Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Larissa in Schottland

"Ich werde zu einer echten Schottin"

Hiya!

Mein Name ist Larissa Bruns und ich bin gerade dabei zu einer echten Schottin zu werden. Da gehört Schottisch natürlich auch dazu. Ich bin 16 Jahre alt und werde das ganze Schuljahr in Schottland verbringen.
Zurzeit wohne ich mit meiner Gastfamilie, den Mackays, in der Nähe von Edinburgh in Bonnyrigg.
Bevor meine Reise losging habe ich mich intensiv auf das Land vorbereitet. Ich bin schon zwei Mal in Schottland gewesen und liebe es. Und jetzt kann ich ein Teil davon werden!

Am 30. August ging mein Flug von Hamburg nach London. Die ganze Zeit zuvor konnte ich immer sagen: „Ich gehe für ein Jahr nach Schottland“, aber es war nie etwas Greifbares. Das Warten auf mein Abreisedatum war am Schlimmsten. Ich wollte nur noch nach Schottland!
Aber dann ging es endlich los.
Um 10:00 Uhr traf ich mich mit einem Freund von mir, der auch nach Schottland für ein Jahr geht. Finn habe ich auf dem Vorbereitungstreffen kennengelernt und wir sind gute Freunde geworden. Ich flog zum zweiten Mal in meinem Leben, so war ich natürlich gleich doppelt aufgeregt.
In der Sicherheitsschleuse angekommen drehte ich mich noch einmal um und sah meine Eltern, die sich umarmten und mir stolz zuwinkten und mich gehen ließen. Diesen Augenblick werde ich nie vergessen.
Dann musste ich weitergehen. Ich war nicht traurig, ich wollte einfach nur noch da sein. Das Gefühl, als das Flugzeug abhebt ist unbeschreiblich. Du lässt dein altes Leben zurück und fliegst ins Ungewisse und dein neues Leben.
Der Landeanflug auf London war wunderschön. Der Himmel war klar und man sah diese große pulsierende Stadt. Und ich durfte für fünf Tage dort sein! Ich war im United Kingdom, das lange Warten und viele Arbeiten hat sich gelohnt.

Meine Familie und ich haben uns dafür entschieden, dass ich das Soft Landing Camp machen kann, weil man dort schon einen guten Einblick in das tägliche Leben der Briten bekommt.

Das Soft Landing Camp an sich war sehr spannend und die Mitarbeiter sehr lustig. Wir wohnten in einem kleinen Hotel mitten in London neben der Sankt Paul´s Church. Der tiefe Glockenklang erinnerte mich daran, die Schönheit zu genießen. Zusammen als Gruppe besuchten wir den Trafalgar Square, den Buckingham Palace, Big Ben, London Eye und den Camden Markt. Das Touristenprogramm eben. Aber mein Highlight waren die Baker Street 221b und der Bahnhof King´s Cross mit das Gleis 9¾ besucht. Im nebenliegendem Harry Potter Shop traf man viele Fans.

Als Ganzes betrachtet ist das Soft Landing Camp sehr gut zum Vorbereiten und kennenlernen der Hauptstadt. Meines Erachtens nach aber eher für die Austauschschüler, die nach Irland, Wales oder England fliegen, da die schottischen Schulen früher beginnen.

Am Samstag, den 3. September 2016 fuhr ich mit dem Zug nach Schottland. Die Aufregung stieg. Nach fünf Stunden Zugfahrt kam ich in Edinburgh an. Mein Gastvater sollte vor einem Shop warten. Als ich aus dem Zug steige kann ich es gar nicht fassen, dies ist mein neues Leben.

Der erste Abend bei meiner Familie war sehr chaotisch. Meine Gastmutter kochte und mein kleiner Gastbruder Lewis spielte mit einem Freund lautstark am Essenstisch.

Das Haus an sich ist sehr groß, mit vier Schlafzimmern, drei Badezimmern und einem Wintergarten. Meine ersten Gefühle waren gemischt. Ich war erleichtert endlich da zu sein, aber auch etwas überfordert, weil es zu viele Eindrücke auf einmal waren. Mein Zimmer ist sehr groß, mit einem Doppelbett, einem Schreibtisch und einer kleinen Nische, mit einem wunderbaren Ausblick auf die Pentland Hills. Es gefällt mir in diesem Haus, meinem neuen Zuhause.

An diesem Abend kam meine Gastschwester etwas später, weil sie mit Freunden noch unterwegs war. Victoria ist 18 und kommt aus Belgien. Sie war mir seit dem ersten Augenblick an sympathisch.

Der erste Schultag war zwei Tage danach. Aufgeregt zog ich mir meine Schuluniform an und ging mit Victoria zur Schule, der Lasswade Highschool in Bonnyrigg. Es ist ein riesiger Gebäudekomplex, der drei Jahre vorher neu errichtet wurde. Die Schule an sich ist über 100 Jahre alt. Die Schule ist sehr hell und alles ist freundlich und ordentlich.

Die Schuluniform besteht aus schwarzen Schuhen, einem schwarzen Rock mit schwarzer Strumpfhose oder einer schwarzen Hose, einer weißen Bluse und einem Schulblazer. Man kann aber auch schwarze Pullover oder Cardigans dazu kombinieren. Meine Schulkrawatte ist rot. An meiner Schule gibt es insgesamt drei Häuser, von denen jedes seine eigene Farbe hat. Ab der 4. Klassenstufe bekommt jeder Schüler einen Schulblazer und kann zum „Prefect“ werden. Das heißt, dass dieser Schüler als Vorbildfunktion agieren muss. Ich bin ein „Prefect“. Es wird sehr streng auf die richtige Kleiderordnung geachtet.

Das schottische Schulsystem unterscheidet sich sehr von dem Englischen. Schüler gehen insgesamt sechs Jahre auf die Highschool, die sie dann mit ihren „Highers“ abschließen.

An meinem ersten Schultag wusste ich noch nicht in welchen Jahrgang ich kommen würde. Mister Mitchell, der Verantwortliche für alle internationalen Studenten, wie wir dort heißen, hilft mir meine Fächer auszuwählen. Ich gehe in die Secondary 6-Stufe, das heißt, dass ich in das letzte Schuljahr gehe und dieses Jahr meine Abschlussprüfungen mache.

Bei der Fächerauswahl entscheide ich mich für Higher Englisch, Higher Französisch, Higher Musik und Higher Drama. Jedes Fach wird sechsstündig in der Woche unterrichtet. Diese Auswahl ist sehr spannend, weil ich dies so nicht in Deutschland wählen könnte. Einmal in der Woche haben wir eine Komitee Arbeit. Ich bin in der South Africa Gruppe. Wir arbeiten dafür, dass acht Afrikaner für eine Woche am Ende des Schuljahres zu uns kommen können.

Die ersten Schultage zogen nur so dahin und ich lebte mich schnell ein. Mit Drama habe ich meinen Spaß, das sind die Dinge, die mir Freude bereiten. Wir schreiben ein eigenes Stück, das wir dann im November vor der Schule aufführen. Ich schreibe mein erstes eigenes Skript und bin sehr stolz darauf. Mit diesem Kurs war ich auch in einem Theaterstück.

Der Musikunterricht besteht aus zwei Stunden Theorie, in denen wir komponieren oder die verschiedenen Epochen der Musik kennenlernen. Die restlichen vier Stunden der Woche bestehen aus selbständigem Lernen eines Musikinstruments. Für Higher Music muss man in den Prüfungen zwei Instrumente spielen können, das heißt, dass wir Stücke selber erlernen und dann vorspielen. Ich entscheide mich bei meinem ersten Instrument für die Querflöte und beim Zweiten für das Keyboard. Weil ich Flöte schon so lange spiele, belege ich nun einen Kurs höher, den Advanced Higher Kurs, der auf dem Level der Universitäten unterrichtet wird.

Mit Französisch hatte ich am Anfang meine Probleme, weil wir viele Übersetzungen machen und ich natürlich in drei Sprachen denken musste. Aber mittlerweile wird es immer leichter. Der Französischkurs ist sehr besonders, weil wir insgesamt nur sechs Schüler sind. Einer von ihnen lernt Deutsch zur selben Zeit. Unser Lehrer ist sehr gut in Französisch und Deutsch und ich helfe dem Deutschschüler manchmal mit der Aussprache oder guten Ausdrücken.

Mit dem Higher Englischunterricht habe ich anfangs Probleme, weil wir Great Gatsby behandeln und ich dies zuvor noch nie gemacht habe. Ich entscheide mich dafür ein Level herunterzugehen, um mir nicht unnötig Stress zu bereiten.

Alles in Allem bin ich sehr zufrieden mit meiner Auswahl.

Der ganze Monat ist wie im Flug vergangen. Mit meiner Gastfamilie habe ich sehr viel Spaß. Wochentags gehen wir alle Arbeiten, oder zur Schule. Victoria und ich verlassen das Haus um acht, nachmittags kommen wir als erste wieder nach Hause und gehen mit den Hunden oder machen Schularbeiten. Um sechs Uhr gibt es Abendessen, das von der ganzen Familie zusammen eingenommen wird. Dort besprechen wir unseren Tag. Danach machen Victoria und ich den Abwasch und tanzen in der Küche zu unserer Musik. Wir haben unseren eigenen kleinen täglichen Ablauf. Danach sitzen wir mit der Familie vor dem Fernseher, spielen mit Lewis oder meine Gastschwester und ich gehe auf unser Zimmer und mache Hausaufgaben. Eine Tradition haben wir jedoch, wir schauen immer zusammen “Bake off“, eine Back-Show. Meine Gastmutter ist sehr Backbegeistert.

An den Freitagabenden schauen Victoria und ich immer zusammen einen Film. An Samstagen schlafe ich etwas länger und mache Hausaufgaben, oder fahre nach Edinburgh. Zusammen als Familie hatten wir schon eine lange laute Monopoly Nacht und manchmal diskutieren wir über die verschiedenen Kulturen. Am Sonntag besuche ich die örtliche Kirche und abends meine Kirchenjugendgruppe, in der wir gemeinsam über Gott sprechen und spielen. Lewis hat viele verschiedene Freizeitaktivitäten, vom Tanzen zum Rugby ist alles dabei. Ich bin sehr stolz, dass ich an meinem ersten Sonntag zu seinem Rugby Training kommen konnte. Die Mackays bestehen nicht nur aus meinen Gasteltern und Lewis. Lewis hat zwei ältere Schwestern, von denen eine in London wohnt und arbeitet und die andere zwei Straßen weiter mit ihrem Freund. Dieser Freund ist sehr witzig und spricht einen sehr starken Akzent. Ihn habe ich an meinem ersten Abend im Kilt gesehen, da er zu einer Hochzeit musste.

Ich liebe diese verrückte liebe Familie.

Weil ich ein sehr aktiver Mensch bin, habe ich mich um viele verschiedene Freizeitaktivitäten bemüht, so gehe ich in meiner Schule in den Bibelclub und den Chor. Außerdem bin ich in drei Orchestern mit meiner Flöte, mit denen ich im November einen großen Auftritt habe. Ich habe mich nach verschiedenen Tanzangeboten umgesehen und auch eins ausprobiert, aber das war nicht mein Geschmack. Außerdem habe ich mich für die Schülervertretung in der Schule beworben und um Instrumentalunterricht.

Zum Glück hatte ich bis jetzt noch kein Heimweh und ich fühle mich hier wohl. Mit meinen Eltern skype ich einmal die Woche, oder kurz zwischendurch, wenn etwas anliegt. Es ist nur manchmal schwierig, zum Beispiel, wenn ich etwas Tolles erlebt habe und es meinen Eltern nicht einfach so erzählen kann. Mit meinen Freunden aus Deutschland schreibe ich manchmal, mit zwei meiner Freundinnen habe ich auch schon geskypt. Aber vor meiner Abreise hat meine Familie sich dazu entschlossen, dass alle Nachrichten an mich über meine Eltern gehen. Meine Eltern geben auch alle Informationen und Neuigkeiten von mir weiter.

In die schottischen Gruppen hineinzukommen war erst schwierig, weil ich in der Mitte des ersten Terms dazu gestoßen bin. Doch langsam haben sich einige Gruppen geöffnet und ich kenne sehr viele Schüler aus meinen Kursen, oder meinen Orchestern, die mich auch auf den Schulfluren grüßen und wiedererkennen. Ansonsten habe ich eine enge Freundschaft mit meiner Gastschwester geschlossen, wir sind fast wie echte Schwestern.

Mein Höhepunkt diesen Monats war mein Ausflug zum Arthur´s Seat mit meinem Freund Finn. Die Aussicht ist überwältigend und ich werde diesen Tag niemals vergessen. Wir sind auch auf die vier nebenliegenden Hügel gewandert, es war anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Der höchste Hügel in Edinburgh ist wunderschön, man kann von dort aus die ganze Stadt überblicken.





Als Fazit für den Monat September kann ich benennen, dass ich schon jetzt anfange in Englisch zu denken. Wenn ich mit meinen Eltern telefoniere fange ich wie selbstverständlich an in Englisch zu reden, oder manchmal fallen mir die deutschen Vokabeln nicht mehr ein. In Französisch hatte ich die Situation, dass ich eine Übersetzung eines Englischen Textes ins Deutsche machen sollte. Ich hatte alles verstanden, aber ich konnte mich nicht mehr richtig im Deutschen ausdrücken, dies merkt man vermehrt an meiner Satzstellung. Die Menschen sind einfach zu verstehen, ich hatte mir den Akzent anders vorgestellt, nur die Jungen sprechen sehr schnell und in Jugendsprache, aber auch bei den Lehrern fließen schottische Wörter in den normalen Sprachgebrauch mit ein, so habe ich schon ein paar schottische Audrücke gelernt.

Ich habe mich sehr gut in meiner Familie eingelebt und habe mir schon ein richtiges soziales Leben aufgebaut. Die Schule, meine Familie und meine Orchester nehmen mich sehr in Anspruch und ich freue mich jeden Morgen, dass ich in Schottland sein kann.



Larissa berichtet über ihr Austauschjahr in Großbritannien. Hast du auch Lust auf einen Auslandsaufenthalt in Großbritannien? Wir beraten dich gerne!

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