgewechselt von Tag 1-4. Am Anfang wirkt das alles sehr verwirrend und ich habe selber einen ganzen Monat gebraucht, um das System zu verstehen, aber jetzt fällt es mir relativ einfach. Zwischen dem ersten und dem zweiten Block gibt es dann immer noch fünfzig Minuten, die Flex genannt werden. Dort kann jeder an Hausaufgaben, oder wie wir in Kanada sagen: „Assignments“, arbeiten, für Tests und Arbeiten üben oder sich mit Freunden treffen. Eine normale Schulstunde dauert hier in etwa 65 bis 70 Minuten. Nach Block Zwei findet dann Lunch für eine halbe Stunde statt und wir können Essen in der Cafeteria kaufen, im Kiosk oder am Automaten oder etwas, was vom Social Justice Club ausgeteilt wird. Der gesamte Schultag geht von 8:30 Uhr bis 14:40 Uhr.

In der Schule gibt es zahlreiche Angebote für Aktivitäten innerhalb und außerhalb der Schule. Der Outdoor Club, der Book Club, School of Rock, Volleyball, Basketball, Soccer, um ein paar zu nennen, denn es gibt noch so viele mehr. Ich bin nach sehr kurzer Zeit dem Field Hockey Team beigetreten und wir hatten unsere ersten Spiele im September und Oktober, aber jetzt ist erst einmal Saisonende und nächstes Jahr im Frühling wird wieder gespielt. Wir haben sogar richtig tolle blaue Uniformen bekommen, darüber habe ich mich total gefreut. Neben dem Field Hockey Team bin ich außerdem dem Social Justice Club beigetreten. Im Social Justice Club werden gemeinnützige Sachen für die Schule gemacht und seit ein paar Wochen verkaufen wir Mützen. Für jede verkaufte Mütze spendet die Herstellerin eine weitere an bedürftige Menschen. Ich finde die Aktion so toll, dass ich mir sogar zwei Mützen kaufen werde.

Nach meinen ersten Wochen hat sich dann aber doch noch etwas geändert: Mein Stundenplan. Zuerst habe ich gar nichts davon mitbekommen, weil ich über die Lautsprecher zum Office gerufen wurde, mein Nachname aber komplett falsch ausgesprochen wurde und ich nicht wusste, dass sie mich meinen. Viel hat sich dann allerdings nicht geändert, nur die Reihenfolge meiner Stunden und Sport wurde durch Active Living ersetzt. In Active Living machen wir meistens Yoga, aber manchmal gehen wir auch nach draußen für einen Walk oder machen Cardio-Training. Im Groben und Ganzen geht es einfach darum sich einem gesunden Lebensstil bewusst zu werden.

Aber auch sonst ist eine ganze Menge passiert. Am Anfang des Schuljahres wurden die Preise und Auszeichnungen der Schüler für ihre Leistungen und Aktivitäten im letzten Schuljahr verteilt. Für solche Veranstaltungen kommt immer die ganze Schule in der Sporthalle zusammen. An einem anderen Tag kamen Politiker aus dem Distrikt in die Schule und haben für ihre Partei Werbung gemacht und erzählt wofür sie stehen. An einem sehr regnerischen und kalten Tag fand dann mein Geography Field Trip nach Vancouver statt. Unser Guide hat sehr viele Sachen erzählt, von denen ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht viel verstanden habe, da mein Englisch da noch nicht so ausgeprägt war. Am Ende haben wir noch eine Art Schnitzeljagd durch die Stadt gemacht samt Lehrern. Man vergisst hier sehr schnell, dass die Leute Lehrer sind, weil sie so offen sind, viel erzählen und eine Menge von sich und ihrem Leben preisgeben.

Wieder ein paar Wochen später fand dann eine Veranstaltung von unseren verschiedenen Schüler- und Lehrerteams statt. Es gibt blau, rot, grün und lila und jedes Team versucht so viele Punkte wie möglich zu sammeln, um am Ende den Pokal der Schule zu gewinnen. Bei der Veranstaltung gab es kleine Wettkämpfe, aber sonst finden auch Tage statt, an denen alle Schüler im Schlafanzug kommen oder in Sporttrikots. Außerdem gibt es auch Tage an denen die Schule eine Stunde später anfängt: „Late-Starts“ und Tage an denen die Schule ganz geschlossen bleibt. Dafür gibt es hier keine Herbstferien.

Zwei Tage vor Halloween haben sich meine Gastfamilie und die Familie unserer Nachbarn in der Garage getroffen und Kürbisse geschnitzt. Mein Kürbis sah zwar nicht so aus wie ich es mir am Anfang gedacht hatte, aber ich war trotzdem zufrieden. Am Tag vor Halloween gab es in meiner Schule noch einen Abend mit viel Musik, tanzen und vielen bunten und sehr ausgefallenen Kostümen. Ich hatte so viel Spaß mit meinen Freunden und war am Ende sogar ziemlich heiser. Am 31. Oktober kamen dann noch viele mit ihren Kostümen in die Schule und auch an dem Tag gab es wieder Veranstaltungen in der Schule. Am Abend bin ich dann mit meinen Gastschwestern und der besten Freundin meiner kanadischen Gastschwester zum „Trick or Treating“ gegangen und, obwohl meine japanische Gastschwester und ich schon etwas zu alt sind, haben wir trotzdem noch Süßigkeiten bekommen.

Vor einem Monat wurde es dann auch nochmal sehr aufregend in der Schule, denn ein Vogel ist ins Schulgebäude geflogen und hat einfach den Weg nach draußen nicht mehr gefunden. Jegliche Rettungsversuche des Personals sind gescheitert und der Vogel hat sich partout geweigert auch nur Hilfe anzunehmen. Zum Glück hat der arme Vogel dann nach einer Woche den Weg wieder nach draußen in die Freiheit gefunden, denn mit den Hinterlassenschaften, die das Personal dauernd wegmachen musste, wurde es dann doch etwas unangenehm.

Natürlich sind aber auch Sachen außerhalb der Schule passiert. Ich bin mit Freunden nach Vancouver und in verschiedene Malls gefahren, habe den Park und ein echt tolles Café kennengelernt und den Geburtstag meiner kanadischen Gastschwester gefeiert. Dazu kommen viele gemeinsame Abende nur mit meinen Gastschwestern, Netflix und viel Gesang. Außerdem durfte ich die Cousine, den Cousin und die beiden Brüder meiner kanadischen Gastschwester kennenlernen. Ihre Brüder waren mir von Anfang an sympathisch und auch ihre Cousine und ihr Cousin sind wirklich zum Knuddeln, obwohl sie manchmal auch sehr anstrengend sein können.

Der Herbst hier war auch einfach unglaublich mit den vielen wunderschönen, farbigen Blättern und der ganzen Halloween-Deko. Und dann war da natürlich noch Thanksgiving! Am Nachmittag sind wir zur Gastgrandma gefahren für das große Dinner und es war einfach nur amazing! Also dafür gibt es eigentlich nicht mal richtige Worte. Alles hat so gut geschmeckt und ich wünschte wir hätten so ein Dinner auch in Deutschland mit Truthahn, Gemüse, der berühmten Gravy Sauce und dem leckeren Pumpkin-Pie.

In der Schule läuft es eigentlich auch ganz gut und ich habe so gut wie keine Verständnisprobleme mehr. Nur manchmal muss ich nachfragen, wie oder was etwas heißt oder ob ich für eine Aufgabe länger Zeit bekomme, aber meistens sind die Lehrer da sehr entspannt. Ich habe jetzt Freunde aus Brasilien, Spanien, Japan und Deutschland und ich fange an Freundschaften zu Kanadiern aufzubauen. Mit meinen Freunden und meiner Familie in Deutschland halte ich Kontakt über E-Mails und Telefonate einmal pro Woche und mit meinen Gastschwestern fühlt es sich so an, als ob wir uns schon immer kennen würden. Ich bin jetzt in Kanada angekommen und möchte überhaupt nicht mehr weg, weil ich im Moment einfach die beste Zeit meines Lebens erlebe, obwohl nebenbei noch viel Schulstress ansteht.

Ich hoffe, dass du Spaß dabei hattest von meiner Zeit in Kanada zu lesen und bei so einem langen Text noch nicht eingeschlafen bist, aber hier ist einfach immer etwas los.

In meinem nächsten Artikel werde ich von meinem November in Kanada berichten und auch da gibt es wieder viel zu erzählen. Vielen Dank fürs Lesen und die Zeit, die du dir genommen hast.

See you soon,

Florentine