Dr. Frank Sprachen & Reisen

Ausland macht schlau!

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Larissa in Schottland

"Dieser Monat war ein einziges großes Erlebnis"

Schon im Oktober wusste ich, dass dieser Monat sehr besonders wird. Mit vielen schönen Ereignissen, Gefühlen und Erinnerungen. Am Anfang des Monats hatte meine Mutter in Deutschland Geburtstag. Der Morgen war etwas schwierig für mich, doch ich hatte die wundervolle Unterstützung meiner Hausschwester und meiner Freundinnen. Es war schwierig für mich meine Mutter an ihrem besonderen Tag nicht einfach in den Arm nehmen zu können, aber wir haben abends telefoniert und viel gelacht, das hat mein Gewissen beruhigt. Denn auch meine beste Freundin hatte Mitte des Monats Geburstag. Sie hat ihren 18. gefeiert, doch ich habe ihr ein großes Paket mit schottischen Lebensmittel geschickt und wir haben lange telefoniert. Man verpasst viel, aber das ist es wert, denn ich lerne jeden Tag neue interessante Menschen kennen. Wenn ich die Möglichkeit hätte für einen Tag nach Deutschland zu fliegen, würde ich es nicht machen, da ich vielleicht einen Moment verpassen könnte, in dem ich einen neuen Freund finde. Mit meinem Drama Kurs war ich in einem Theaterstück, das `Grain in the Blood` heißt und sehr spannend war. Zusammen waren wir als eine Gruppe noch essen in Edinburgh und haben uns dann im Traverse Theater getroffen. Die Aufführung hat uns sehr gut gefallen und anschließend hat mein Kurs noch die After-Show-Discussion besucht, um die Meinung der Schauspieler zu hören und ihre Sicht auf das offene Ende des Theaterstücks. Es war ein wundervoller Abend mit viel Inspiration.
Am 5. November wird in Schottland und ganz Großbritannien die ’Bonfire Night`, oder auch `Guy Fawkes Night` gefeiert. Im Jahr 1605 wurde am 5. November ein Anschlag auf den protestantischen König von England Jakob I. durch den katholischen Offizier Guy Fawkes verübt. Es scheiterte und seit diesem Tag werden in der Nacht Scheiterhaufen mit Guy- Fawkes- Strohpuppen entzündet, und Feuerwerke oder Fackelzüge veranstaltet. Eine Nacht zum Zelebrieren, dass der Komplott gescheitert ist.

Am Morgen bin ich nach Edinburgh gefahren und habe Winterschuhe gekauft. Danach bin ich wieder durch die Straßen gestriffen und habe die Rememberance Day Plätze besichtigt. Mein Tipp für alle, die „ihre“ Stadt in und auswendig lernen möchten. Wenn Ihr einen freien Tag habt, lauft los und schaut Euch jede Straße an, das bringt Euch wirklich weiter und beim nächsten Besuch braucht Ihr schon keinen Stadtplan mehr. Ich bin nach Schottland gekommen mit einem schlecht ausgeprägten Orientierungssinn und durch diese „Entdeckungszüge“ habe ich meine Orientierung verbessert und auch viel über mich selbst gelernt. Denn Edinburgh hat sehr schöne Hinterhöfe, die die meisten Touristen niemals sehen werden, mit eigenem Charme. Insbesondere zur Zeit der Rememberance Poppies (Klatschmohn). Denn im November gedenken die Briten ihren verstorbenen Soldaten des ersten Weltkrieges. Edinburgh ist ganz in Rot gehüllt. Unter dem Scot´s Monument ist eine Rasenfläche mit kleinen Kreuzen geschmückt und an den Straßenecken werden die Ansteckblumen verkauft. Der Tag war sehr schön, ich habe gute und warme Winterschuhe gefunden, denn langsam aber sicher wird es Winter in Schottland. Am Abend habe ich mich mit meiner Hausschwester Victoria und einem Freund in Bonnyrigg getroffen. Wir haben Pizza gegessen und sind dann zusammen zu einem Lagerfeuer auf einem Hügel in Bonnyrigg gegangen. Es war überwältigend, denn man konnte ringsherum die Feuerwerke beobachten. Viele Familien mit Kindern und Jugendliche waren dort und haben zusammen gelacht, getrunken und gegessen. Meine erste `Bonfire Night` war sehr erwärmend und lustig. Ein tolles Erlebnis.

 

Den Sonntag danach haben meine Gastfamilie, Victoria und ich ein sehr interessantes und kulturelles Frühstück ausgetauscht. Meine Eltern haben mir eine Packung Pumpernickel Brot geschickt und das habe ich mir am Morgen zubereitet. Meine Gastschwester bezeichnet es als: „dog bread.“ Dafür bereitete sie sich ein Nutella Toast und eine Schüssel mit Milch zu, in die sie ihr Toast hineintunkt. Sehr Französisch. Das hört sie aber nicht so gerne, da sie ja Belgierin ist. Meine Gastmutter machte sehr traditionell Porridge mit Himbeeren und Blaubeeren und mein Gastvater genoß schon das zweite Frühstück: Chili Con Carne auf Toast. Also ein sehr kulturelles Frühstück. In der Schule hat mich der Head Teacher Mr Mitchell gefragt, ob ich meine Abschlussprüfung auch im Fach Deutsch machen möchte. Er fand die Idee lustig, dass ich zurückkomme und ein Diplom über meine Deutschsprachkenntnisse habe. Ich habe eingewilligt, auch wenn das mehr Stress bedeutet. Zudem hatte ich meine Drama Aufführung über mein selbstgeschriebenes Skript. Ich war sehr aufgeregt, insbesondere weil meine Szene die erste im ganzen Stück ist. Es hat alles reibungslos geklappt und es macht Spaß mit meiner Freundin Laura auf der Bühne zu stehen. Ich habe ein schizophrenes Mädchen gespielt, dessen einziger Begleiter eine Art Poltergeist ist, der sie verfolgt aber zeitgleich auch die einzige Aufmerksamkeit gibt. Meine selbstgeschriebene Geschichte ist über ein Transgender Mädchen. Sie wurde als Mann geboren, ist nun aber eine junge Frau, sieht im Spiegel aber immer noch ihre Vergangenheit. Beide Geschichten sollen die Leben von Menschen dokumentieren und erzählen, die es selbst nicht können. Das viele Arbeiten hat sich gelohnt, die Aufführung ist ein Erfolg und wir bekommen positive Rückmeldungen. Ich bin sehr stolz. Seit diesem Monat läuft ein Programm an, das mit Kindern liest, die ein sehr junges Lesealter haben und somit Probleme beim flüssigen Lesen. Jeden Dienstag und Donnerstag lese ich für 10 Minuten mit einem Jungen, es macht uns beiden großen Spaß. Auch mit Deutsch helfe ich einigen der jüngeren Schüler. Eine Assistenzlehrerin aus Deutschland und ich haben einen Anfängerkurs für Deutsch gegründet. Es gab viel Resonanz und auf den Schulfluren grüßen mich die Schüler nun auf Deutsch. Ansonsten helfe ich auch einer Lehrerin mit ihrer Deutschklasse. Unterrichten und Helfen hat mir immer schon sehr viel Freude gebracht und es ist wunderbar die Fortschritte von den Kindern zu sehen. Mit einigen Freunden bin ich auch weiterhin in der Schülervertretung und habe auch mein erstes Wappen auf meinen Blazer bekommen.

Am 11. November ist der Rememberance Day. Dort gedenkt das ganze Vereinigte Königreich den Verstorbenen im ersten und zweiten Weltkrieg. Und an diesem Tag gab es auch den ersten Frost. Die Schule gedenkt mit einer Versammlung des S5- Jahrgangs. Dort kamen Schüler aus den Reihen der Mitschüler zur Musik auf die Bühne und erzählten von ihren Erlebnissen aus Belgien. Beendet wird das Gedenken von einem Dudelsackspieler. Der traditionelle Gedenkgottesdienst wird für den letzten Jahrgang abgehalten. Wir versammelten uns vor einem Brett mit allen Namen von Gefallenen, die auf die Lasswade Highschool gegangen sind. Die Namen zu sehen und in Reihen vor der Tafel zu stehen machte es viel persönlicher. Das Head Girl las einen Vers vor und danach hielt ein Pfarrer eine Rede. Er erinnerte uns, dass es nicht nur um diesen Krieg geht, denn wir müssen auch denen gedenken, die in Kriegen sterben, die jetzt gerade geführt werden. Danach wurde ein Kranz mit Poppies vor der Tafel abgelegt und die zwei Schweigeminuten begannen, die beendet wurden von einem Trompetenspiel. Die ganze Prozedur war sehr emotional und es war sehr interessant es einmal als Mitwirkende und nicht nur als Außenstehende beobachten zu können. Das ganze Vereinigte Königreich hat Wochen zuvor Geld gesammelt, um ihre verwundeten Soldaten unterstützen zu können. Ich habe auf meinem Platz gesessen und habe ein tiefverankertes Schuldgefühl gespürt. Das hat mir dann doch noch einmal vor Augen geführt, was für ein Privileg es ist, ein Austauschschüler sein zu dürfen. Ich finde die Tradition um den 11. November herum sehr wichtig zum Aufarbeiten des Geschehenen. Die Briten erkennen an, was manche von ihnen gaben, damit wir eine bessere Zukunft haben.

                                               „They gave their today for our tomorrow.

Am Rememberance Sonntag fahre ich früh morgens nach Gullane, ein Dorf nicht weit von North Berwick entfernt. Ich gehe in die Parish Church, sie wirkt von außen klein und unscheinbar, aber von innen hat sie machtvolle, farbige Fensterbilder.  Der Gottesdienst zum Rememberance Day war sehr besonders und ich war sehr überrascht, als wir “God Save The Queen“ gesungen haben. Ich muss zugeben, dass ich die Nationalhymne extra auswendig gelernt habe, bevor ich hergekommen bin, aber noch nie in Schottland gebraucht habe. Nach dem Gottesdienst ging die Gemeinde gemeinsam zu einem kleinen Platz in Gullane, an dem eine Gedenksstatue für die Gefallenen steht. Die Pastorin verlas einen Vers und die Kränze wurden abgelegt. Danach begannen die zwei Schweigeminuten. Nach dem ein Dudelsackspieler „Flower of Scotland“ gespielt hat löst sich die Gemeinde auf. Ich ging zu einem Bäcker, der aus Deutschland stammt.. Das Café heißt  “Falco“ und ist immer sehr gut besucht. Ich sehe mich satt an dem deutschen Brotangebot und der Vielfalt der Schwarzwälder Kirschtorten. Ich war auf einem sehr netten Geburtstag einer Freundin. Wir waren in Edinburgh bei Pizza Hut und hatten einen sehr netten Tag mit vielen Mädchen. Auch sie ist sehr Sprachbegeistert und ich habe sie dazu eingeladen mich im nächsten Winter einmal in Deutschland zu besuchen. Mit ihr habe ich mich auch zu einem Filmabend verabredet. Meine Freundin kannte Monty Python nicht, der Film des britischen Humors überhaupt. Jetzt kennt sie ihn und wir begrüßen uns mit Anekdoten aus „The Life of Brian“ auf den Schulfluren. Mein persönliches Highlight des Monats war am 17. November. Alljährlich findet das Midlothian School Concert in der Usher Hall statt, in dem alle Orchester mit Schülern aus ganz Midlothian spielen. Die Usher Hall ist eine große Konzerthalle in Edinburgh, die vor über 100 Jahren gebaut wurde. Wochenlang habe ich mich mit meinen Orchestern auf diesen Auftritt vorbereitet. Morgens sind alle Musiker von meiner Schule zusammen mit dem Bus nach Edinburgh gefahren. Dort haben wir dann den ganzen Tag geprobt und den anderen Orchestern zugehört. Es war sehr spannend zu sehen, was andere Orchester vorbereitet haben. Abends ging es dann los. Ich war sehr aufgeregt, denn meine Gastfamilie und ein paar meiner Freundinnen, die nicht in meinen Orchestern mitspielen waren da, um mich spielen zu hören. Die Usher Hall kann bis zu 2.200 Menschen beherbergen und die Show war ausverkauft. Die Stimmung hinter der Bühne war ausgelassen und familiär. Mein Symphonie Orchester hat Danzon No.2  gespielt. Ich werde den Moment nie vergessen, in dem wir alle auf die Bühne gegangen sind. Lehrer standen an den Türen und haben dich daran erinnert zu lächeln, ich habe meinen Herzschlag gespürt und dann war ich auf der Bühne. Die Bühne ist mein Element. Mein Solo war perfekt, ich musste eine „Konversation“ mit einer Klarinette halten. Als der letzte Ton verklungen war, konnte ich nicht mehr aufhören zu lächeln. Das war mein Augenblick, in dieser besonderen Halle und mit den Menschen um mich herum, die mir viel bedeuten. Bei meinem Soloapplaus habe ich meine Gastfamilie angeschaut. Auch mein zweites Orchester war ein Erfolg. Beim Abgang von der Bühne war ich sehr traurig, denn nun werde ich nicht mehr die gemeinsame lustige Zeit mit meinen Freunden in den Orchestern haben. Es war ein Gefühl wie zu Weihnachten, seine Gastfamilie und seine Freunde an diesem wichtigen Tag dabei zu haben.

 

Am Wochenende danach fahre ich zusammen mit meiner Kirchengruppe nach Glasgow. Vorher haben wir uns noch in dem Haus der Leiterin getroffen und einige Themen besprochen und Pizza zusammengegessen. In Glasgow haben wir das „PowerPoint“- Event besucht. Dort treffen sich Jugendgruppen aus der Umgebung und preisen und verehren Gott in einem modernen Gottesdienst. Der Abend war überwältigend und sehr augenöffnend. Livebands haben gespielt und alle Jugendlichen haben mitgesungen. An diesem Abend habe ich mich in Schottland wirklich zuhause angekommen und auch angenommen gefühlt.  Die Kirchengruppe ist wie eine Familie für mich. Mein Gastvater hatte Geburtstag am 20. November. Victoria, meine Gastschwester, und ich haben ihm zum Geburstag eine Donauwelle, nach einem Familienrezept meiner Familie, gebacken. Er hat sich sehr darüber gefreut, denn er mag deutsche Kuchen und Torten. Zusammen sind wir dann als eine Familie in die Pentland Hills gefahren und haben einen langen Spaziergang mit den Hunden unternommen. Die Natur ist wirklich wunderschön, besonders jetzt, da der erste Frost liegt und der Winter Einzug hält. Am 30. November wird in Schottland die St. Andrew’s Day zelebriert, es ist der offizielle Nationaltag. Saint Andrew ist der Patron der Insel. Doch ich habe eine mündliche Prüfung in Französisch an diesem Tag und in der Schule wurde es auch nicht erwähnt. Morgens wurde mein Gastbruder jedoch gebeten etwas Blaues an diesem Tag zu tragen. Dieser Monat war ein einziges großes Erlebnis. Dass ich mich in Schottland zuhause fühle macht es schwieriger den Anschluss nach Deutschland nicht zu verlieren. Ich tauche ganz in Schottland ein. Und ich verändere mich, das merke ich, wenn ich mit meinen Freundinnen in Deutschland telefoniere, oder wenn ich mich selbst reflektiere. Ich verlerne meine Muttersprache. Es fühlt sich nicht an, nach drei Monaten in einem anderen Land. Es fühlt sich an, wie ein Leben lang in keinem anderen Land. Mein Horizont hat sich erweitert.




Larissa berichtet über ihr Austauschjahr in Großbritannien. Hast du auch Lust auf einen Auslandsaufenthalt in Großbritannien? Wir beraten dich gerne!

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