Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Katharina in England

Mein Auslandsjahr neigt sich so langsam aber sicher dem Ende entgegen. Jetzt, wenn ich den Bericht für Mai verfasse, ist es ja schon Anfang Juni und ich habe nur noch fünf Wochen vor mir. Aber fangen wir mal vom Beginn des Monats Mai an.

In der Schule läuft gerade alles einen bisschen drunter und drüber, da die GCSE und A-Level Exams anfangen. GCSE‘s sind Tests für die Klassenstufe 11 (entspricht der Klasse 10 in Deutschland), welche bestanden werden müssen, um in die Oberstufe zu kommen. Insgesamt muss jeder Schüler etwa 20 Arbeiten in neun ausgewählten Fächern absolvieren. Für die Engländer sind diese Tests extrem wichtig und bereits in der Klassenstufe 10 fängt die Vorbereitungszeit an. Gleichzeitig laufen aber auch noch die A-Level-Prüfungen, die dem deutschen Abitur entsprechen. Das Schulgebäude ist gleich viel leerer, da beide Klassenstufen nur noch zu ihren Prüfungen in die Schule kommen müssen. Für die elften Klassen haben wir an ihrem letzten Tag extra ein kleines Abschieds-Frühstück vorbereitet.



Ich hatte ja schon einmal erwähnt, dass es hier in der Schule insgesamt ein bisschen entspannter zugeht als in Deutschland. Man könnte sogar sagen, dass den Schülern hier vieles mehr oder weniger vor die Nase gehalten wird. Das zeigte sich zum Beispiel kürzlich wieder, als wir die Aufgabe bekamen, mindestens fünf Minuten frei vor der Klasse über ein beliebiges Thema unserer Wahl zu sprechen. Man muss dazu sagen, dass unser Kurs aus nur fünf Leuten besteht. Wir hätten als Thema selbst unseren Hund oder unser letztes Frühstück auswählen können. Die Hauptsache war, man redete mindestens fünf Minuten ohne Unterbrechung. Dafür hatten wir sogar eine Woche Vorbereitungszeit. Ich habe über die Unterschiede zwischen England und Deutschland gesprochen und wurde nach über zehn Minuten von der Lehrerin gestoppt. Meine englischen Mitschüler haben über ihre Familien geredet, waren aber nach weniger als drei Minuten bereits fertig. Das hat mich schon etwas verblüfft. Aber auch in meinen anderen Kursen habe ich selten erlebt, dass jemand eine für deutsche Schulverhältnisse „normale“ Präsentation hält. In den Arbeiten wird zwar Wert auf eine saubere Herleitung und das Abwägen von Argumenten gelegt, aber das beschränkt sich eben auf den schriftlichen Bereich bei Aufsätzen in der Schule oder bei Hausaufgaben. Freies Sprechen oder Mitarbeit im Unterricht stehen eher nicht im Fokus. Zum Beispiel ist es im Businessunterricht so, dass der Lehrer einfach nur eine Stunde lang uns seine Präsentation vorliest und wir zuhören sollen. Ich persönlich präferiere eine etwas abwechslungsreichere Unterrichtsgestaltung, bei der man auch als Schüler etwas mehr gefordert wird.

Der Monat Mai war voller Überraschungen. Vor etwa zwei Wochen ist unsere norwegische Austauschschülerin 18 Jahre alt geworden. Zusammen mit ihren Gasteltern haben alle anderen Austauschschüler heimlich eine große Geburtstagsparty vorbereitet. Es war ein voller Erfolg, da sie überhaupt nicht damit gerechnet hatte. Ein weiteres Event gab es dann vor ein paar Tagen. Da die Gasteltern einer italienischen und  der schwedischen Schülerin ihren Sommerurlaub bereits für Ende Mai geplant hatten, mussten die beiden uns leider schon etwas früher verlassen. Gemeinsam mit vielen anderen Schülern haben wir ein Abschiedspicknick vorbereitet und die beiden damit überrascht. Auch dies war eine gelungene Aktion und ein wirklich schöner Tag, auch wenn zum Abschied natürlich einige Tränen geflossen sind.



Sportlich gesehen war in diesem Monat auch so einiges los. Ich durfte gemeinsam mit einigen englischen Mitschülerinnen unsere Schule bei den Leichtathletik-Meisterschaften der Stadt vertreten. Dabei hatte ich mich für Hochsprung entschieden, weil dort noch jemand gesucht wurde. Eigentlich bin ich gar nicht so gut in dieser Disziplin, aber ich wollte auch aus Spaß mitmachen. Außerdem war es eine interessante Abwechslung zum Schulalltag, den wir an diesem Tag verpasst haben. Letztendlich trafen wir bei den Meisterschaften auf sehr viele gute Athleten, die schon seit Jahren trainieren. Unsere Ergebnisse waren da eher bescheiden. Es war trotzdem ein schöner Tag und auch ganz interessant, sich mal mit Schülern aus anderen Schulen zu unterhalten.



Endlich hatte ich dann auch meinen ersten Wettkampf im Gerätturnen und ich war echt gespannt, wie das Ganze in England so abläuft. Immerhin gehe ich auch hier dreimal pro Woche zum Training. An dem Wettkampf haben über 50 Turnerinnen teilgenommen und ich habe mich riesig gefreut, gegen ein paar andere Konkurrentinnen antreten zu können. Dann kam aber die große Enttäuschung. Da ich in der höchsten Altersklasse und dem schwierigsten Level gestartet bin, hatte ich nur eine einzige Mitstreiterin, was den Wettkampf nicht mehr ganz so spannend gemacht hat.
Am Ende hatte ich in allen Gerätefinals die Nase knapp vorn und bin mit vier Goldmedaillen nach Hause gefahren. Das Schöne ist aber, dass ich meine Stadt nun bei den Regionalmeisterschaften vertreten darf. Der Wettkampf wird am letzten Wochenende vor meiner Heimreise stattfinden. Ich freue mich schon riesig.



Meine Wochenendausflüge nach London waren auch wieder vollgepackt mit Erlebnissen. Für die komplette Erkundung des Hyde Parks, der größten Grünanlage im Zentrum von London, habe ich fast einen ganzen Tag gebraucht. Eine verblüffende Entdeckung habe ich dabei auch gemacht: Hier gibt es einen ganzen Clan exotischer Vögel, die eigentlich gar nicht in England existieren. Nach dieser langen Wanderung durfte auch kleiner Abstecher zur Wohnung von Sherlock Holmes nicht fehlen.





Letztes Wochenende habe ich einen weiteren sehr interessanten Platz besucht. Wahrscheinlich wissen die meisten nicht, was ein Cronut ist, aber hier ist es der komplette Hype. Vor ein paar Jahren hat der New Yorker Bäcker Dominique Ansel ein Gebäck erfunden, das von der Form her ein Donut ist, aber aus dem Teig eines Croissants gemacht wird. Ansel ist mit seiner Erfindung Multimillionär geworden. Auf der ganzen Welt gibt es nur sieben seiner Bäckereien, eine davon in London. Möchte man einen Cronut haben, muss man sich schon morgens in die lange Warteschlange einreihen. Meistens sind die Cronuts nach wenigen Stunden ausverkauft. Glücklicherweise habe ich den vorletzten Cronut ergattern können und ich muss zugeben, er schmeckt schon ziemlich gut. Jeden Monat gibt es eine komplett neu kreierte Füllung, der Saison entsprechend. Die Geschmacksrichtungen sind echt schrill und nicht jedermanns Sache. Von matcha golden pineapple über chocolate champagne bis hin zu blackberry lime war alles schon dabei.
Diesen Monat stand „Morello cherry with toasted almond cream“ auf dem Speiseplan. Das klingt ziemlich extravagant, war aber mega lecker.



Alles in allem habe ich wirklich viel erlebt diesen Monat und möchte es gar nicht wahrhaben, dass mir nur noch ein paar Wochen in England bleiben. Ich möchte noch so viel unternehmen und habe das Gefühl, dass meine Tage umso vollgepackter werden, je näher meine Abreise heranrückt. Wie ich die verbleibende Zeit bestmöglich ausnutze, könnt ihr in meinem nächsten Bericht lesen.

Katharina berichtet über ihr Austauschjahr in Großbritannien. Hast du auch Lust auf einen Auslandsaufenthalt in Großbritannien? Wir beraten dich gerne!

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