Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Valerie in Japan

Eine etwas "andere" Schule

Erfahrungsbericht von Valerie-Anne, High School in Tokyo

Ich hatte mir schon länger darüber Gedanken gemacht, ob ich nicht ein Jahr im Ausland verbringen sollte und mein heimliches Wunschland war „Japan“. Allerdings war ich mir nicht ganz sicher, ob es eine gute Idee war, so ganz ohne Vorkenntnisse ein Auslandsjahr in der Fremde, mitten in der Schulzeit, einzulegen. Als mir dann eine Schulfreundin erzählte, sie würde ein Jahr nach Argentinien gehen, dachte ich mir „Warum sollte ich das nicht auch versuchen?“. So war der Gedanke an mein Auslandsjahr geboren.

 
Am 2. September bin ich dann mit fünf anderen Japanliebhabern losgeflogen. 
 
Ich betrachte es als Glück nicht alleine gewesen zu sein, denn ca.12 Stunden Reisezeit sind in einer Gruppe leichter zu ertragen. Als wir dann in Tokio ankamen, hatten wir noch 3 Tage Vorbereitungsseminar, bevor wir in die einzelnen Familien entlassen wurden. Leider war die Hälfte des Vorbereitungskurses auf japanisch und ich verstand zu dieser Zeit nur wenig dieser Sprache.
 
Ich möchte keine Angst verbreiten, aber für jemand der japanisch nicht richtig kann oder versteht, ist es am Anfang sehr schwierig. Doch mit etwas Glück und genügend Durchhaltewillen ist es durchaus machbar. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich nur davor warnen, sich zu schämen falsch zu sprechen oder sich nicht richtig auszudrücken, denn aus der Angst heraus etwas Falsches zu sagen, gar nichts bzw. sehr wenig zu reden, kann durchaus Schwierigkeiten entstehen. 
 
Am Ende dieser 3 Tage haben wir dann zum ersten Mal unsere Gastfamilien gesehen. Meine Gastfamilie bestand aus meinen Gasteltern (Hideaki-san & Shizuno-san), einem Hund (Billi-chan) und einer andern Austauschschülerin (Meriem). Da meine Gasteltern beide Englisch sprechen, haben wir uns von Beginn an auf Englisch unterhalten. Das lag aber eher an unseren anfangs schlechten Japanischkenntnissen.
 
Gleich am ersten Tag haben Sie uns zu unserer Gastgroßmutter gebracht (Baba-chan), die wir Anfangs gar nicht verstanden haben. Das hat sich während des Jahres zum Glück schnell geändert, denn sie war eine echt lustige Person, die immer irgendwelche Witze auf Lager hatte.
 
Eine Woche danach hat bei uns die Schule angefangen. Und der Schulweg war, obwohl wir zu zweit waren, das ganze Jahr über relativ anstrengend, denn wir haben für eine Strecke ca. eineinhalb Stunden gebraucht. Das lag daran, dass wir in einem Außenbezirk von Tokio lebten, unsere Schule aber in Yokohama, einer 30 km entfernten Hafenstadt lag.
 
Diese Schule war vollkommen anders als „normale“ japanische Schulen, denn es gab fast keine Regeln. Die Schule mit dem Namen „Yokohama Minato Sogo Gakkou“ hat vor 9 Jahren frisch eröffnet und mit diesem Neubeginn alle „normalen“ Regeln abgeschafft - z.B. konnten alle Schüler ihre Schuluniformen so tragen wie sie wollten und mussten sich nicht so strengen Regeln unterziehen, wie sie an ziemlich allen anderen Schulen in Japan üblich sind. Als Beispiel dient die einzige Vorschrift: Schüler haben den Schulrock oder die Schulhose zu tragen (egal welches Geschlecht). Und obwohl einige Mädchen in Uniformhose zur Schule gingen, haben sich nur wenige Jungs während dem Bunka-sai (Schulfest) getraut einen Rock zu tragen
 
Die Kehrseite dieser lockeren Regeln ist aber, dass hier nicht die spätere Elite Japans ausgebildet wird. Doch genau aus diesem Grund war für mich und andere Austauschschüler einiges einfacher, z.B. wenn ich etwas mit meinen Freunden machen wollte, habe ich nie die Antwort: „Sorry, aber ich muss lernen“ gehört.
 
Ich war die ersten 7 Monate in einer reinen Mädchenklasse (in diesem Jahr gab es zu wenig Jungs...). Wir waren 40 Mädchen und im Gegensatz dazu war die Mehrheit der Lehrer Männer. Deshalb war es relativ leicht sie immer wieder zu irgendetwas zu überreden; zum Beispiel während der Olympischen Spiele haben wir im naturwissenschaftlichen Unterricht das Finale des Eiskunstlaufs der Frauen (hauptsächlich wegen der japanischen Eisläuferin Mao Asada) angeschaut. Was ich auch gut finde ist die Beziehung die man dort zu den Lehrern hat, denn sie scheinen ein bisschen wie die Helfer der Schüler zu sein. Man kann bei Problem einfach zu ihnen gehen und mit ihnen darüber reden (natürlich auf japanisch).
Obwohl ich allem Neuen versuche, sehr aufgeschlossen gegenüber zu stehen, habe ich fast 4 Monate gebraucht um Freunde zu finden. Letztlich hat mich eine Gruppe von Mädchen am letzten Schultag vor den Winterferien zum gemeinsamen Essen gehen eingeladen und von da an war ich aufgenommen. 
 
Es war eine sehr lustige Zeit, denn wir haben als Gruppe den größten Blödsinn angestellt. Außerdem waren wir im „Teezeremonie-Club“ zusammen, wo wir auch immer ziemlich viel gelacht haben, außer wenn die Lehrerin da war natürlich...
 
Diesen Mädchen bin ich sehr dankbar über meine Aufnahme in ihre Clique, denn sie haben mich beim erlernen der japanischen Sprache und Sitten motiviert und unterstützt; haben mich in Yokohama wie eine Einheimische herumgeführt und immer versucht, mir das Leben etwas leichter zu machen.
 
Deshalb ist mein größter Wunsch meine Klasse noch einmal zu sehen, bevor sie ihren Abschluss machen und alle auseinander gehen, denn irgendwie gehöre ich ein bisschen dazu und es ist auch ein bisschen mein Abschluss... Auf jeden Fall waren alle meine ehemaligen Klassenkameradinnen und ich uns darüber einig!
 
Wie schon gesagt habe ich mich erst im letzten Augenblick dafür entschieden nach Japan zu gehen, aber was ich dort erlebt, gesehen und gelernt habe, werde ich nie vergessen.
 

Deshalb kann ich nur raten: Wenn die Möglichkeit besteht in jungen Jahren ein Auslandsjahr zu machen, nutzt sie. Egal für welches Land man sich entscheidet, ihr werdet es nicht bereuen.

Japan Girl in a Kimono

Valerie berichtet über ihre Erlebnisse in Japan. Möchtest du auch gerne einen Auslandsaufenthalt in Japan verbringen? Wir beraten dich gerne!

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